Lieber Bischofszell als Italien

BISCHOFSZELL. Prominente Vertreter aus Politik und Wirtschaft – zwei Regierungsräte, zwei Stadträte und ein CEO – diskutierten am Samstagabend an der Immomesse St. Gallen über das geplante Holzkraftwerk in Bischofszell Nord.

Manuel Nagel
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Regierungsrat Kaspar Schläpfer (links) lauscht den Worten des Bischofszeller Stadtrates Armin Bolliger, der das Ressort Umwelt innehat. (Bild: Manuel Nagel)

Regierungsrat Kaspar Schläpfer (links) lauscht den Worten des Bischofszeller Stadtrates Armin Bolliger, der das Ressort Umwelt innehat. (Bild: Manuel Nagel)

Anlässlich der Immomesse in St. Gallen lud die Regionalplanungsgruppe Oberthurgau (RPO) am Samstag in der Olma-Halle 9 zur Podiumsdiskussion zum geplanten Bau eines Holzkraftwerks in Bischofszell.

Es ist eine illustre Runde, die FM1-Moderator Ralph Weibel auf dem Podium begrüssen darf: Nebst den beiden Regierungsräten Kaspar Schläpfer (TG) und Willi Haag (SG) sind auch der Bischofszeller Stadtrat Armin Bolliger, RPO-Präsident Martin Klöti und Urs Elber, CEO der Axpo Holz+Energie AG, anwesend.

Ideale Bedingungen

Sie fänden hier ideale Bedingungen, beantwortet Elber Weibels Einstiegsfrage, weshalb denn gerade in Bischofszell. Hier gebe es Industrie sowie auch Holz in unmittelbarer Nähe: beides entscheidende Faktoren, um ein Holzkraftwerk zu betreiben.

Armin Bolliger und seine Kollegen aus dem Bischofszeller Stadtrat sehen denn im Bau eines solchen Holzkraftwerks auch keine Nachteile für ihre Stadt, nehmen aber gleichwohl die Bedenken aus der Bevölkerung ernst.

Cheminée schädlicher

«Wenn es irgendwo aus einem Kamin raucht, dann denken die Leute gleich, dass es stinkt», so Bolliger. Das Holzkraftwerk stosse jedoch nur Wasserdampf sowie CO2 aus, bestätigt auch Elber von der Axpo. Bei der Verbrennung des Holzes gelange nur soviel CO2 in die Atmosphäre, wie wenn das Holz sonst im Wald vermodern würde.

Auch bezüglich Feinstaub gibt Elber Entwarnung: «Nicht dass ich dies einem Bischofszeller unterstellen möchte, aber wenn einer mit nassem Holz sein Cheminée anfeuert, so lässt er mehr Feinstaub heraus als unser Kraftwerk.»

Auch der Thurgauer Regierungsrat Schläpfer bestätigt, dass die Filter heute so gut seien, dass sie keine Belastung für die Bevölkerung mehr seien.

In Weinfelden hätte es zu Beginn ähnliche Bedenken gegeben, als die Kehrichtverbrennungsanlage gebaut wurde. Heute sei das jedoch kein Thema mehr.

Schläpfer zurückhaltend

Zum Projekt in Bischofszell will sich Schläpfer nicht konkret äussern. Es wäre nicht geschickt, würde er nun Position beziehen, wenn nachher die kantonalen Behörden Bewilligungen erteilen müssten. Sonst hiesse es dann, der Kanton sei voreingenommen.

Schläpfer hielt jedoch fest, dass es der Kanton begrüsse, wenn man möglichst wenig von Energie aus dem Ausland abhängig sei. Momentan sei man enorm abhängig von Energie aus unsicheren Staaten. «Zudem bleibt so die Beschäftigung bei uns im Kanton und geht nicht in die Nordsee (Gas) oder in den arabischen Raum (Öl)», so der Regierungsrat. In dieselbe Kerbe schlägt auch Edgar Oehler, der unter den Zuhörern weilt.

Er erinnert an den Energiezwist während der letzten beiden Winter, als plötzlich kein Gas mehr durch die Pipelines floss. Die Industrie müsse nachhaltig mit Energie versorgt werden, damit die Arbeitsplätze erhalten würden.

Stärkung der Industrie

Auch Regierungsrat Kaspar Schläpfer meint, dass der Werkplatz Schweiz bald am Ende wäre, wenn die Industrie nicht mehr genügend Strom zu vernünftigen Preisen bekäme.

So gesehen stärke das Kraftwerk auch die Bina und ziehe vielleicht weitere Industriebetriebe an, mutmasst Elber.

Stadtrat Bolliger sieht jedoch auch für die Bevölkerung der umliegenden Häuser und allenfalls der Bischofszeller Altstadt Vorteile, wenn man denn einst die Abwärme zur Heizung nutzen könne, und kein Öl und Gas mehr einkaufen müsse.

Altholz zurzeit nach Italien

Ein grosses Kraftwerk ertrage es sicher im Kanton Thurgau, vielleicht sogar zwei, antwortet Schläpfer auf die Frage, ob nicht irgendwann das Holz knapp werden würde. «Bis vor kurzem vermoderte beinahe die Hälfte des Holzes in unseren Wäldern», weiss Schläpfer. «Dazu kommt, dass momentan noch tonnenweise Altholz nach Italien gekarrt wird. Ein Teil dieser Fahrten würde dann auch wegfallen und die Umwelt weniger belasten. Lieber nach Bischofszell statt nach Italien.

» Ganze 250 000 Tonnen solchen Abbruchholzes gehe Richtung Süden, bestätigt auch Elber.

Je zur Hälfte Alt- und Frischholz

Ein Zuhörer hegt die Befürchtung, dass schliesslich in Bischofszell zu wenig Holz aus dem Wald verwertet und zu einem Grossteil nur das billigere Altholz verbrannt werde. Nicht dass dies etwas Schlechtes wäre, aber man dürfe der Bevölkerung nichts vormachen, dass das Kraftwerk mithelfe, die Wälder zu säubern, am Ende jedoch zu einem grossen Teil nur Altholz verbrannt werde.

Elber bestätigt jedoch, dass in Bischofszell geplant sei, je zur Hälfte Frischholz und Altholz zu verbrennen, was je rund 40 000 Tonnen pro Jahr entspricht.

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