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LENGWIL: Der Ausbau hat es in sich

Am Bahnhof wird gebohrt und gebaut: Die Investitionen der SBB belaufen sich auf 12 Millionen Franken. 2018 sollten die meisten Bauarbeiten abgeschlossen sein. Bis dann warten noch einige Herausforderungen.
Viola Stäheli
Derzeit laufen die Vorbereitungen für den Rückbau des Bunkers: Bald werden nur noch die Grundrisse zu sehen sein. (Bild: Viola Stäheli)

Derzeit laufen die Vorbereitungen für den Rückbau des Bunkers: Bald werden nur noch die Grundrisse zu sehen sein. (Bild: Viola Stäheli)

Viola Stäheli

viola.staeheli@thurgauerzeitung.ch

Die Maschine surrt, der lange ­Nagel bohrt sich immer tiefer in den Abhang. Die Arbeiter überwachen mit erfahrenem Blick den Vorgang. Ihre orange Kleidung strahlt Wärme aus. Diese ist an diesem Tag rar: Die Sonne hat sich hinter dichten Wolken versteckt, eine kühle Brise weht. Die Anstrengungen der Arbeiter haben ein Ziel: das Errichten einer Stützmauer. Diese braucht es, ­damit dem Bahnhof Lengwil ein weiteres Gleis hinzugefügt werden kann.

Auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2018 hin wird das Bahnangebot im Kanton Thurgau ausgebaut. Insbesondere davon betroffen ist der Abschnitt Winterthur–Weinfelden–Kreuzlingen–Konstanz. Ab Ende 2018 wird die S14 neuerdings durchgehend von Montag bis Freitag in beiden Richtungen im Halbstundentakt verkehren. «Damit dies möglich ist, müssen wir die Kreuzungs­orte der S-Bahnen mit den Fernverkehrszügen verschieben – neu soll der Bahnhof Lengwil eine solche Kreuzungsstation werden», sagt Projektleiter Bernhard ­Blattner. Dafür braucht es einige Ausbauten: Die bestehenden Perrons der Gleise eins und zwei werden abgebrochen. Ein weiteres Gleis wird auf der Seite des Bahnhofgebäudes gebaut und mit einem stufenfreien Perron versehen. Dafür braucht es eine Verbreiterung des Bahndamms und der Unterführung Industriestrasse. Das heutige Gleis zwei wird zu einem Abstellgleis für Bauzüge umgebaut. Ausserdem erfolgt eine Erneuerung der Fahrbahn, sowie Anpassungen an den Bahntechnikanlagen als auch der Neubau einer GSM-R-Antenne. Die Kosten liegen bei 12 Millionen Franken – finanziert werden diese durch die «Zukünftige Entwicklung Bahninfrastruktur» (ZEB) als auch durch den «Bahn­infrastrukturfonds» (BIF).

Ende September haben die ersten Arbeiten begonnen, der richtige Baustart erfolgte im Oktober. Derzeit liegt der Fokus der Arbeiter auf der Stützmauer, die es für die Dammerweiterung braucht. Bald wird es aber richtig spektakulär: In gut zwei Wochen wird der Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg am Bahnhof Lengwil zurückgebaut – dieser ist zu nahe am geplanten Gleis. Die Grundrisse bleiben aber erhalten, zudem wird eine Besucherplattform mit Infotafeln errichtet.

Verbreiterung der ­Unterführung ist heikel

Aber der Rückbau des Bunkers ist nicht die einzige Heraus­forderung: Die Verbreiterung der Unterführung Industriestrasse ist ebenfalls heikel. Dieser Bauschritt erfolgt erst im Juli – trotzdem wird bereits jetzt darüber dis­kutiert. «Diese Verbreiterung muss gut durchdacht sein, damit alles reibungslos verläuft», sagt Blattner. Im Juli wird es wegen der Arbeiten an der Unterführung zu einer Sperrwoche kommen, in welcher der Bahnbetrieb unterbrochen sein wird und Bahn­ersatzbusse fahren. «Die rest­lichen Arbeiten erfolgen bei normalem Betrieb», sagt Blattner. Man wolle die Auswirkungen des Ausbaus für die Reisenden möglichst gering halten.

Der Nagel ist inzwischen im Abhang versenkt. Die Arbeiter reiben sich die kalten Hände. Einer reisst einen Witz, sie lachen. Bald ist Mittagspause, die Stimmung ist locker. Über den Damm rauscht ein Zug an. Reisende steigen aus, mustern die Baustelle und verschwinden – es herrscht Alltag am Bahnhof.

Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg

Der Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg muss wegen des Ausbaus des Bahnhofs Lengwil weichen. Er ist Teil des Festungsgürtels, der in Kreuzlingen aus Furcht vor einem Einmarsch der Deutschen im Zweiten Weltkrieg errichtet wurde. In der Zeit des Kalten Kriegs wurde der Bunker als Scheiterbeige getarnt, da sich damals in der Nähe eine Sägerei befand. «Die Tarnung war so gut, dass viele bis heute den Bunker gar nicht als solchen wahrgenommen haben, obwohl er direkt beim Bahnhof steht», sagt Simone Benguerel, Abteilungsleiterin beim kantonalen Amt für Archäologie. Sie dokumentiert den Rückbau des Bunkers. Ganz weichen wird der Bunker nicht: Er wird zwar auf Perronhöhe gekappt, die Grundrisse bleiben aber erhalten. Ausserdem wird eine Besucherplattform mit einer Infotafel errichtet. «Dadurch wird der Bunker sichtbarer werden, als er zuvor war», sagt Benguerel. (vst)

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