«Kunstwerke werden kontrolliert»

Die Kunst im öffentlichen Raum werde vernachlässigt. Das behauptete der Kreuzlinger Joachim Kohler in einem Leserbrief. Stadträtin Dorena Raggenbass wehrt sich gegen diesen Vorwurf.

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Dorena Raggenbass Stadträtin Departement Freizeit, Kreuzlingen (Bild: Quelle)

Dorena Raggenbass Stadträtin Departement Freizeit, Kreuzlingen (Bild: Quelle)

Frau Raggenbass, wie wird mit Kunst im öffentlichen Raum in Kreuzlingen umgegangen? Wird sie gepflegt oder sich selbst überlassen?

Dorena Raggenbass: Die verschiedenen Kunstprojekte im öffentlichen Raum werden von uns regelmässig auf ihren Zustand hin kontrolliert. Beschädigungen werden behoben, Verschmutzungen gereinigt und Beschädigungen wieder instand gesetzt. Die Skulpturen der Kunstgrenze zum Beispiel werden jährlich gereinigt und die Beleuchtungskörper regelmässig erneuert. Eine Informationstafel zwischen den Figuren erklärt das Kunstwerk und dessen Hintergrund. Das 2012 eingeweihte Projekt «1bis» in der Unterführung des Stadtbahnhofes wird sogar mit zwei Texttafeln erklärt. An der grenzüberschreitenden Kunstnacht im vergangenen Jahr wurde ein Weg zu den Plätzen der Kunstwerke im öffentlichen Raum ausgeschildert. Und als letztes Beispiel: Das erste Projekt der Serie «Entdeckung des Stadtraums» an der Weinstrasse wurde mit einem Strassenfest und einer Strassenraum- und Platzgestaltung weiter begleitet.

Das Kunstwerk auf dem Gemeindeplatz Egelshofen werde nicht verstanden. Warum wurde die Informationstafel entfernt?

Raggenbass: Dieses erste Schild war nur ein Provisorium für die Einführung des Projekts. Die «richtige», dauerhafte Tafel wird im September montiert.

Der Kritiker vermutet, dass in den drei bisherigen Wettbewerben «Entdeckung des öffentlichen Stadtraumes» ausschliesslich auswärtige Künstlerinnen als Siegerinnen bestimmt wurden, da sich diese im nachhinein weniger beschweren, wie man mit ihrer Kunst umgeht.

Raggenbass: Diesen Vorwurf möchte ich nicht kommentieren. Die Arbeitsweise der Jury bei allen drei Wettbewerben wurde professionell begleitet. Die eingereichten Arbeiten wurden ernsthaft beurteilt und bewertet. Alle Phasen des Auswahlverfahrens sind dokumentiert und im Jurybericht beschrieben worden. Die Nationalität, die Herkunft, der Wohnort oder das Geschlecht der Künstler wurden in keinster Weise in die Beurteilung mit einbezogen.

Der Kritiker erhebt zudem den Vorwurf, dass die Kunstkommission der Stadt mit diesem «Kunst-Danach-Verhalten» mehr um die eigene Publicity bemüht ist als darum, der Bevölkerung die Kunst näher zu bringen.

Raggenbass: Ich lade den Leserbriefschreiber sehr gerne zu einem Spaziergang ein. Wir besuchen die Kunstprojekte im öffentlichen Raum und entdecken so unseren Stadtraum vielleicht mit einer neuen Sichtweise.

Interview: Nicole D'Orazio