Landwirte sorgen für schöne Anblicke

EGNACH. Wenn die Bauern weiter Direktzahlungen vom Bund erhalten wollen, müssen sie unter anderem der Kulturlandschaft Sorge tragen im Rahmen von sogenannten Landschaftsqualitätsprojekten. Im Oberthurgau geht es speziell um die Hochäcker und Naturwiesen.

Markus Schoch
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Projektleiter Luzi Tanner pflegt Rosen in seiner Obstplantage. (Bild: Markus Schoch)

Projektleiter Luzi Tanner pflegt Rosen in seiner Obstplantage. (Bild: Markus Schoch)

Die Agrarpolitik für die Jahre 2014 bis 2017 will die Bauern noch stärker als bisher zu Naturschützern machen. Das Steuerungsinstrument sind die Direktzahlungen, dessen verfeinertes System entsprechende Bemühungen belohnt. So gibt es neu unter anderen Beiträge für die Landwirte, wenn sie der Kulturlandschaft besonders Sorge tragen und dafür regionale Konzepte vorlegen.

Im Oberthurgau sind die Arbeiten für das sogenannte Landschaftsqualitätsprojekt bereits weit gediehen. Die Verantwortlichen hoffen, dass es der Bund im nächsten Frühling bewilligt. Zuvor muss noch der Kanton seinen Segen zu den Plänen geben, die insgesamt 21 Gemeinden mit etwa 880 Bauernbetrieben und einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von 11 300 Hektaren betreffen.

Mittelthurgauer machen es vor

Nach Meinung von Projektleiter Luzi Tanner aus Winden sind von den zuständigen Stellen in Frauenfeld keine grundlegenden Einwände zu erwarten. «Wir haben alle von Anfang immer informiert.» Dazu kommt: Das Oberthurgauer Konzept stützt sich stark auf dasjenige im Mittelthurgau ab – das eigentliche Pionierprojekt im Kanton. «Vieles ist gleich bei uns», sagt Luzi Tanner. Auch weil der Bund eine gewisse Einheitlichkeit fordere. «Wir hatten nicht so viel Spielraum.» So ist auch im Oberthurgau geplant, ehemalige Ackerterrassen zu erhalten, strukturreiche Wiesen und Weiden zu fördern oder Blumenstreifen an Ackerrändern anzulegen.

Doch der Oberthurgauer Masterplan hat auch gewisse regionale Eigenheiten: So gibt es finanzielle Anreize für den Erhalt der Hochäcker, die seit Jahrhunderten die Landschaft prägen. Das gleiche gilt für die Naturwiesen in Hochstamm-Obstgärten. Speziell gefördert werden sollen weiter Blumeninseln in Äckern, womit Bodenbrüter wie die Feldlerche Nistplätze erhalten sollen.

Nicht nur positive Stimmen

Inwieweit die Massnahmen tatsächlich greifen werden, muss sich zeigen. Denn das Programm ist freiwillig. Spätestens nach acht Jahren müssen aber zwei Drittel aller möglichen Teilnehmer dabei sein, damit es weitergeht.

Die Begeisterung über die neuen Auflagen aus Bern hält sich in Landwirtschaftskreisen in Grenzen, zumal die vertragliche Bindung bis ins Jahr 2023 läuft. «Ich höre nicht nur positive Stimmen», sagt Tanner dazu. Verbreitet sei vor allem die Angst vor produktionstechnischen Einschränkungen. «Wir haben darum bewusst darauf verzichtet, neue zu schaffen. Es geht im wesentlichen darum, die bestehende Landschaft zu erhalten.»

Erkleckliche Einbussen

Abseits zu stehen kommt die betreffenden Landwirte unter Umständen teuer zu stehen. In der ersten Phase bis 2017 stehen dem Thurgau 6 Millionen Franken pro Jahr an Bundesgeldern für die Pflege des Landschaftsbildes zur Verfügung, nachher sind es sogar 18 Millionen. Umgerechnet sind das theoretisch 2000 Franken für jeden Betrieb jedes Jahr. Tatsächlich wird den Bauern aber noch viel mehr in der Kasse fehlen, wenn sie sich nicht anpassen. Denn auch die übrigen Direktzahlungen werden für viele Landwirte im Oberthurgau kleiner ausfallen als bisher. «Auf den gleichen Betrag kommt man nur, wenn man den Betrieb komplett auf extensive Bewirtschaftung umstellt und zudem über grosse Flächen verfügt», sagt Tanner.

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