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LEUCHTTURM: Glaube versetzt Bäume

An einer Versammlung der katholischen Kirchgemeinde wurde kürzlich beschlossen, den Fokus auf die Nothilfe zu setzen. Am Salmsacher Aachufer kann man beobachten, wie die erstbeste Gelegenheit dazu beim Schopf und manch umgestürmter Baum bei der Wurzel gepackt wird - denn warum in die Ferne schweifen, wenn Hilfe in den umliegenden Wäldern vonnöten ist?

An einer Versammlung der katholischen Kirchgemeinde wurde kürzlich beschlossen, den Fokus auf die Nothilfe zu setzen. Am Salmsacher Aachufer kann man beobachten, wie die erstbeste Gelegenheit dazu beim Schopf und manch umgestürmter Baum bei der Wurzel gepackt wird - denn warum in die Ferne schweifen, wenn Hilfe in den umliegenden Wäldern vonnöten ist?

Gefühlvoll wird manch gebrochener Stamm seiner letzten Bestimmung zugeführt. Dabei lassen die klerikalen Komplikationen aber nicht lange auf sich warten, und es kommt sogar zu einem kleinen Unfall: Beim Hochstemmen von Baumstämmen nutzen die bibelfesten Helfer die Hebelwirkung eines Kruzifixes. Als ihnen bewusst wird, dass sie es dabei verkehrt herum halten, lassen sie den Stamm erschrocken fallen, wobei einer eine leichte Quetschung am grossen Zeh des linken Fusses davonträgt.

Der agnostische Beobachter fragt sich in solchen Momenten, inwiefern religiöser Eifer dem Naturschutz dienlich ist und wo denn da um Himmels Willen die Effizienz bleibt. Der einsatzleitende Oberförster zeigt sich hingegen hell begeistert und spricht von einer "heiligen Allianz": "Meine Kollegen und ich kümmern uns vornehmlich um die lebenden Pflanzen des Waldes, während unsere katholischen Freunde um das Seelenheil der verblichenen Bäume und Büsche besorgt sind – denn auch die haben schliesslich ein Anrecht auf die letzte Ölung!"

Dabei scheint sich niemand daran zu stören, dass Selbstbestäubern und Homophyten dieser Segen stillschweigend vorenthalten bleibt - am wenigsten die Kleintiere der Uferzone: Dank der strengen Umsetzung der päpstlichen Dekrete haben zahlreiche Insekten und Würmer in den wegen ihren widernatürlichen Trieben liegen gelassenen Pflanzen ein neues Zuhause gefunden – wahrscheinlich göttliche Vorsehung. Denn schon in der Bibel steht geschrieben: Wer Wind sät, wird Wurm ernten.

Edith Züllig-Schorscher

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