Leseförderung fängt beim Baby an

«Buchstart» heisst ein gesamtschweizerisches Projekt zur frühen Sprachförderung. Das Familienzentrum in Weinfelden setzt das Modell im Rahmen von Büchernachmittagen um, an denen Eltern und Kinder teilnehmen.

Brenda Zuckschwerdt
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Der Büchernachmittag weckt das Interesse am Lesen. (Bild: Brenda Zuckschwerdt)

Der Büchernachmittag weckt das Interesse am Lesen. (Bild: Brenda Zuckschwerdt)

WEINFELDEN. Matthanja Trüssel setzt sich zu den Frauen, Männern und Kindern in den Kreis, stellt eine Kiste voller Plüschtiere in die Mitte und stimmt das Lied vom Zoo an: «Chum mit, mir gönd in Zoo juhee!».

Vor der Betriebsleiterin des Familienzentrums liegt ein Buch über den Zoo; wenn immer ein Tier erwähnt wird, steckt sie ihre Finger durch kleine Löcher auf den Buchseiten und imitiert mal einen Elefantenrüssel, mal die Arme eines Affen.

Kurze Animationen

Ein Tier nach dem anderen kommt in Versform vor, passend dazu suchen die Kinder das entsprechende Plüschtier in der Kiste. Fünf bis zehn Minuten dauert die Animation – lange genug für die ganz Kleinen. Sie können sich nicht länger konzentrieren.

Doch was nach wenig aussieht, bewirke viel, sagt Matthanja Trüssel. «Leseförderung fängt schon weit vor dem eigentlichen Lesen an», sagt sie. Das möchte sie den Eltern mit den Büchernachmittagen, die einmal im Monat stattfinden, bewusster machen.

Zwei Bücher für die Eltern

Basis für die Büchernachmittage ist das Projekt Buchstart, das die Stiftung Bibliomedia Schweiz und das Schweizerische Institut für Kinder- und Jugendmedien in Zusammenarbeit mit dem NordSüd-Verlag anbietet. Über Kinderärzte, Mütter- und Väterberatungsstellen, Bibliotheken und andere Institutionen erhalten frischgebackene Eltern zwei Bücher geschenkt, die sie dazu anregen sollen, mit ihrem Baby aktiv zu kommunizieren und es mit Bilderbüchern vertraut zu machen. Denn Kinder, die von Anfang an mit Büchern aufwachsen, behalten ihr Leben lang Freude am Lesen und Lernen, so der Grundgedanke des Projekts. Im Kanton Thurgau machen 19 Gemeinden bei dem Projekt mit, eine davon ist Weinfelden. Zu Beginn beteiligte sich auch Kinderarzt Ulrich Müller an dem Projekt – irgendwann sei die Sache aber eingeschlafen.

Bücher ans Familienzentrum

Nach wie vor dabei ist hingegen die Regionalbibliothek, wo das Angebot aber nicht sehr rege genutzt wird. Derzeit gebe man die Bücher vorwiegend ans Familienzentrum ab, das sei effektiver, so Bibliotheksleiterin Rahel Jlg. «Dort können die Bücher direkt bei den Familien in Umlauf gebracht werden.»

Der nächste Büchernachmittag im Familienzentrum findet am Mittwoch, 25. Januar, statt.