Letzte Fahrt nach 38 Jahren

EGNACH. Fast sein ganzes Arbeitsleben war Roland Hohl als Gemeindearbeiter in Egnach tätig. Letzte Woche trat er in den Ruhestand. Ganz los lässt er aber nicht. Hohl will sich weiterhin um den Blumenschmuck des Gemeindehauses kümmern.

Maya Mussilier
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Mit dem Gemeindefahrzeug war Roland Hohl viel in Egnach unterwegs. (Bild: Maya Mussilier)

Mit dem Gemeindefahrzeug war Roland Hohl viel in Egnach unterwegs. (Bild: Maya Mussilier)

Egnach. Roland Hohl sitzt zusammen mit seinen Arbeitskollegen Martin Leopold, Walter Holzer, Köbi Mettler, Andreas Schallenberg, Fejzula Raimovic und Werkhofleiter Reto Bischof im Aufenthaltsraum des Werkhofs und Feuerwehrdepots. Die Znünipause wird jeweils zusammen verbracht und bietet eine ideale Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen, Arbeiten zu besprechen oder einfach miteinander zu scherzen.

Nun geht Roland Hohl nach 38jähriger Tätigkeit als Gemeindearbeiter in Pension. An seinem letzten Arbeitstag nimmt deshalb auch Bauverwalter Peter Haselbach teil.

Der Znüni schmeckt, die Stimmung ist gut. Roland Hohl sitzt zwischen den beiden langjährigen Arbeitskollegen Köbi Mettler (19 Jahre), der Ende September in den Ruhestand treten wird, und Walter Holzer, der ebenfalls schon 20 Jahre mit dabei ist. «Ab sofort der Dienstälteste im Bunde», wird gescherzt. Klar hätte er in den letzten 38 Jahren noch vieles anderes tun und lernen können, sagt Roland Hohl, aber: «Ich habe nie bereut, dass ich geblieben bin.»

Die Strassen «entstaubt»

«Viel Handarbeit», fällt Roland Hohl spontan ein, wenn er an die Anfänge seiner Tätigkeit bei der Gemeinde Egnach zurückdenkt. Im Sommer hätten sie jeweils fünf bis sechs Wochen gebraucht, um die Strassen mit Kaltteer zu flicken. «Das Splitt-Wägeli haben wir noch von Hand gezogen», sagt Roland Hohl. Zu Fuss seien sie unterwegs gewesen, er habe so manchen Kilometer auf den Gemeindestrassen zurückgelegt.

In seinen Anfangsjahren hätten sie in der Gemeinde noch viele Naturstrassen gehabt, die er und seine Kollegen bis auf zwei kleine Strecken im Laufe der Jahre alle «entstaubt» hätten. «Das heisst, wir haben sie aufgekiest, gewalzt und schliesslich geteert», erklärt Roland Hohl.

Im Herbst hätten sie jeweils die Strassenschächte von Hand ausgeschöpft und die Einläufe von Gras und Unkraut befreit. «Längst werden die Schächte maschinell gereinigt. Von Hand wäre es zeitlich gar nicht mehr zu schaffen, weil es auch viel mehr Schächte gibt.»

Zu den vielfältigen Aufgaben gehörte auch die Kontrolle von zwei Kläranlagen in Baumannshaus und Steinebrunn, die Kontrolle von Hydranten oder das Waschen der Feuerwehrschläuche. «Zudem sammelten wir den Abfall ein, welcher vor dem Bau der Kehrichtanlage in Hefenhofen noch im Tobel gelandet ist», erzählt Roland Hohl. «Das ist heute undenkbar.» Was bestimmt auch nicht mehr viele wissen: Die Gemeindearbeiter waren auch für die Verteilung der Kartoffeln an die ärmeren Menschen in der Gemeinde verantwortlich.

«Es pressiert viel mehr»

Als Roland Hohl im Alter von 27 Jahren seine Tätigkeit als Gemeindearbeiter aufnahm, waren sie zu dritt. Heute sind sieben Mitarbeiter beschäftigt. «Ja, das Aufgabengebiet hat sich stark verändert, es sind viel mehr Aufgaben dazugekommen», blickt Roland Hohl auf die letzten 38 Jahre zurück. «Auch wenn heute vieles maschinell gemacht wird, bleibt die Arbeit körperlich anspruchsvoll, und der Zeitdruck ist gestiegen. Weil die Maschinen möglichst effizient eingesetzt werden müssen, pressiert es viel mehr. »

Gesundheitliche Probleme zwangen den Gemeindearbeiter, sein Arbeitspensum auf 20 Prozent zu reduzieren. Jeden Tag circa zwei Stunden, jeweils von Dienstag bis Samstag, habe er in den letzten Jahren gearbeitet, sagt Roland Hohl. In dieser Zeit kontrollierte er die Altglascontainer, füllte Robidog-Säcke nach oder schaute dafür, dass der öffentliche Spielplatz sauber bleibt.

Ebenfalls war er bei Erd- und Urnenbestattungen auf dem Friedhof zugegen oder schaute zweimal in der Woche in der Tierkörpersammelstelle zum Rechten. «Die Arbeit auf dem Friedhof habe ich immer gerne gemacht, aber ehrlich gesagt, wird mir die Arbeit in der Tierkörpersammelstelle nicht gerade fehlen.» Besonders im Sommer sei der Gestank dort sehr unangenehm. «Das macht niemand besonders gerne, aber jemand muss es ja tun.»

Eine Reise auf der Donau

Auch als Mesmer der evangelischen Kirche Steinebrunn haben Roland und Vreni Hohl aufgehört. Zeit, sich Neuem zuzuwenden.

«Gereist sind wir immer gerne, im September werden wir eine Schiffsreise auf der Donau machen», freut sich der frisch Pensionierte. Das Ehepaar will auch weiter aktiv am Gemeindeleben teilnehmen. Auch mit der Arbeit für die Gemeinde ist es noch nicht ganz vorbei. «Die Blumen des Gemeindehauses brauchen jemanden, der sie tränkt und pflegt», sagt Hohl und schmunzelt.

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