«Lasst euch nicht so mitreissen»

Das sonnige Wetter hat am Freitag 11 000 Besucher ans SummerDays Festival gelockt. Teilweise kam die Musik routiniert daher. Dennoch war das Publikum begeistert.

Michael Gasser
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Legende (Bilder: Urs Bucher)

Legende (Bilder: Urs Bucher)

ARBON. Sieht man von den deutschen Rock'n'Roller The Baseballs ab, zeigt sich das Programm am ersten Tag des 7. SummerDays Festivals als Altherren-Event. Dass Acts wie Fish, Ian Anderson oder Alan Parsons ihre kreativsten Tage längst hinter sich haben, wird niemand bestreiten. Aber der Nostalgie-Faktor ist hoch und das Schwelgen in guten alten Zeiten das oberste Gebot.

«Scheisse» ins stille Mikrofon

Der Konzertauftakt an der Arboner Seepromenade gebührt dem einstigen Leadsänger von Marillion, Derek William Dick, besser bekannt als Fish. Mit seinem gestutzten Bart sieht der Schotte eher aus wie ein hilfsbereiter Buchhändler als ein Rockstar – doch das täuscht. Die Stimme des 57-Jährigen hat seit den Hitparadenerfolgen in den 80ern wenig von ihrer Kraft eingebüsst. Als das Mikrofon unversehens auf stumm schaltet, nimmt er es mit einem Schulterzucken und einem «Scheisse» zur Kenntnis. Danach setzt er zur Erfolgssingle «Kayleigh» an, die immer noch mitreisst. Andere Stücke wirken angestaubt, vermögen die insgesamt 11 000 Zuschauer aber gleichwohl in den Bann zu ziehn.

Um 18 Uhr folgt eine Musiklektion mit Ian Anderson. Der Brite, der Folk mit Klassik und Hard Rock mischt, geht auf seine Formation Jethro Tull ein und erzählt Anekdoten zu Liedern wie «Thick As A Brick» oder zum bei Bach entlehnten «Bourée».

Nicht wie früher auf einem Bein

Der 68-Jährige vermag zwar nicht mehr ganz wie früher auf einem Bein zu agieren, dafür zeigt er sich bei seinem Flötenspiel so konzentriert, dass ihm öfter die Röte in den Kopf schiesst. «Lasst euch nicht zu sehr mitreissen. Nicht in eurem Alter», sagt Anderson – ein kleiner Seitenhieb auf das nicht mehr ganz jugendliche Publikum. Als Zugabe gibt's «Locomotive Breath». Der Klassiker wird – wie das ganze Set – artig vorgetragen, kann aber eine gewisse Blutleere nicht verbergen.

Als Alan Parsons mit sieben Musikern die Bühne betritt, steht der Beinahe-Vollmond hoch am Himmel. Der Engländer, der für den Beatles-Song «Abbey Road» mitverantwortlich zeichnet, ist ein Tüftler. So ist das Klangbild seiner Formation, dem Alan Parsons Live Project, ausgereift. Die Gitarren summen geschmeidig, dazu gibt's heiseren Gesang. Nur ausnahmsweise schreitet der 66-Jährige selbst ans Mikrofon. Verständlich, seine Stimme ist dünn. Mit der Komposition «Eye In The Sky» sorgt er dennoch für einen Höhepunkt.

Dann sind die Headliner an der Reihe: Deep Purple. Die Band soll über 100 Millionen Tonträger verkauft haben. Imposant. Nicht minder beeindruckt der Auftritt um den giftig singenden, 70jährigen Ian Gillan. Die Briten kreieren Dichtes, holen kaum Atem und gehen mit wuchtiger Orgel und treibenden Gitarren ans Werk. Besonders gelungen: «Strange Kind of Woman». Die Band Deep Purple lässt in Arbon erkennen, dass sie nichts von Altersmilde hält.

Heute ist denn die jüngere Garde am Zug: Das Line-up mit dem Pop-Duo Carrousel, dem Rap-Satiriker Müslüm und dem Soul- und Rock-Darling Jan Delay. Das sonnige Wetter und die Temperaturen über dreissig Grad bleiben. Noch gibt es Tickets.

Weitere Bilder unter www. thurgauerzeitung.ch

Legende (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Legende (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

SummerDays Arbon Festival 2015: Fish (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

SummerDays Arbon Festival 2015: Fish (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Legende (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Legende (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Sorgten gestern abend am SummerDays für Stimmung: Alan Parsons, Fish und Ian Anderson (im Uhrzeigersinn). (Bilder: Urs Bucher)

Sorgten gestern abend am SummerDays für Stimmung: Alan Parsons, Fish und Ian Anderson (im Uhrzeigersinn). (Bilder: Urs Bucher)