Krieg statt sonniger Ruhetage

ROMANSHORN. (Korr) Der Weltkrieg schlägt weit mehr Wunden auch in schweizerische Familien, als man annimmt. So haben wir hier in Romanshorn auch eine Familie, in deren Schicksal der Krieg tief eingreift.

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ROMANSHORN. (Korr) Der Weltkrieg schlägt weit mehr Wunden auch in schweizerische Familien, als man annimmt. So haben wir hier in Romanshorn auch eine Familie, in deren Schicksal der Krieg tief eingreift. Wilhelm Strotz, gewesener Rangiermeister der Bundesbahnen, trat vor drei Jahren, nach über 30jähriger Tätigkeit in den Ruhestand. Um seine Tage in Ruhe und in eigenem Heim verbringen zu können, kaufte er sich ein eigenes Häuschen. Seine Töchter waren an brave, schlichte und arbeitsame Männer verheiratet, alle drei deutsche Staatsangehörige. Da kam der Krieg, und alle drei mussten in die Front ziehen. Den nicht mit irdischen Gütern, wohl aber mit einer Schar Kindern gesegneten jungen Frauen blieb nichts anderes übrig, als ins Haus ihres Vaters zu ziehen und sich dort das Dasein unter der Obhut des Vaters so erträglich wie möglich zu gestalten und Hoffnung zu haben, dass ihre Ernährer bald wieder zurückkehren werden. Leider ist aber bereits einer von ihnen gefallen, und wer weiss, ob die anderen beiden im Verlauf der letzten mörderischen Schlachten nun nicht auch ihr Leben auf dem Felde der Ehre gelassen haben. Hoffen wir das bessere. Zu bedauern ist der alte Vater Strotz, dem nun statt des sonnigen Abends der Ruhe Tage schwerer Sorge beschieden sind. Wohl beziehen die drei Frauen einige Unterstützung aus Deutschland; zum Leben und zum Erziehen der Kinder reicht diese nicht aus und die Mittätigkeit hat daher hier ein dankbares Feld der Betätigung.