KREUZLINGEN: Viele Diskussionen

Die Versammlung der Evangelischen Kirchgemeinde dauerte länger, als es die Traktanden hatten erwarten lassen. Einige wenige Bürger waren bei diversen Themen unzufrieden.

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Kirchenpräsident Thomas Leuch hatte sich seine erste Rechnungsversammlung sicher etwas einfacher vorgestellt. Doch unter den knapp 50 anwesenden Stimmberechtigten am Montagabend im Kirchgemeindehaus fand sich eine Handvoll kritischer Geister. Einen Vorgeschmack lieferte bereits die Abstimmung über das Protokoll der vergangenen Sitzung. Kirchbürger Arnold Baumann verlangte, dass diese sauber ausgezählt wird. Worauf dann eine einzige Enthaltung festgestellt wurde, während alle andern zustimmten.

Auch die Behandlung der Jahresrechnung ging nicht ohne Diskussionen über die Bühne. Sie schliesst mit einem Rückschlag von etwas über 130000 Franken. Die Hauptursache, dass das Resultat rund 210000 Franken schlechter ist als budgetiert, liegt bei massiv zurückgegangenen Steuererträgen früherer Jahre. Dieses Phänomen war bereits bei der Stadt und der Schule sichtbar geworden, und die Prognosen des Steueramtes seien weit danebengelegen. Doch Kirchbürger Walter Studer störte sich weniger am Minus, als am Fazit der Vorsteherschaft Diese hatte in der Botschaft den Satz vermerkt: «Über weitere Steuersenkungen müssen wir uns nicht mehr befassen.» Dieser sei sowohl grammatikalisch falsch als auch nicht folgerichtig. Weil die Steuerfusssenkung nicht schuld sei am Defizit. Sein Antrag auf Streichung des Satzes wurde denn auch ohne Gegenstimmen angenommen. Die Rechnung wurde am Ende einstimmig verabschiedet.

Studer bemängelte wie schon so oft, dass die Anstellungsverhältnisse der Kirchgemeinde zu wenig transparent seien. In der Statistik im Botschaft-Büchlein hatte sich tatsächlich ein Fehler eingeschlichen. Nach dessen Klärung wurde eine Aufstockung von einigen Stellenprozenten bei der Hauswartung ersichtlich, was Studer ärgerte. «Die Mitgliederzahl der Kirche ist unter 5000 gesunken, aber die Stellenzahl wird ständig erhöht. Das verstehe ich nicht.» Die Kirchenvorsteherschaft verteidigte jedoch die Aufstockung als nötig.

Die neue Jugendarbeiterin hatte sich entschuldigt

Thomas Leuch hätte an dem Abend gerne die neue Jugendarbeiterin vorgestellt. Andrea Bevelaqua aus Aadorf wird ab August Jmerio Pianari ersetzen, der zur Kantonalkirche wechselt. Doch hatte sie sich beim Kirchenpräsidenten aufgrund einer Verpflichtung in ihrer aktuellen Tätigkeit bei der reformierten Kirche in Zürich abmelden müssen. Das fand Kirchbürger Christian Forster zwar «mager», aber es nahm der Kirchenvorsteherschaft nicht die Freude daran, dass sie eine «Jugendarbeiterin mit gut fundierter Ausbildung und viel Elan» gefunden hat.

Der Kirchenpräsident informierte, dass Vorsteherschaftsmitglied Marc Soltermann nach Bätershausen gezügelt sei. Dank einer Ausnahmebewilligung des Kantonalen Kirchenrates dürfe er aber dennoch bis zum Ende der Legislaturperiode 2020 im Amt bleiben. Beim Planungswettbewerb zur Erneuerung des Kirchgemeindehauses seien 37 Bewerbungen eingegangen. Man werde nun bis Mitte Juni die Teilnehmer auswählen, sagte Leuch. Bis im Dezember soll dann die Jurierung stattfinden. Pendent ist bei der Evangelischen Kirchgemeinde weiter eine Anpassung der Gemeindeordnung. 2015 wurde ein Antrag auf Änderung des Initiativrechts von der Versammlung für erheblich erklärt. Walter Studer verlangte nach dem aktuellen Stand. Thomas Leuch sagte, man warte derzeit noch auf Antwort von kantonaler Stelle.

Nicht im «Kriegszustand» mit den Katholiken

Auch über das Verhältnis zur Katholischen Kirchgemeinde wollte Studer Auskunft. Die damalige Präsidentin Susanne Dschulnigg hätte sich ja in den Medien dazu geäussert. Die Angesprochene ergriff gleich selber das Wort. Im Wissen darum, dass sie ihr Amt abgebe, habe sie gesagt, dass eine weitere Zusammenarbeit mit ihr als Präsidentin nicht mehr funktioniert hätte, aus bekannten Gründen. Der neue Präsident Thomas Leuch hingegen sieht die beiden Kirchen überhaupt nicht im «Kriegszustand». «Wir arbeiten mit den Katholiken gut zusammen, wo es möglich ist.»

Zuletzt wurden auch die Lärmklagen gegen den nächtlichen Glockenklang zum Thema gemacht. Leuch informierte, dass Ende Juni ein Treffen zwischen der Bauverwaltung und den beiden Kirchgemeinden stattfinde. Dort werde das weitere Vorgehen geplant. Arnold Baumann verwies energisch darauf, dass die Versammlung vor nicht allzu langer Zeit entschieden habe, die Glocken weiter läuten zu lassen. Alles andere bedürfe einer erneuten Abstimmung.

Urs Brüschweiler

urs.brueschweiler@thurgauerzeitung.ch

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