KREUZLINGEN: Zweiter muss man erst mal werden

Die Wasserballer holen die Silbermedaille im Schweizer Cupfinal. Die Zuschauer ärgern sich über die Leistung der Schiedsrichter.

Barbara Hettich
Drucken
Teilen

Barbara Hettich

kreuzlingen@thurgauerzeitung.ch

Zum Schweizer Cupfinal der ­Herren kamen am Pfingstsamstag rund 500 Zuschauer ins Schwimmbad Hörnli und feuerten ihre Mannschaft lautstark ­an – unterstützt von Glockengebimmel und Paukenschlägen: Hopp Chrüzlinge! Doch es kam, wie es aus Sicht der Zuschauer eigentlich nicht kommen sollte. Lugano versenkt Ball um Ball ins gegnerische Tor. Gross dann der Jubel über die ersten Anschlusstreffer. Doch Lugano ist die stärkere Mannschaft, mit vollem Körpereinsatz machen die Tessiner den Kreuzlingern das Leben schwer.

Die Schiedsrichter sind fleissig am Pfeifen, zum grossen Ärger der Zuschauer für die falsche Mannschaft: «Stellet dä doch endlich emol use», fordert das Publikum vergebens weitere Ausschlüsse von Tessiner Spielern. Mit jedem Viertel des Spiels nimmt die Leistung der Kreuzlinger Mannschaft ab, zudem ist ihnen das Glück nicht hold: Lattenschuss, Pfostenschuss und der Tessiner Torwart hält und hält. Maskottchen Leo feuert die Kreuzlinger Zuschauer weiter an, doch im vierten Viertel ist der Glaube an einen Sieg in weite Ferne gerückt, die Gegner versenken Ball um Ball, der Kreuzlinger Goalie –verletzungsbedingt ausgefallen – fehlt bitterlich. Der Himmel weint mit, die ersten Regentropfen fallen kurz vor dem Schlusspfiff. Lugano kann Dank eines 18:7-Siegs den Pokal entgegennehmen. Die meisten Zuschauer kriegen das gar nicht mehr mit, wer nicht nass werden will, flieht unter das Partyzelt. Trotz Niederlage: Im Anschluss an das Spiel gibt es genügend Gründe, zu feiern. «Die Stimmung war einfach toll, ich komme jetzt wohl öfter an ein Wasserballspiel», sagt Lisa Munz aus Bottighofen. Der Kreuzlinger Alt-Stadtrat Roger Cotting analysiert das Spiel: «Eine tolle Leistung, wenn man bedenkt, dass die Mannschaft stark verjüngt und mit neuem Trainer in die Meisterschaft gestartet ist. Zweiter in der Meisterschaft und Zweiter im Cup – das muss man erst mal erreichen. Was ich nicht ganz nachvollziehen kann: Warum holt sich der Trainer nicht einen Ersatzgoalie und stellt einen Spieler ins Tor?» Joel Herzog, der 21-jährige National-Wasserballspieler der Kreuzlinger, zieht aus Sicht der Spieler Bilanz: «Wir hatten das eine oder andere Mal Pech, aber es wäre zu einfach, den Schiedsrichtern die Schuld zu geben. Lugano ist die erfahrenere Mannschaft und dies hat sich in den letzten zwei Vierteln deutlich gezeigt.»