«Laien bleiben länger am Puls»

Kreuzlingen/KONSTANZ. Seit zehn Jahren treffen sich Streicherinnen und Streicher zum gemeinsamen grenzüberschreitenden Musizieren. Erst seit einem Jahr arbeitet «Divertimento» mit einem festen Dirigenten zusammen.

Martin Preisser
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«Arbeit mit Laien ist keine Einbahnstrasse», sagt der neue «Divertimento»-Dirigent Bruno Kewitsch. (Bild: Martin Preisser)

«Arbeit mit Laien ist keine Einbahnstrasse», sagt der neue «Divertimento»-Dirigent Bruno Kewitsch. (Bild: Martin Preisser)

Die ersten neun Jahre seit seinem Bestehen hat das grenzüberschreitende Ensemble Divertimento immer mit Ad-hoc-Dirigenten zusammengearbeitet. Seit letztem Sommer haben sich die Laienmusikerinnen und -musiker aus Kreuzlingen und Konstanz für einen regelmässig mit ihnen arbeitenden Leiter entschieden, für Bruno Kewitsch.

Klang ist genauer geworden

«Divertimento» wird von Profi-Stimmführern angeführt. Bruno Kewitschs Ziel ist es, dass sich auch die Laien trauen, «dezidiert zu spielen». «Wir spielen nicht nur mit, sondern wir bestimmen den Klang. Dieses Bewusstsein sollen Laien haben», findet Kewitsch. Er selbst ist ausgebildeter Geiger und dirigiert neben «Divertimento» in Singen das Jugendorchester der Musikschule und das dortige «Collegium musicum».

Was hat er nach einem Jahr Arbeit mit dem grenzüberschreitenden Orchester erreicht und was will er in Zukunft erreichen? «Der Klang ist genauer geworden, das Bewusstsein, dass am Schluss jeder für die Ausstrahlung des Orchesters entscheidend beiträgt, hat sich geschärft», schaut Bruno Kewitsch auf seine Zeit mit dem Orchester zurück.

Die Homogenität des Klanges ist es auch, was der Dirigent nach dem Jubiläum weitertreiben will. «Laien lernen anders», weiss Kewitsch. «Profis wissen, dass sie etwas spielen müssen, Laien wollen verstehen, wie sie etwas spielen sollen.»

Pädagogischer Einschlag

Laienarbeit bekommt so auch einen viel stärkeren pädagogischen Einschlag. «Profis wissen genau, was sie tun. Laien haben ihnen gegenüber aber die viel grössere Begeisterungsfähigkeit und damit auch eine viel stärkere Steigerungsfähigkeit», unterstreicht Bruno Kewitsch. «Arbeit mit Laien ist keine Einbahnstrasse», doppelt der Dirigent, der im deutschen Hilzingen lebt, nach. «Sie wollen etwas lernen. Das einzige, was ich nie verzeihen könnten, wäre, dass sie nichts lernen wollten.» Bruno Kewitsch strebt mit dem Orchester Divertimento Konzertprogramme an, die eine gewisse stilistische Einheitlichkeit aufweisen. «So kann ich für ein neues Programm länger und intensiver an einem bestimmen Klangbild arbeiten», sagt er. Schubert, Dvoák und Janacek stehen auf dem Programm des morgigen Geburtstagskonzerts im Seemuseum.

Gut informiert

Schubert sei «leichte Musik», aber es sei anspruchsvoll, sie gut zu spielen. Dvoák: Hier rühmt Kewitsch die perfekte Balance des Tschechen zwischen herrlichem melodischem Einfallsreichtum und formaler Meisterschaft. Von Janacek erklingt eine Serenade der frühen Phase. Trotzdem schaue Janacek schon 1878 sehr weit in die moderne Klangsprache des 20. Jahrhunderts.

«Laien haben Zeit, sie bleiben länger am Puls. Und sie sind als echte Musikliebhaber oft wahnsinnig gut informiert», bringt es Bruno Kewitsch nochmals auf den Punkt.

Konzert: Morgen Samstag, 14. Juni, 19 Uhr. Seemuseum Kreuzlingen. Werke von Schubert (Deutsche Tänze), Dvoák (Walzer) und Janacek (Idylle). Danach Apéro.