Leitplanken sind für Kinder wichtig

An der dritten und letzten Veranstaltung der Elternschule Bischofszell referierte Daniele Lenzo. Der Medienpsychologe aus Zürich zeigte auf, welch dominierende Rolle die digitalen Medien im Alltag von Kindern und Jugendlichen spielen.

Werner Lenzin
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BISCHOFSZELL. Die Botschaft von Daniele Lenzo, Leiter der Fachstelle Gewaltprävention, Krisenintervention und Bedrohungsmanagement der Stadt Zürich, an seine Zuhörer in der Aula Sandbänkli war am vergangenen Donnerstag klar: «Setzen Sie Ihren Kindern Leitplanken daheim und geben Sie den digitalen Medien nicht zu viel Raum!»

Gemeinsames Erkunden

Lenzo plädiert für medienfreie Kinderzimmer und ruft die Eltern dazu auf, zusammen mit ihren Kindern die digitale Welt zu entdecken. Facebook und Instagram empfiehlt er ab 13 Jahren, YouTube und Skype ab 18 Jahren. «Vor dem zwölften Altersjahr sollten Kinder nicht unbeaufsichtigt Zugang haben», erklärte der Medienpsychologe.

«Eltern haben eine wichtige Begleitfunktion und die Möglichkeit, ihren Kindern positive Medienerlebnisse zu ermöglichen.» Davon ist der vierfache Vater überzeugt. Lenzo empfiehlt, Kinder möglichst früh über die Gefahren zu informieren und mit ihnen auch darüber zu reden. «Schützen Sie ihre Kinder, soweit dies möglich ist! Zeigen Sie Verständnis bei Problemen und wirken Sie unterstützend», lautet sein Rat.

Für Lenzo ist es wichtig, das Selbstbewusstsein und die Medienkompetenz von Kindern zu fördern und bei deren Vermittlung mitzuhelfen. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die am stärksten wachsende Benutzergruppe auf Facebook Frauen zwischen dem 55. und 60. Lebensjahr ist. Eine Umfrage bei Sechstklässlern zeigt, dass die Eltern eine wichtige Vorbildfunktion haben: 48 Prozent holen sich ihre Informationen über digitale Medien bei den Müttern, 57 Prozent bei den Vätern und 28 Prozent bei den Geschwistern.

Heute weiss man, dass bereits Viertklässler durchschnittlich 90 Minuten pro Tag digitale Medien nutzen und Drittklässler der Sekundarschule sogar zwischen drei und fünf Stunden täglich. Laut Lenzo spricht man bei mehr als fünfstündiger Nutzung pro Tag von einer Sucht.

Handy erst ab der Oberstufe

Lenzo rät, dass Kinder und Jugendliche nach 20 Uhr keine digitalen Medien mehr nutzen sollten. Das Handy empfiehlt er erst ab der ersten Sekundarklasse. Gewalt und Pornographie auf dem Handy toleriert Lenzo nicht: «Solche Inhalte gehören nicht auf das Handy, und wenn ein Kind einmal etwas erhält, soll es sich an die Eltern wenden und mit ihnen darüber reden.»

Anstelle von WhatsApp empfiehlt der Medienpsychologe die sicheren Plattformen Myenigma, Threema, Signal oder Telegram. Diese finanzierten sich nicht über die Werbung und liessen dem Benutzer die Möglichkeit offen, selber zu entscheiden, was mit den eigenen Daten passiert.

Die Computerspiele bezeichnet Lenzo als Domäne der Knaben. Gemäss Aussagen von Mädchen verhielten sich «gamende» Jungs aggressiver als andere. Dass ab der zweiten Oberstufe ein Drittel der spielenden Schülerinnen und Schüler ab Mitternacht mit Computerspielen beschäftigt ist, hat nach den Worten Lenzos übermüdete, leistungsschwache Schüler zur Folge. Was die Jugendlichen fasziniert, seien die Handlungen und die Grafik eines Spiels.

Alternativen aufzeigen

Lenzos Devise ist klar: Brutalo-Games sind ein No-Go, Killer- und Gewaltspiele gehören nicht ins Haus. «Natürlich sollen Familien gamen, und daher gilt es, gute Alternativen aufzuzeigen.» Nur 7 von 71 befragten Schülern kennen die rechtlichen Grundlagen. Deshalb bekräftigte der Referent: «Steigen Sie mit Ihren Kindern gemeinsam auf die Plattform, denn Mutter und Vater sind die wichtigsten Vertrauenspersonen.»