Langsam rasend zur Bestzeit

Ausflugserie (19/24). Die Kartbahn Fimmelsberg in einer 4000 Quadratmeter grossen Halle ist eine ungefährliche Tummelpiste mit hohem Spassfaktor für verhinderte Rennfahrer. Und für solche, die es werden wollen.

Markus Schoch
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Niklaus, TZ-Redaktor Markus Schoch und Jeremy geben auf der Kartbahn Gas. (Bild: Andrea Stalder)

Niklaus, TZ-Redaktor Markus Schoch und Jeremy geben auf der Kartbahn Gas. (Bild: Andrea Stalder)

BISSEGG. Niklaus und Jeremy sind beeindruckt. Die beiden bald 20-Jährigen haben schon auf einigen Kartbahnen im In- und Ausland Gas gegeben. So gut gefallen wie diejenige in Fimmelsberg hat ihnen bis jetzt keine Indoor-Anlage.

Was den Unterschied macht: Die Karts mit ihrem 6,5-PS-Benzinmotor und hydraulischen Bremsen sind in einem guten Zustand, und der Kurs ist mit vielen Kurven herausfordernd. Auch für Niklaus und Jeremy. Nach 20 Minuten und etwa 40 Runden am Stück auf der 330 Meter langen Asphaltpiste haben sie bereits genug. «Es wäre besser gewesen, wir hätten nach zehn Minuten eine Pause gemacht, dann würden wir wahrscheinlich weiterfahren», sagt Jeremy mit einem Bedauern in der Stimme. Niklaus nickt müde.

Gute Zeiten brauchen Zeit

Gokart-Fahren ist streng. Vor allem, wenn man wenig Übung hat und möglichst schnell sein will. Und genau das möchten wir an diesem Nachmittag. Doch es dauert, bis wir die Strecke kennen und die Zeiten einigermassen gut sind. Die besten fahren wir gegen Ende, wie der Ausdruck zeigt, den wir am Schluss erhalten. Bei mir ist es Runde 37, bei Jeremy Runde 33. Niklaus stellt bereits in Runde 30 seinen persönlichen Rekord auf. Danach klebt er an meinem Hinterrad und kann nicht überholen. Sagt zumindest Niklaus.

Wie auch immer. Richtig ist: Überholen ist schwierig, wenn alle die Kurven eng fahren und auf den mehr oder weniger geraden Abschnitten Vollgas geben und dabei Geschwindigkeiten von maximal 60 Stundenkilometern erreichen.

Alles wackelt

Das tönt nicht nach viel. Tatsächlich muss man das Steuerrad im Highspeed-Bereich gut festhalten, weil alles wackelt und man froh ist, dass die Fahrbahn eine Breite von bis zu sechs Metern hat. In solchen Momenten einen Blick auf die grosse elektronische Anzeigetafel mit den Rundenzeiten zu werfen, ist zumindest für Anfänger keine gute Idee.

Doch Tempo ist nicht alles auf der Kartbahn. Es geht vor allem um den Spass, der aber Zeit kostet. Wenn man vor einer Kurve scharf abbremst, übersteuert und dann das Gaspedal durchdrückt, quietschen die Reifen und der Gokart kommt ins Schlingern. Niklaus und Jeremy finden das lustig – und ich auch.

Gefährlich ist Gokart-Fahren nicht, auch wenn man ans Limit geht. Man muss zwar einen Helm tragen, aber Sicherheitsgurten sucht man vergeblich. «Sie sind unnötig. Es gibt sehr, sehr wenige Unfälle», sagt Marco Bivona, der mit seinem Vater Gaetano und seiner Schwester Valeria die Kartbahn in Fimmelsberg seit 1997 betreibt. «Das Verletzungsrisiko ist praktisch Null.» Es habe sich noch nie jemand überschlagen, sagt Bivona. Das könnte vor allem dann passieren, wenn sich die Gokarts mit den Rädern berühren. «Bei uns ist das nicht möglich, weil wir Schutzbügel montiert haben.» Und sollte es jemand auf der Strecke übertreiben, nimmt ihm Bivona per Fernsteuerung aus dem Rennen. «Wir können so die Motoren drosseln bis herunter zum Standgas.»

Normalerweise muss er aber nicht eingreifen. Die meisten Besucher kennen ihre Grenzen. Viele sitzen in Fimmelsberg zudem zum ersten Mal in einem Gokart und gehen die Sache entsprechend vorsichtig an. «Wir haben oft Firmen, Vereine, Jungbürger oder Geburtstagsgesellschaften bei uns», sagt Bivona. Für sie organisiert er bei Bedarf sogar eine Siegerehrung und verleiht Pokale.

Doppelsitzer für Familien

Die Betreiber der Kartbahn zählen aber auch Familien zur Zielgruppe. «Wir haben einen Doppelsitzer für Eltern mit ihren Kindern», sagt Bivona. Selber ans Steuer dürfen Mädchen und Buben erst mit 12 Jahren und einer Grösse von 155 Zentimetern – sonst kommen sie nicht an die Pedalen. Um bei Rennen mitmachen zu dürfen, muss man mindestens 16 Jahren alt sein. Ein Gokart zu fahren, ist kinderleicht: Gas geben, steuern und bremsen. Das ist alles.

Bivona selber setzt sich schon lange nicht mehr in einen Gokart. Höchstens einmal, um einen Wagen nach der Reparatur zu testen. «Es ist Alltag geworden für mich.» Anders sieht es für Niklaus und Jeremy aus. Sie wollen wieder nach Fimmelsberg kommen. «Es ist cool», sind sie sich einig.

Bild: MARKUS SCHOCH

Bild: MARKUS SCHOCH