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Krieg! Hinter der Bunkertüre.

Vor ein paar Jahren hätte die Justiz eine Publikation über den geheimen Kommandobunker der Grenzbrigade 7 in Weinfelden noch mit bis zu fünf Jahren Zuchthaus bestrafen können. Doch jetzt ist die Anlage offen. Esther Simon (Text) und Nana do Carmo (Fotos) haben sie besucht.
Blick in einen Schlafsaal für Wehrmänner im ehemaligen Kommandobunker der Grenzbrigade 7 in Weinfelden. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

Blick in einen Schlafsaal für Wehrmänner im ehemaligen Kommandobunker der Grenzbrigade 7 in Weinfelden. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

WEINFELDEN. Das Thermometer zeigt 14 Grad. Es ist nicht wirklich kalt im Bunker an der Schnellerstrasse oberhalb von Weinfelden. Es riecht nach nichts. Den einen oder anderen Besucher dürfte trotzdem frösteln. Denn der Bunker ist wie ausgestorben. Und er erzählt vom Krieg. Während des Zweiten Weltkrieges und des anschliessenden Kalten Krieges arbeiteten tatsächlich bis zu neunzig Offiziere, Unteroffiziere, Soldaten sowie Angehörige des Frauenhilfsdienstes (FHD) wochenweise in der Anlage. Sie ist in den Fels gehauen und hat kein einziges Fenster. Die Anlage war der Kommandoposten der Grenzbrigade 7.

Kein Militärspital

Hier wurden Einsatzkonzepte erarbeitet und Befehle formuliert. Aber das erfuhr die staunende Öffentlichkeit erst vor zwanzig Jahren, nachdem die Brigade aufgelöst worden war. Entklassifiziert worden ist der Bunker sogar erst am 1. Juni 2005, also vor noch nicht einmal zehn Jahren. Die Weinfelder wussten überhaupt nicht oder dann nie genau, was sich an der Schnellerstrasse tat. Zwar sah man hie und da Militär im Dorf; aber das war ja in den vergangenen Jahrzehnten keine Seltenheit. «Viele vermuteten, es sei ein Militärspital», sagt Urs Ehrbar. Der ehemalige Berufsoffizier ist Vizepräsident des Vereins Festungsgürtel Kreuzlingen. Der Verein hatte den Brigadebunker dem VBS – dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport – vor sieben Jahren abgekauft und ihn dann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Verein unterhält zwar weitere militärische Objekte im ehemaligen Festungsgürtel Kreuzlingen. Aber der ehemalige Kommandoposten der Grenzbrigade 7 ist unbestritten das Herzstück.

Ohne fremde Hilfe kommt man in den Bunker nicht hinein. Urs Ehrbar hat die Schlüssel zur imposanten Anlage. Er stösst die schweren Türen auf. Ehrbar ist stolz darauf, Interessenten durch den Bunker zu führen. «Wir wollen den Besucherinnen und Besuchern zeigen, was die Generationen während des Zweiten Weltkrieges und während des Kalten Krieges geleistet haben.»

Zwei Betonpanzertüren

Nachdem die beiden Betonpanzertüren überwunden sind, kommt man an einer Dusche mit einem müde herunterhängenden Vorhang vorbei. Urs Ehrbar deutet den fragenden Blick richtig. «Hier hätten kontaminierte, also mit Giften belastete Wehrmänner duschen und frische Kleider anziehen können», sagt er. Die ganze Anlage ist ziemlich verwinkelt. Ohne Führung könnte man sich glatt verlaufen. Der erste Teil des Bunkers entstand am Ende des Zweiten Weltkriegs. In den 1960er-Jahren kam der doppelstöckige Arbeitstrakt dazu. Im Maschinenraum befinden sich zwei grosse Dieselgeneratoren zur Sicherstellung der Energieversorgung; sie funktionieren auch heute noch tadellos. In den 1980er-Jahren entstanden – als Schutz gegen atomare und chemische Waffen – eine neue Filteranlage und die beiden Panzertüren am Eingang.

Die Verbindung zu den unterstellten Einheiten der Brigade erfolgte durch Funk, über das militärische Drahtnetz sowie durch Verbindungsoffiziere. Auch Brieftauben, die in einem nahegelegenen Schlag untergebracht waren, leisteten zeitweise ihren Dienst im Militär. Ein schmaler Notausstieg erregt besondere Aufmerksamkeit. An seinem Ausgangspunkt befindet man sich ganze zwanzig Meter unter Boden. 15 000 Liter Diesel und 30 000 Liter Wasser wurden gelagert. Das hätte für vier Wochen reichen sollen. Wenn der Kommandobunker nicht durch den Brigadestab belegt war, leisteten Angehörige des ehemaligen Festungswachtkorps die Wartungs- und Unterhaltsarbeiten.

Die Gänge mit den unebenen Steinböden sind lang, schmal und grün bemalt, vielleicht als Reverenz an ihre ehemaligen Bewohner. Führungsraum, Stabsarbeitsräume, Wachtlokal, Funkstation, Schlafräume, Waschräume, Küche und Essräume – insgesamt über dreissig Lokalitäten – sind in beeindruckend gutem Zustand. Die Besitzer wissen, was sie dieser Anlage schuldig sind.

Armeewaffen ausgestellt

Im Eingangsbereich des Bunkers orientieren zwei Kartenwände über die wesentlichen Ereignisse des Kalten Kriegs. Im Untergeschoss des Arbeitstraktes öffnete kürzlich eine Ausstellung, welche die Entwicklung der Übermittlung zeigt: Dutzende Telefonapparate, Übermittlungszentralen und Funkgeräte aus verschiedenen Epochen sind hier zu sehen.

Schliesslich ist in den ehemaligen Stabsarbeitsräumen eine umfangreiche Sammlung von Armeewaffen untergebracht. Die Sammlung ist ein Geschenk des Weinfelder Ehepaares Rösli und Walter Minder.

Infos und Anmeldung für Führungen: www.festungsguertel.ch oder info@festungsguertel.ch

Urs Ehrbar, Vizepräsident des Vereins Festungsgürtel Kreuzlingen, öffnet den Bunker an der Schnellerstrasse oberhalb von Weinfelden. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

Urs Ehrbar, Vizepräsident des Vereins Festungsgürtel Kreuzlingen, öffnet den Bunker an der Schnellerstrasse oberhalb von Weinfelden. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

Blick in die Ausstellung über die Entwicklung der Nachrichtenübermittlung: Telefonapparate, Übermittlungszentralen und Funkgeräte. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

Blick in die Ausstellung über die Entwicklung der Nachrichtenübermittlung: Telefonapparate, Übermittlungszentralen und Funkgeräte. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

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