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LANDSCHLACHT: Blindenzentrum steht vor dem Aus

Der Stiftungsrat hat die Schliessung der Anlage per 30. September 2018 beschlossen. Steigende Defizite und ein zu hoher Investitionsbedarf sind die Gründe für den radikalen Schritt.
Martina Eggenberger Lenz

Martina Eggenberger Lenz

martina.eggenberger@ thurgauerzeitung.ch

Die Mitarbeiter sind informiert, viele Gäste wissen es auch schon. Den Schritt an die Öffentlichkeit hat das Internationale Blindenzentrum IBZ aber noch nicht gemacht. Auf Anfrage teilte es gestern mit, was in der Blindenszene bereits für Unruhe gesorgt hat: der Betrieb soll nächsten Herbst eingestellt werden. Das Team wurde Ende September mit der Neuigkeit konfrontiert. «Der Entscheid kam für uns in diesem Moment überraschend», sagt der stellvertretende Direktor Roland Gruber. «Ja, es war ein Hammer.» Schliesslich hat das IBZ gerade in den letzten Jahren sehr engagiert an einer Diversifizierung des Kundensegmentes gearbeitet und sich geöffnet. Gemäss Gruber wurden auch Sparmassnahmen eingeleitet. Tatsache ist jedoch, dass der Betrieb des Zentrums immer defizitär war und es bis heute ist – dies, weil das Haus die Ferienplätze für Blinde subventioniert. Die Verluste ausgeglichen hat die Stiftung mit den zwei Trägerorganisationen Deutsches Katholisches Blindenwerk (DKBW) und Caritas Aktion der Blinden (CAB). In einem Communiqué der Stiftung ist die Rede von einem jährlichen Defizit von rund einer halben Million Franken. Die Trägerorganisationen seien nicht mehr bereit, das zu tragen.

Logiernächte sind stark rückläufig

Das ist aber nicht das alleinige Problem im 1970 eröffneten IBZ. Es besteht auch ein hoher Investitionsbedarf. Offiziell wird die Zahl von sieben Millionen Franken genannt. Roland Gruber schätzt die Situation so ein, dass es vielleicht auch günstiger ginge, wenn man sich auf ein Minimum beschränken würde. Das Haus verfügt über mehr als 50 Zimmer mit 80 Betten, Hallenbad, Sauna und ein Restaurant. Das IBZ versteht sich als Ferien-, Tagungs- und Bildungszentrum für blinde, sehbehinderte und andere Gäste.

Gemäss Roland Gruber ist die Anzahl der verbuchten Logiernächte rückläufig. Dank der modernen Medizin gebe es weniger Blinde und der deutsche Markt sei auch wegen des Wechselkurses eingebrochen. Für 2017 rechnet man noch mit 11000 Übernachtungen. In Boomzeiten kam man fast auf das Doppelte.

Weil der Trend erkannt wurde, hat die IBZ-Führung auch reagiert und zuletzt vermehrt auf nicht behinderte oder geistig behinderte Gäste gesetzt. Es sei aber sehr schwierig, in den Wintermonaten die Betten zu besetzen, erklärt der stellvertretende Direktor. Ein Problem, das auch die übrige Hotellerie am See kennt.

In der Schweiz gibt es nur noch ein weiteres Ferienhaus für Blinde. Das befindet sich im Berner Oberland und steht ebenfalls vor der Schliessung. Deshalb haben die News aus Landschlacht in der Gemeinschaft auch grosses Bedauern ausgelöst. Viele Betroffene hoffen nun, dass sich ein Investor findet oder eine Nachfolgeorganisation gegründet werden kann. «Das stimmt. Es gibt Bestrebungen in diese Richtung. Die Hoffnung stirbt zuletzt – aber wir müssen auch realistisch sein», sagt Roland Gruber. Er selbst engagiere sich bis auf weiteres voll im Betrieb und lasse den Kopf nicht hängen. Das gleiche gelte für die insgesamt 17 Mitarbeiter. Stiftungspräsident Erich Kern, der seit gut einem Jahr für das IBZ im Amt ist, war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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