«Label ergibt einen roten Faden»

HAUPTWIL-GOTTSHAUS. Hauptwil-Gottshaus hat auf dem Weg zum Energielabel die erste Phase abgeschlossen. Trotz kritischen Stimmen ist Gemeindeammann Matthias Gehring vom Konzept überzeugt. Die Gemeinde werde dadurch verpflichtet, etwas zu tun.

Drucken
Teilen
«Wir müssen umdenken»: Gemeindeammann Matthias Gehring unterstützt energiesparende Massnahmen. (Archivbild: Reto Martin)

«Wir müssen umdenken»: Gemeindeammann Matthias Gehring unterstützt energiesparende Massnahmen. (Archivbild: Reto Martin)

Herr Gehring, die Gemeinde Hauptwil-Gottshaus möchte das Label «Energiestadt» erhalten. Was ist bis jetzt geschehen?

Matthias Gehring: Die Phase A ist abgeschlossen. Ein Beratungsbüro hat die Situation in unserer Gemeinde untersucht. Nach dieser ersten Phase haben wir eine Übersicht mit der Ist-Analyse und Vorschlägen für Massnahmen erhalten, um Energie zu sparen.

Wie war das Ergebnis?

Gehring: Erfreulich. Ich hätte nicht gedacht, dass wir nach der Phase A 46 Prozent erreichen. Dies zeigt, dass wir in der Vergangenheit bereits bewusst oder unbewusst Wert darauf gelegt haben.

Es gibt Bewohner, die keinen Sinn sehen, das Label zu erwerben.

Gehring: Ja, es gibt einige, die sagen, die Gemeinde sei zu klein für ein Energielabel, und um energietechnisch etwas zu machen, brauche man kein Label. Andere finden es zu teuer. Zudem kritisieren manche, dass man anschliessend verpflichtet sei, im Bereich Energie etwas zu unternehmen.

Was entgegnen Sie den Kritikern?

Gehring: Gerade dieser letzte Punkt ist ein Argument, das nicht gegen, sondern für das Energielabel spricht. Denn damit ist gewährleistet, dass wir auf jeden Fall etwas unternehmen und die möglichen Massnahmen nicht einfach in den Hintergrund schieben, wenn mal etwas dringender erscheint. Auch ist die Gefahr da, dass man ohne Label wild Massnahmen in die Wege leitet, die keinen Zusammenhang haben. Mit dem Label ergibt sich hingegen ein roter Faden. Die Gemeindegrösse spielt beim Energielabel überhaupt keine Rolle, da die definierten Ziele auf die Gemeinde abgestimmt sind.

Gibt es auch positive Stimmen?

Gehring: Ja, es gibt viele, die sagen, endlich gehe etwas. Die Mehrheit der Bevölkerung findet es sinnvoll, hier Geld zu investieren. Ich gehe davon aus, dass der Bund und der Kanton irgendwann Massnahmen anordnen. Eine Gemeinde sollte eine Vorbildfunktion wahrnehmen. Ein Umdenken im Bereich Energie muss ohnehin stattfinden. Beim Energielabel steht ein riesiges Netzwerk an Wissen zur Verfügung, das man als Mitglied kostenlos nutzen kann.

Was folgt nun?

Gehring: Wir haben im Gemeinderat über die Massnahmen diskutiert und diese beschlossen. Das heisst, wir befinden uns nun in der Phase B.

Welche Massnahmen wurden denn vorgeschlagen?

Gehring: Es gibt verschiedene. Einige sind realistisch, andere sind derzeit zu aufwendig und zu teuer. Zur zweiten Kategorie gehört die komplette Sanierung des Gemeindehauses oder das Bauen einer Holzschnitzelheizung.

Welche Massnahmen setzt die Gemeinde um?

Gehring: Im Mittelpunkt stehen Energiespartips. Wir möchten einen Beratungsbericht Geak Plus vom Gemeindehaus sowie für die darin integrierte Wohnung erstellen lassen, um zu sehen, wo energietechnische Schwachpunkte bestehen und mit welchem Aufwand diese ausgemerzt werden können. Weitere Massnahmen sind ein spezieller Auftritt auf der Homepage mit Links, Meinungen und Tips sowie dem aktuellen Stand des Projektes. Schon länger sind wir daran, die Beleuchtung in der ganzen Gemeinde durch LED-Lampen zu ersetzen.

Wann ist Hauptwil-Gottshaus Energiestadt?

Gehring: Ende September. Sobald die Massnahmen umgesetzt sind, folgt die Zertifizierung. Unser Ziel ist, dass sich unsere Gemeinde an der Wega in Weinfelden als Energiestadt präsentieren kann. Danach folgen weitere Massnahmen. Diesen Plan für die kommenden vier Jahre sind wir noch am Ausarbeiten, denn nach vier Jahren folgt die Rezertifizierung. Eine Idee wäre, auf gemeindeeigenen Bauten eine Photovoltaikanlage zu erstellen.

Was können die einzelnen Bürger zum Erwerb des Labels beitragen?

Gehring: Nebst den erwähnten Energiespartips gibt es für Private, die eine Photovoltaikanlage bis zur Grösse von 30 Kilowattstunden realisieren, eine finanzielle Entschädigung. Sie erhalten zehn Rappen pro Kilowattstunde. Auch wenn jemand neu baut oder umbaut, soll er die energietechnischen Standards beachten. Falls gewünscht, beraten wir die Einwohner dabei.

Wie sparen Sie persönlich Energie?

Gehring: Ich habe zu Hause nur noch LED-Lampen und heize den Swimmingpool nicht mehr. Zudem überlege ich, ob ich ein Elektroauto kaufen soll.

Interview: Andrea Kern