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LEIMBACH: Grosser Dank für die Aufnahme

Aaron Näf ist das einzige Kind mit Down-Syndrom, das im Thurgau in einer Regelklasse die Mittelstufe besucht. Seine Eltern und das Netzwerk Insieme21 loben die Schulgemeinde Bürglen für ihr grosses Engagement und überreichen ihr eine Urkunde.
Mario Testa
Aaron verteilt Geschenke an seine Klassenlehrer Hanspeter und Barbara Götz, sowie Klassenassistentin Edith Bolt. Barbara Habegger, Geschäftsstellenleiterin des Vereins Insieme21, und Aarons Eltern Anita und Hanspeter Näf freut’s. (Bild: Mario Testa)

Aaron verteilt Geschenke an seine Klassenlehrer Hanspeter und Barbara Götz, sowie Klassenassistentin Edith Bolt. Barbara Habegger, Geschäftsstellenleiterin des Vereins Insieme21, und Aarons Eltern Anita und Hanspeter Näf freut’s. (Bild: Mario Testa)

Mario Testa

mario.testa

@thurgauerzeitung.ch

Aaron rechnet gerne, noch lieber hat er Turnunterricht. Aufs Schreiben könnte er aber gut verzichten. Der 10-Jährige hat schulischen Vorlieben und Desinteressen wie all seine Klassenkameraden im kleinen Schulhaus in Leimbach. «In der Pause spiele ich gerne Fussball. Und Billard», sagt der aufgeweckte Bub. Er geht in die 3. Klasse, trägt gerne den Pulli mit Lightning McQueen vorne drauf – und doch ist er anders als die anderen Schüler. Aaron hat das Down-Syndrom. Trotzdem geht er in die Regelklasse und das als Einziger auf der Mittelstufe im ganzen Thurgau. Am Welt-Down-Syndrom-Tag vom Mittwoch, 21. März, wollten seine Eltern der Schule für diese Chance, die sie ihrem Buben geben, danke sagen. Da dann aber schulfrei war, vertagten sie den Dank auf den Besuchstag vom vergangenen Freitag. «Ich möchte der Schule und den Lehrpersonen danken, dass sie Aaron diese Chance geben», sagt Anita Bamert-Näf, Aarons Mutter, bei einer kurzen Ansprache im Foyer. Sie wollte eigentlich noch viel mehr sagen, doch die kurzen Worte kommen bei den Angesprochenen an, die Umstehenden spenden Applaus.

Mitgekommen zum Dank – für die Schulkameraden gibt es von Aaron Mini-Pic und Schoggiprügeli – ist auch Barbara Habegger, die Geschäftsstellenleiterin von Insieme21. «Wir möchten ihnen heute eine Urkunde überreichen und sie loben für ihr Engagement. Leider ist es noch viel zu selten, dass Kinder mit dem Down-Syndrom die Chance bekommen, in den Regelklassen beschult zu werden», sagt sie. Es gebe bei der Integration der Kinder mit Down-Syndrom grosse Unterschiede zwischen den Kantonen. «Meist ist der Eintritt schwierig. Hat man den jedoch geschafft, sind die Chancen gut, dass es auch weiterhin klappt.»

Ein Stück Pizza bricht das Eis

Seinen Klassenlehrern Hanspeter und Barbara Götz überreicht Aaron eine Blume, auch Klassenassistentin Edith Bolt bekommt eine. Sie freuen sich sehr über die Geste und Barbara Götz sagt auf Nachfrage: «Natürlich braucht es einen Sondereffort. Wir werden jedoch begleitet von einer Frau der Sonderschule, die uns hilft, Aarons Lernziele zu evaluieren. Aber dass Aaron bei uns in der Klasse ist, ist eine grosse Bereicherung für alle», sagt die langjährige Primarlehrerin. «Er macht es so gut. Auch die anderen Kinder spüren das. Sie haben ihn sehr schnell angenommen – ich erinnere mich, dass ganz zu Beginn Aaron einmal seine Pizza nicht fertig essen mochte, und da hat es sich ein Mitschüler geschnappt und selbstverständlich verputzt. Von da an war er einer von ihnen, ganz einfach.» Alle Kinder hätten ja ihre Besonderheiten, die einen da, die anderen dort. Mal ausgeprägter, mal weniger – und da sei Aaron keine Ausnahme. «Zugegeben, unsere kleine Schule hat auch schon Erfahrungen gemacht mit solch besonderen Schülern. Das macht es uns sicher leichter. Die Kinder akzeptieren ihn zu 100 Prozent.»

Familie Näf wollte ihren Bub in ihrer Wohngemeinde Wuppenau nach dem Kindergarten in die Regelschule bringen. «Das hat dort aber nicht geklappt. So hat der Schulinspektor gesucht, welche Schule dazu bereit wäre – und ist hier in Leimbach fündig geworden», sagt Anita Bamert-Näf. «Leider ist die gängige Meinung noch immer: Alle Kinder mit Down-Syndrom müssen in die heilpädagogische Schule. Aber mit der richtigen Unterstützung wäre eine Integration in den meisten Fällen möglich.» Es wird Rücksicht genommen und an zwei Tagen darf Aaron mit den jüngeren Schülern mittun. Die Klassenassistenz ist häufig bei ihm, aber sonst wird versucht, ihn ganz normal zu behandeln.

Schule Bürglen macht die Integration möglich

«Die Schule Bürglen sagt, wenn eine Integration möglich ist, geht man die an. Es müssen verschiedene Komponenten stimmen», sagt Schulleiter Fabian Traber. «Bei Aaron klappt es gut. Er ist ein Gewinn für unsere Schule.»

Im Unterricht vor den Eltern halten Schüler Vorträge und erklären die Unterschiede zwischen Feldhasen und Kaninchen. Aaron darf seine Mitschüler anmoderieren. Sie verstehen ihn sofort, haben sich an seine Aussprache gewöhnt. Den Erwachsenen im Schulzimmer fällt es noch etwas schwerer – nach ein paar Tagen, wär’s wohl auch für sie kein Problem mehr.

Hinweis

www.insieme21.ch

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