Kulturstelle stürzt zum zweiten Mal ab

KREUZLINGEN. Der Kreuzlinger Gemeinderat bewilligt gestern im zweiten Anlauf zwar die Erhöhung der Stadtratspensen um je 10 auf 60 Prozent. Die Verwaltungsstelle in den Ordnungsdiensten und den Kulturbeauftragten weist der Rat aber erneut zurück.

Urs Brüschweiler
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Die bürgerlichen Gemeinderäte zeigten der Kultur erneut die kalte Schulter. Zur Entlastung von Stadträtin Dorena Raggenbass und ihres Departements – welches kürzlich von «Freizeit» in «Gesellschaft» umgetauft wurde – sollte eine neue Stelle geschaffen werden: Der Leiter der Fachstelle Gesellschaft und Kultur würde zu 50 Prozent angestellt, was jährliche Lohnkosten von 64 000 Franken pro Jahr inklusive Sozialleistungen zur Folge gehabt hätte. Bereits am 19. März war dieselbe Vorlage als Teil einer anderen Botschaft zurückgewiesen worden. Und auch gestern erlitt sie Schiffbruch.

Sachbearbeiter oder Leiter

«Die Lohnkosten sind unrealistisch. Es braucht für diese Aufgaben keinen Ressortleiter mit Hochschulabschluss, es reicht ein qualifizierter Sachbearbeiter», argumentierte Indira Marazzi für die FDP/EVP-Fraktion. Die Sozialdemokraten kämpften mit grosser Leidenschaft für den Kulturbeauftragten. «Die Kultur werde stiefmütterlich behandelt in Kreuzlingen», sagte etwa Nina Schläfli. Andreas Hebeisen griff sehr tief in die rhetorische Trickkiste. «Die Stadt droht zu einem seelenlosen Zombie zu werden, zu einem Vorort von Konstanz.» Das Portemonnaie sei für viele bereits das wichtigste Körperorgan. Man dürfe kein Leistungsabbau in der Kultur provozieren. Cyrill Huber wetterte noch gegen die Ratsrechte, welcher Kultur generell ein Dorn im Auge sei. Es nützte alles nichts. Die SP stand auf verlorenem Posten. Stadträtin Raggenbass warf dann auch noch vor der Abstimmung schon verbal die Flinte ins Korn. Sie sagte, dass man bei einer Rückweisung keinen dritten Anlauf mit einer Botschaft mehr nehmen werde, sondern das die Stelle für sie auch auf Sachbearbeiter-Ebene vorstellbar sei und dann im Budget für 2016 wieder untergebracht werde. Übers Budget wird auch die 30-Prozent-Aufstockung bei den Ordnungsdiensten wiederkehren. Hier hatte Stadtrat Thomas Beringer bereits in der Kommission signalisiert, dass man diese nochmal prüfen werde und sie wohl erst 2017 wieder aktuell werde, nach der Reorganisation des Zivilschutzwesens.

Viermal zehn Prozent mehr

Die FDP/EVP-Fraktion stand als Neinsagerin alleine da bei der Aufstockung der Stadtratspensen um je zehn Prozent, was für 2015 noch Mehrkosten von 53 000 Franken zur Folge hat. Doch das die Stadträte mehr arbeiten, als einem 50-Prozent-Pensum entspricht, wird allgemein anerkannt. Urs Wolfender von der Freien Liste steuerte noch ein Bonmot bei. «Mit dem Geld für all die Expertisen und Sitzungen, wäre die Aufstockung bereits finanziert gewesen.»

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