KREUZLINGEN: «Zurücklehnen funktioniert nicht»

Mit dem Auftritt von Urban Priol ist letzte Woche «Kabarett in Kreuzlingen» 2017 zu Ende gegangen. Programmleiter Micky Altdorf zieht Bilanz über die zehn Abende des Jubiläumsfestivals.

Urs Brüschweiler
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Simon Enzler bei seinem «Kabarett in Kreuzlingen»-Auftritt im Theater an der Grenze am 6. Mai. (Bild: Urs Brüschweiler)

Simon Enzler bei seinem «Kabarett in Kreuzlingen»-Auftritt im Theater an der Grenze am 6. Mai. (Bild: Urs Brüschweiler)

Urs Brüschweiler

urs.brueschweiler@thurguaerzeitung.ch

Herr Altdorf, wann ist aus Ihrer Sicht das Festival ein Erfolg: wenn das Publikum zahlreich erscheint, wenn die Künstler zufrieden sind oder wenn es finanziell aufgeht?

Micky Altdorf: Wir veranstalten das Festival hauptsächlich aus Freude an der Sache. Wenn bei den Zuschauern, den Künstlern und unseren Helfern die Stimmung gut ist und wir positive Rückmeldungen erhalten, dann ist es ein Erfolg. Aber da wir in den folgenden Jahren weitermachen möchten, darf man das Finanzielle auch nicht ausser Acht lassen.

Wie war denn die Publikums-Resonanz an den zehn Abenden?

Insgesamt besuchten etwa 1500 Personen die Vorstellungen. Wir hatten acht Volltreffer, mussten aber zwei Wermutstropfen verzeichnen. Am Auftaktabend mit Michael Elsener, der andernorts ganze Hallen füllt, verkauften wir nur 90 Tickets für den Dreispitz-Saal. Und bei unserem Thurgauer Abend mit «Europa», der Band der neuen Leichtigkeit, war das Theater an der Grenze das einzige Mal nicht ausverkauft.

Passte eine Band denn überhaupt ins Programm?

Ja, klar. Musik-Kabarett soll auch seinen Platz haben bei uns. Ihr Auftritt war spritzig und witzig.

Aber Urban Priol war der Headliner in diesem Jahr?

Mit 450 Personen im Dreispitz-Saal waren bei ihm am meisten Zuschauer. Ich finde, wir hatten darüber hinaus ein sehr abwechslungsreiches Programm. Mit Urban Priol, Alfred Dorfer und Simon Enzler hatten wir sogar ein Drei-Länder-Festival.

Wie entscheiden Sie, welche Künstler im kleinen Theater an der Grenze spielen und welche im grossen Dreispitz-Saal?

Das liegt nicht nur am erwarteten Publikumsaufmarsch. Andreas Rebers etwa wollte von sich aus in dem schnukeligen Theater spielen. Das gilt auch für Alfred Dorfer oder Simon Enzler, der eben im wahrsten Sinne des Wortes Kleinkunst machen möchte. Die Atmosphäre ist durch die Nähe zu den Zuschauern natürlich besonders gut. Klar ist aber auch, dass es bei 100 Plätzen für uns schwieriger wird, die Kosten zu decken. Auch wenn die Gagen dadurch natürlich ebenfalls kleiner werden.

Kabarett in Kreuzlingen wurde 2002 zum ersten Mal durchgeführt. Sie feiern dieses Jahr also das 15-Jahr-Jubiläum. Wie fühlt es sich an, wenn Sie zurückschauen?

Es war immer und ist nach wie vor eine grosse Herausforderung, hier an der Grenze ein solches Festival zu etablieren. Zurücklehnen und denken, es läuft jetzt von selber, funktioniert nicht. Aber obwohl ich natürlich stolz bin auf das bisher Erreichte, fragt man sich, was danach kommt. Es wäre wirklich schade, wenn es das KiK nicht mehr gäbe. Darum sind wir daran, junge und interessierte Leute nachzuziehen.

Aber Sie machen im nächsten Jahr das KiK wieder?

2018 machen wir eine Pause. Bei so viel ehrenamtlichem Einsatz aller Helfer braucht es das, um mal wieder Luft holen zu können. Sonst ist nach dem Festival immer gleich wieder vor dem Festival. 2019 kommen wir dann aber wieder zurück mit einem speziellen Thema. Aber da will ich noch nicht zu viel verraten.

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