Kreuzlinger Kultur unter der Lupe

Kreuzlingen und Konstanz haben eine Kulturanalyse in Auftrag gegeben. Nun liegen die Ergebnisse vor: In Kreuzlingen wird das Angebot als gross bezeichnet. Kritik gibt es für eine fehlende kulturelle Identität und die städtische Website.

Kurt Peter
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Ein Leuchtturm der Kreuzlinger Kultur: Das See-Burgtheater probt «Romeo und Julia auf dem Lande», die Produktion im Sommer 2015. (Archivbild: Dieter Langhart)

Ein Leuchtturm der Kreuzlinger Kultur: Das See-Burgtheater probt «Romeo und Julia auf dem Lande», die Produktion im Sommer 2015. (Archivbild: Dieter Langhart)

KREUZLINGEN. Die Kommunalberatung namens Klimakom aus dem deutschen Hummeltal hat den Auftrag erhalten, über die beiden Städte Konstanz und Kreuzlingen eine Kulturanalyse zu erstellen. In Kreuzlingen wurden dazu Fragebögen an die wichtigsten Veranstalter und Kulturschaffenden verschickt sowie telefonische Interviews durchgeführt. In der nun vorliegenden Analyse heisst es, dass Kreuzlingen für eine Stadt mit rund 21 000 Einwohnern über ein grosses und vielseitiges Kulturangebot verfüge. Herausragend sei der Bereich Musik, der qualitativ hochwertig und facettenreich sei.

Obwohl die Stadt über kein ständig spielendes Theater verfüge, seien mit dem See-Burgtheater sowie dem Schloss Girsberg professionelle Sommertheater und mit dem Theater an der Grenze auch ein Kleintheater mit Gastspielen vorhanden. Zudem präsentiere das Kabarett in Kreuzlingen ein Festival auf hohem Niveau.

Die Kräfte sind zersplittert

Die zuständige Stadträtin Dorena Raggenbass bezeichnet die Analyse als sehr ausführlich. «Sie hat keine Überraschungen zutage gefördert, dient uns aber als gute Basis für den Kulturbericht und das anschliessende Kulturkonzept», sagt Raggenbass. Die Analyse zeigt allerdings auch auf, dass durch die Vielfalt der Angebote keine eigenständige kulturelle Identität entstehe, da die Kräfte zersplittert seien. Für Dorena Raggenbass ist das nur nach aussen der Fall. «Kreuzlingen ist die kleine bissige Schwester von Konstanz», zitiert sie den Künstler Markus Brenner.

Die Analyse kritisiert, dass die ausländische Bevölkerung kaum für kulturelle Zwecke erreicht werden könne. Für die Stadträtin ist dies ein typisches Kreuzlinger Phänomen: «Doch mit dem Chrüzlinger Fäscht auf dem Boulevard ist ein Anfang gemacht». Weitere Projekte und Veranstaltung seien in Vorbereitung. Sie habe schon lange die Idee eines Kulturenfestivals im Kopf. Folklore sei wieder in, meint sie weiter und verrät: «Für das Jahr 2018 fassen wir ein Festival mit bekannten und vielleicht auch weniger bekannten Künstlern ins Auge.» Im Bereich der Finanzierung sieht die Analyse die städtische Unterstützung der Vereine als Stärke.

33 Kulturfranken pro Person

Doch laut der Umfrage ist der Gemeinderat gegenüber zusätzlichen Finanzmitteln in den Haushalt ablehnend eingestellt. Im Jahr 2012, auf der Basis von 20 300 Einwohner, beliefen sich die Beiträge der Stadt inklusive Mieterlasse auf 681 000 Franken. «Das sind knapp 33 Franken pro Einwohner im Jahr für ein sehr umfangreiches Angebot», wie es Dorena Raggenbass ausdrückt. Ausserdem könne auch um Förder- und Beitragsmittel vom kantonalen Kulturamt und dem Verein Kultursee ersucht werden.

Kultur ist auf Website verborgen

Härter ins Gericht geht die Analyse mit dem städtischen Internetauftritt. «Auf www.kreuz lingen.ch muss der Benutzer Einträge zu kulturellen Themen zuerst suchen, denn auf der Stadt-Seite existiert keine Rubrik mit dem Titel Kultur», heisst es. Was man als Nutzer zunächst vollkommen vermisse, seien die Kategorien Theater und Bühnen sowie Musik/Konzerte und Film. Erst unter dem Kulturdachverband finde man eine Auflistung verschiedener Theater- und Musikeinrichtungen mit Verlinkungen zu externen Homepages. Diese Schwäche sei bekannt, gibt Dorena Raggenbass zu. «Es gibt Ideen zur Verbesserung aber derzeit keine personellen Ressourcen, um diese umzusetzen», erklärt sie. Mit Claudia Thom werde aber bereits Mitte April die Gesellschafts- und Kultur-Sachbearbeiterin der Stadt ihre Arbeit aufnehmen. Sie habe grosse Erfahrungen im Bereich Marketing und soll bereits in diesem Jahr Ideen umsetzen. «Für einen neuen städtischen Gesamtauftritt im Netz wird der Stadtrat einen Betrag ins Budget 2017 aufnehmen.»

Dorena Raggenbass Stadträtin Kreuzlingen (Archivbild: Andrea Stalder)

Dorena Raggenbass Stadträtin Kreuzlingen (Archivbild: Andrea Stalder)

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