Liebe per Post

Der Appenzellerverein feierte sein 90jähriges Bestehen und führte das Bühnenstück «Liebi per Poscht» auf. Theater ist ein wichtiger Bestandteil des Vereins. Auch das älteste Mitglied, der 92jährige Emil Rechsteiner, wirkte früher im Theater mit.

Hedy Züger
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Auf die erfundenen Liebesbriefe folgte ein Auf und Ab der Gefühle. (Bild: Hedy Züger)

Auf die erfundenen Liebesbriefe folgte ein Auf und Ab der Gefühle. (Bild: Hedy Züger)

Ein kleiner Verein, der sich jedes Jahr Grosses vornimmt, das ist der Appenzellerverein. Von den 25 Mitgliedern engagiert sich jedes Jahr ein Drittel für die Theateraufführung. Als die Landwirtschaft, später die Industrie, ihren Nachwuchs an Mitarbeitern noch in den Nachbarkantonen rekrutierte, zählte der Verein 80 Mitglieder. Ihnen war der Kontakt zu Leuten, denen die Appenzeller Wesensart und ihr Dialekt vertraut waren, wichtig.

Keine grossen Reden

1920 gegründet, darf der Appenzellerverein diesen Sommer auf das 90jährige Bestehen zurückblicken. Grosse Reden sind nicht des Appenzellers Ding, am Unterhaltungsabend beschränkte sich Präsident Hansueli Mettler darauf, das Publikum freundschaftlich zu begrüssen.

Lebenslang dabei

Die Sektion Arbon besteht weiter, andere Vereine mussten in den letzten Jahren wegen Mitgliederschwund und Mangel an Führungskräften aufgeben.

Ältestes Mitglied, an Lebens- sowie an Vereinsjahren, ist beim Appenzellerverein Arbon Emil Rechsteiner (92). Mit 23 Jahren war er dem Verein beigetreten und hatte während Jahrzehnten mit Freude und Begabung im Theater mitgewirkt.

In der Gartenwirtschaft

Der Schwank «Liebi per Poscht» wurde in der Gartenwirtschaft Zum goldenen Ochsen ausgetragen.

Die Personen: Wirt, Ramschhändler, Grossgrundbesitzer, Brieffreundin, Briefträgerin sowie eine Serviertochter wurden von Hansueli Mettler, Max Blattner, Martin Rutishauser, Karin Wüstiner, Bea Rüsch, Vreni Haltinner und Jeannette Ballat verkörpert. Regie führte Ursula Rorschach.

Wechselbad der Gefühle

Der Ramschhändler wirbt in diesem Theaterstück ungeniert mit High Society, Lagerfeld und Dior, wenn er seine Ware anpreist.

Der Wirt im «Ochsen», den er ausstaffiert hat, wirkt in seinen grell-bunten Klamotten trotzdem eher fasnächtlich als fein. Dabei sollte er heute erstmals seine Brieffreundin treffen und sich wegen einer Wette auch sogleich mit ihr verloben. Doch wo die Pöstlerin die Liebesbriefe schreibt und bei den Kandidaten nach Herzenslust mogelt, da läuft einiges falsch. Die Schöne, die keine war, erwartete einen Adonis – und umgekehrt.

Der liebestolle Wirt, dem Mutter und Tochter gleichen Taufnamens auf dem Präsentierteller angeboten wurden, entging mit knapper Not dem Verlust seiner Existenz. Das Publikum spürte am Zwerchfell und in der Herzgrube das, was die Akteure auf der Bühne mit viel Können umsetzten: ein Auf und Ab der Gefühle, aber allem voran viele reizend gespielte, fröhliche Szenen.

Die Aufführung des Theaters bildete das Kernstück der Abendunterhaltung, doch im Kreis der Appenzeller trafen sich auch viele alte Freunde. Für die Verpflegung waren Toni Rüsch und sein Team zuständig. Ins Musikprogramm einbinden liessen sich das Trio Alphorn Egnach und die Kapelle Seerose.