Kreuzlinger Schläger vor Gericht

KREUZLINGEN. Im Mai 2009 schlugen drei junge Schweizer zwei Gleichaltrige im Hauptbahnhof Kreuzlingen brutal zusammen. Anfang März stehen die Täter vor Gericht. Einer von ihnen wird sogar wegen versuchter vorsätzlicher Tötung angeklagt.

Gjon David
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Videoaufnahme: Arm in Arm und feixend entfernen sich die Täter vom Tatort – ihre Opfer sind verletzt. (Archivbild: Kapo TG)

Videoaufnahme: Arm in Arm und feixend entfernen sich die Täter vom Tatort – ihre Opfer sind verletzt. (Archivbild: Kapo TG)

«Die Staatsanwaltschaft hat gegen zwei Schläger Anklage erhoben», sagt Gerichtsweibelin Katrin Blum. Ende März 2009 schlugen die beiden Täter zwei Gleichaltrige brutal zusammen. «Die dritte Person, die bei der Schlägerei dabei war, befindet sich auf freiem Fuss», sagt Blum. Die anderen beiden müssen am 4. und 5. März vor dem Bezirksgericht Kreuzlingen erscheinen.

Nach den Angriffen am 21. Mai 2009, veröffentlichte die Kantonspolizei Thurgau im Auftrag des Bezirksamtes Kreuzlingen Bildmaterial einer Überwachungskamera, die die Täter gefilmt hatte. Im Überwachungs-Video war zu sehen, wie drei junge Männer, kurz nach Mitternacht, auf zwei gleichaltrige Schweizer losgingen und sie brutal zusammenschlugen.

Schläge auf den Kopf

Einer der Täter schlug dabei besonders heftig auf sein Opfer ein. Als der junge Mann bereits zu Boden lag, trat ihm der Täter mehrere Male auf den Oberkörper und gegen den Kopf. Der Fall sorgte schweizweit für grosses Aufsehen. Nicht nur die Kreuzlinger waren geschockt und begrüssten die neue Fahndungsmethode – die Polizei hatte sich zum ersten Mal in der Schweiz in diesem Fall per Fahndungs-Video an die Öffentlichkeit gewandt.

Bereits wenige Stunden nach der Veröffentlichung des Videos gingen bei der Kantonspolizei mehrere Dutzend Meldungen betreffend der Identität der Angreifer ein. Kurze Zeit später konnte sie die Polizei ausfindig machen. Es handelt sich um drei zum Tatzeitpunkt 18 bis 20-jährige Schweizer. Sie stammen aus Wängi, Matzingen und Bussnang.

Die Gerichtsweibelin sagt, dass Staatsanwalt Patrick Müller jetzt beim Bezirksgericht Kreuzlingen bei einem der Schläger davon ausgeht, dass er den Tod seines Opfers in Kauf genommen habe. Deswegen erhebt er gegen einen der zwei Schläger Anklage wegen versuchter vorsätzlicher Tötung. Die weiteren Anklagepunkte lauten unter anderem auf: einfache Körperverletzung und versuchte einfache Körperverletzung.

Strafmass nicht bekannt

Das geforderte Strafmass ist noch nicht bekannt. Staatsanwalt Patrick Müller war gestern nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Allerdings kann man – gestützt auf das Strafgesetzbuch – davon ausgehen, dass die Anklage bei Verurteilung eine Strafe von nicht unter fünf Jahren Haft fordern wird. Freilich kann das Gericht auch mildernde Umstände in Erwägung ziehen.

«Die Täter handelten grundlos. Täter und Opfer kannten sich offenbar vor der Tat nicht», informierte 2009 die Polizei. Die Opfer, zwei junge Schweizer, waren bei den Angriffen leicht bis mittelschwer verletzt worden. Dass Müller schwere Anklage gegen die beiden Thurgauer erheben würde, war zu erwarten. Einerseits wiegen die Taten der Schläger schwer – das Video ist auf www.youtube.com immer noch einsehbar und zeigt die enorme Brutalität der Schläger. Als sie sich vom Tatort entfernen, feixen und lachen sie sogar.