LENGWIL: Kritik vom Genossenschafter

Nach der Ankündigung der Raiffeisen Regio Altnau, gleich vier Geschäftsstellen zu schliessen, waren kaum öffentliche Reaktionen zu vernehmen. Jetzt meldet sich ein «Noch-Mitglied» zu Wort.

Urs Brüschweiler
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Die Filiale Lengwil wird bis 2018 geschlossen. (Bild: Andrea Stalder)

Die Filiale Lengwil wird bis 2018 geschlossen. (Bild: Andrea Stalder)

Urs Brüschweiler

urs.brueschweiler@thurgauerzeitung.ch

Er nennt es einen Kahlschlag. Der Lengwiler SVP-Kantonsrat und Gemeinderat Matthias Rutishauser spart in einem Leserbrief nicht mit Kritik an der Raiffeisenbank Regio Altnau. Diese hatte an der Generalversammlung vom 19. April angekündigt, bis Ende des nächsten Jahres ihre Geschäftsstellen in Lengwil, Langrickenbach, Güttingen und Landschlacht dichtzumachen. Lediglich der Hauptsitz in Altnau und die Filiale in Bottighofen sollen bestehen bleiben (unsere Zeitung berichtete).

«Als direkt Betroffener bin ich mit diesem Entscheid nicht einverstanden», schreibt er. «Ich frage mich, wo ist das Mitspracherecht als Genossenschafter?» Zumindest auf eine öffentliche Diskussion hätten die über 6000 Genossenschafter doch Anrecht, findet Rutishauser. Zentralisierung, Rationalisierung und Gewinnmaximierung seien heute offenbar auch bei der Raiffeisenbank oberstes Gebot. Obwohl die Bank auf ihrer Homepage mit dem Mitbestimmungsrecht werbe und ihre Verantwortung für die Region betone. «Vielleicht wird diese Botschaft ja noch angepasst», schreibt der Landwirt zynisch.

Es wurde nie ein Wort darüber verloren

Rutishauser kann das Vorgehen der Raiffeisenbank nicht nachvollziehen und kritisiert auch die Kommunikation. «Rund um den Neubau in Altnau wurde kein Wort verloren über die bevorstehenden Schliessungen.» Mit der heutigen Vernetzung sollten dezentrale Arbeitsplätze eigentlich kein Problem darstellen, meint der Lokal- und Kantonalpolitiker. Rutishauser befürchtet, dass mit den Filialen auch die Bankomaten verschwinden werden. «Ich hoffe, der Verwaltungsrat ist sich bewusst, was es für die betroffenen Gemeinden heisst, die Bank im Dorf zu verlieren», sagt er und fragt sich, was den Mitgliedern für Möglichkeiten bleiben: «Den Entscheid hinnehmen, die Faust im Sack machen, als Mitglied aufstehen oder die Bank wechseln.» Zuletzt schlägt Matthias Rutishauser noch vor, das «Regio» künftig wegzulassen und die Bank nur noch Raiffeisenbank Altnau zu nennen.