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LENGWIL: Zweites Leben für Pulte und Stühle

Das Hilfswerk Pro Schule Ost transportiert ausgedientes Schulmaterial nach Rumänien und Moldawien, und in Bulgarien unterstützt es Brockenstuben. Martin Richard ist fast täglich für den Verein unterwegs.
Nicole D’orazio
Andreas Günther und Martin Richard nehmen die Schulstühle vom Stapel runter. (Bild: Andrea Stalder)

Andreas Günther und Martin Richard nehmen die Schulstühle vom Stapel runter. (Bild: Andrea Stalder)

Nicole D’Orazio

nicole.dorazio

@thurgauerzeitung.ch

In der Scheune stapeln sich alte Schulstühle und Pults. Es müssen Hunderte sein. Doch das ist noch lange nicht alles. Velos, Kleider sowie alte Spitalbetten und Rollstühle stehen ebenfalls zur Abholung bereit. Das Lager des Hilfswerks Pro Schule Ost in Lengwil platzt beinahe aus allen Nähten. «Nächste Woche schicken wir wieder einen Lastwagen nach Bulgarien», erzählt Martin Richard, der Präsident des Vereins Pro Schule Ost. Der LKW wird vor allem mit Kleidern, Schuhen und Spitex-Material beladen. «Wir unterstützen dort einen Partner, der Brockenstuben betreibt. Dank unserer Spenden können dort 70 Frauen beschäftigt werden.» Bulgarien ist eines von drei Ländern, in denen das Hilfswerk aktiv ist. «Wir verfolgen auch in Rumänien und Moldawien Projekte», erzählt Richard.

Angefangen hat alles mit einer Anfrage einer Schule aus Ungarn. «Ich war 40 Jahre Primarlehrer in Kreuzlingen und weilte vor 20 Jahren mit Kollegen an einer Konferenz», erzählt Richard. «Da wurden wir von den Verantwortlichen eines Gymnasiums auf dem Land angefragt, ob es in der Schweiz nicht altes Schulmobiliar, das nicht mehr gebraucht wird, gebe.» Also hätten sie rumgefragt und seien rasch fündig geworden.

Das ausgediente Mobiliar ist im Osten ein Segen

Viele Schulen in der Ostschweiz haben in den letzten Jahren ihr Mobiliar ausgewechselt. Das Hilfswerk ist ein dankbarer Abnehmer. Es berechnet den Schulen nur einen Entsorgungsbeitrag, mit dem ein Grossteil der Transportkosten gedeckt werden kann. «Wir holen Tische, Stühle, Wandtafeln und anderes Material ab und vermitteln sie in den Osten», erzählt Richard. Viele Schulen in den ländlichen Gebieten verfügten dort nur über altes und kaputtes Mobiliar, das nicht höhenverstellbar sei. Da seien die Möbel aus der Schweiz ein Segen. «In einen Lastwagen bringen wir etwa 180 Pulte und 500 Stühle.»

Der 67-Jährige reist regelmässig in die drei Länder und überwacht die Hilfsprojekte. «Wir haben die Faustregel, dass alle zwei Jahre eine Delegation nach dem Rechten schaut», sagt er. «Der direkte Kontakt ist sehr wichtig. Wir haben auch überwiegend nur gute Erfahrungen gemacht. Die Leute sind sehr dankbar.» Schwierig werde es manchmal bei den Zollformalitäten.

Seit fünf Jahren ist Martin Richard pensioniert und kümmert sich fast täglich um das Hilfswerk. Immer wieder klingelt sein Mobiltelefon. Jemand hat ein altes Velo, das er nicht mehr braucht und abgeholt werden soll, jemand anderes fragt, wann seine Hilfe benötigt werde. «Es läuft derzeit viel», sagt der Bottighofer. «Das ist schön. Aber das Ganze ist fast schon zu gross. Überraschend ist, dass wir gar nie Werbung gemacht haben.»

Asylbewerber helfen im Lager mit

Sorgfältig trägt er alle Termine in seine Agenda ein. Seine nächste Sammeltour steht fest. Dann taucht ein syrischer Asylbewerber beim Lager auf und fragt, wo er anpacken solle. Er und seine Familie arbeiten regelmässig mit. «Ich bin froh um jeden, der hier mithilft. Es gibt mit den gespendeten Gegenständen viel zu tun», sagt Richard. Nach der kürzlichen Kleidersammlung der EVP müssten alle Artikel sortiert und verpackt werden.

Über die viele Arbeit beklagt sich Martin Richard nicht. «Mir ist es in meinem Leben immer gut gegangen. Mein Engagement ist ein Dank an Gott. Ich möchte damit etwas zurückgeben», sagt er demütig. Dennoch hofft er, dass er bald einen Teil an jemanden abgeben kann. «Ich würde in zwei bis fünf Jahren gerne etwas kürzer treten.» Er sucht daher einen Nachfolger, der die Hauptverantwortung des Hilfswerks übernimmt. Die Person müsste sich vor allem um die Organisation sowie um die Abholung der gespendeten Materialien kümmern, sagt er. Doch ganz ohne die Arbeit im Lager zu leben, kann er sich nicht vorstellen. «Ich wäre weiterhin Helfer.»

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