Lagerhaus ist ein Ladenhüter

ROMANSHORN. Die Zukunft des Massivlagerhauses ist weiter ungewiss. Die Besitzer haben keinen Käufer gefunden und sind unschlüssig, was sie machen sollen. Allzu viel Zeit können sie sich nicht lassen.

Markus Schoch
Merken
Drucken
Teilen
Steht seit letztem Dezember zum Verkauf: Das Massivlagerhaus direkt am Romanshorner Hafen. (Bild: Markus Schoch)

Steht seit letztem Dezember zum Verkauf: Das Massivlagerhaus direkt am Romanshorner Hafen. (Bild: Markus Schoch)

Der Preis ist hoch, sehr hoch sogar. 8,75 Millionen Franken verlangt der in England lebende Besitzer Walter F. Meyer für das Massivlagerhaus, das er im letzten Dezember via eine deutsche Immobilienfirma zum Verkauf ausschreiben liess. Zum Vergleich: 2007 veräusserten die SBB den ehemaligen Speicher im Rahmen eines Bieterverfahrens für rund 3 Millionen Franken. Ins imposante Gebäude an bester Lage am Romanshorner Hafen ist seither kein Rappen investiert worden. Es steht nach wie vor leer.

Immobilienexperten bezweifelten darum, dass jemand bereit sein werde, Meyer ohne Zutun heute einfach so das Dreifache zu zahlen, zumal ein Umbau zwischen 25 und 30 Millionen Franken kosten werde. Sie haben Recht behalten. Meyer hat noch keinen Käufer gefunden, wie er auf Anfrage erklärt.

«Ein schwieriges Pflaster»

Sie hätten zwar eine Handvoll Interessenten, aber den Vertrag habe bis jetzt keiner unterschrieben, sagt Meyer. Wie es jetzt weitergehen soll, will er zusammen mit seinen Partnern in den nächsten zwei bis drei Monaten entscheiden. Er könne nicht alleine bestimmen. Im Mai des letzten Jahres tönte es noch anders. Damals bezeichnete sich Meyer als alleiniger Besitzer.

«Wir werden versuchen, eine Lösung zu finden», verspricht der Schweizer, der seit über 40 Jahren in England lebt und hauptsächlich im Handel mit Büro-Immobilien tätig ist. Doch Romanshorn sei ein schwieriges Pflaster. «Es ist nicht Zürich.» Im letzten Jahr redete Meyer davon, dass im Obergeschoss des denkmalgeschützten Massivlagerhauses zwölf Lofts und 30 kleinere Wohnungen gebaut werden könnten. Er stellte damals in Aussicht, eine Nutzungsstudie in Auftrag zu geben, um zu klären, was sinnvoll und möglich sei. Stattdessen suchte Meyer ein halbes Jahr später einen Käufer für die Liegenschaft direkt am Wasser, von der er sich so viel versprochen hatte.

Die Rechnung ist nicht aufgegangen. Stattdessen stehen Meyer und seine Partner plötzlich unter Zugzwang. Sie müssen irgendetwas tun. Und zwar ziemlich schnell. Grund: Sie halten das Massivlagerhaus über die Firma RP Massivlagerhaus AG. Die hat aber seit letztem Februar keine Adresse mehr, und sie ist noch länger ohne Revisionsstelle.

Kanton macht Druck

Das geht jedoch nicht. Der Kanton Thurgau will die Versäumnisse nicht länger tolerieren. Bestimmt Meyer innert nützlicher Frist kein neues Domizil der Firma und eine Revisionsstelle, müsste die RP Massivlagerhaus aufgelöst werden, sagt Giacun Valaulta, der Chef des Amtes für Handelsregister und Zivilstandswesen.

Konsequenz: Der Liquidator müsste unter anderem das Massivlagerhaus verkaufen oder versteigern. Für Meyer und seine Partner kein wünschenswertes Szenario. Im Bieterverfahren der SBB vor sechs Jahren hatten einzelne Teilnehmer die Liegenschaft weit unter 2 Millionen Franken bewertet.