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KREUZLINGEN: «Wir verlieren unser Zuhause»

Mehr als 70 Mieter von der Reutistrasse müssen sich demnächst eine neue Bleibe suchen. Ihre günstigen Wohnungen werden abgerissen. Die Frustration sitzt bei den Betroffenen tief.
Martina Eggenberger Lenz
Günter Welte fotografiert vom Dach die Siedlung an der Reutistrasse, die neuen Mehrfamilienhäusern weichen soll. (Bild: Reto Martin)

Günter Welte fotografiert vom Dach die Siedlung an der Reutistrasse, die neuen Mehrfamilienhäusern weichen soll. (Bild: Reto Martin)

Martina Eggenberger Lenz

martina.eggenberger@ thurgauerzeitung.ch

Im Januar flatterte den Bewohnern der Reutistrasse 7 bis 11 die Hiobsbotschaft ins Haus. Ihre Wohnungen werden abgerissen und müssen einer neuen Überbauung Platz machen. Wann genau das sein wird, das wissen die Betroffenen nicht. Das Baugesuch, das für sie persönlich schwerwiegende Folgen hat, liegt aktuell auf. «Wir hatten eigentlich damit gerechnet, dass die Eigentümerschaft unsere Wohnungen saniert. Die krasse Massnahme kam für uns jetzt sehr überraschend», sagt eine langjährige Mieterin. Wie viele andere im Haus hat sie einen Migrationshintergrund. «Es ist schon traurig. Wir sitzen hier in der Schwebe. Manchmal müssen wir weinen, wenn wir daran denken, dass unsere Gemeinschaft bald auseinandergerissen wird. Wir fühlen uns wohl hier. Das ist unser Zuhause.»

Wohnungen kosten weniger als 1000 Franken

Es ist ein sehr günstiges Zuhause. Eine Familie bezahlt knapp 1000 Franken für ihre 5-Zimmer-Wohnung. Kleinere Wohnungen kosten logischerweise noch weniger. «Dafür haben wir hier auch keinen Luxus. Es zieht rein und bei einigen gibt es Schimmel», erzählt Günter Welte, der seit 45 Jahren an der Reutistrasse wohnt. Diejenigen, die einen Geschirrspüler haben, mussten ihn selber einbauen. Ein paar Mieter haben in Eigenregie etwas renoviert, Böden verlegt oder Wände gestrichen. Vieles in den 50 Jahre alten Häusern ist noch Originalzustand.

Die günstigen Preise ziehen eine internationale Mieterschaft an. Viele seien ungelernt, alleinerziehend oder würden wie er von der Rente leben, sagt Günter Welte. «Dass wir hier raus müssen, tut schon weh.» Schliesslich gebe es in der Stadt nur noch wenig billigen Wohnraum an einer ähnlich guten Lage. Wie viele andere schaut sich eine italienischstämmige Familie bereits nach etwas Neuem herum. Eine passende Wohnung gefunden hat sie noch nicht. «Mir tun vor allem die Familien leid, die noch Kinder im Schulalter haben. Für die ist ein Umzug besonders hart.» Auch Günter Welte hat schon Immobilienangebote konsultiert. Er hat jetzt aber entschieden, erst einmal abzuwarten. Die Verwaltung komme den Mietern bei einer Kündigung bislang sowieso nicht entgegen. Überhaupt ist Welte auf die Verantwortlichen nicht allzu gut zu sprechen. «Unsere Nachbarn in den Eigentumswohnungen auf der anderen Strassenseite wurden vor uns informiert, dass ein Abbruch geplant ist.»

Das Areal wird verdichtet und aufgewertet

Die Mehrfamilienhäuser an der Reutistrasse gehören seit knapp zehn Jahren der Seneca Immobilien AG. Lars Ullmann, Vertreter der Eigentümerschaft, sagt auf Anfrage, man habe eine Sanierung geprüft, sei aber zum Schluss gekommen, dass ein Neubau sinnvoller sei. Die Bausubstanz der Häuser sei nicht mehr gut, die Grundrisse seien zu klein, das Energiekonzept veraltet. «Die Anforderungen an eine Mietwohnung haben sich in den letzten Jahrzehnten sehr verändert», gibt Ullmann zu bedenken. Mit dem Neubau wolle man eine zeitgemässe, verdichtete Siedlung erstellen, die der Zentrumslage gerecht werde. «Wir planen auch kleinere, rollstuhlgängige Wohnungen.» Vorgesehen seien 60 Miet- und 28 Eigentumswohnungen.

Dass die Entwicklung zur Folge hat, dass die heutigen Mieter aus ihren Wohnungen müsssen, bedauert der Vertreter der Eigentümerschaft. «Aber es wird später wieder neue Mieter geben.» Man wolle für die Zukunft etwas Schönes für Kreuzlingen schaffen – zu marktgerechten Preisen. Zum genauen Zeitplan und weiteren Vorgehen wolle man sich erst nach Abschluss des Baubewilligungsverfahrens äussern.

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