KREUZLINGEN: Strassenbau-Turbo ist verpufft

Die «Spange Bätershausen» ist nur noch auf Papier ein eigenes Projekt. Die ein Kilometer lange Strasse wird mit der Oberlandstrasse geplant – und auch gebaut.

Urs Brüschweiler
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KREUZLINGEN. Es klingt heute deutlich anders als noch vor eineinhalb Jahren, wenn Planer und Politiker über die «Spange Bätershausen» sprechen. Es geht um 1050 Meter neue Kantonsstrasse zwischen dem Kreisel beim Autobahnanschluss Kreuzlingen-Süd und dem Weiler Bätershausen. Es bildet den natürlichen Anfang der Oberlandstrasse, die Kreuzlingen einst südlich umfahren und nach Oberaach führen soll. In der Stadt legte man aber stets Wert darauf, dass es sich um ein eigenständiges Projekt handelt. «Die Spange ist ein Muss für die Stadt», hatte Stadtammann Andreas Netzle 2012 gesagt. «Sie ist unabhängig von der OLS und soll früher realisiert werden als diese.» Ende 2014 hielt man einen Spatenstich im Jahr 2017 für möglich.

Zeithorizont dehnt sich deutlich nach hinten

«Vor 2024 wird kein Bagger auffahren», sagt heute der stellvertretende Kantonsingenieur Andreas Schuster. Die Aussage bezieht sich zwar auf die BTS und die OLS, gilt aber nach aktuellen Entwicklungen nun auch für die Spange Bätershausen. Im Sommer gab der Regierungsrat ein Vorprojekt der Oberlandstrasse in Auftrag, inklusive Umweltverträglichkeitsprüfung. Mitte 2018 soll dieses fertig sein. Darin inbegriffen ist nun eben auch die Planung der «Spange Bätershausen». «Wir müssen die Planungen vorantreiben», sagt Schuster. Und es hat sich angeboten, dass man die Oberlandstrasse und die Spange Bätershausen aus einem Guss plant.» Es blieben organisatorisch aber zwei unabhängige Vorhaben bei Finanzierung und späterer Realisierung, ergänzt der stellvertretende Amtsleiter des kantonalen Tiefbauamts.

Für den Kreuzlinger Stadtrat Ernst Zülle ist hingegen heute schon ziemlich klar, dass nicht nur die Planung, sondern auch der Bau der «Spange Bätershausen» im gleichen Zug wie die Oberlandstrasse erfolgen wird. «Ohne die OLS ist die entlastende Wirkung der <Spange Bätershausen> für Kreuzlingen zu bescheiden und unverhältnismässig in Anbetracht der hohen Kosten.» Deshalb sei es gescheit, neben der Planung auch die Realisierung der beiden Projekte miteinander anzugehen. Die Stadt Kreuzlingen begrüsse diese Zusammenlegung, sagt Zülle. Wert lege man jedoch darauf, dass beim Bau dann aber in Kreuzlingen angefangen werde, und nicht in Oberaach.

Sinneswandel in der Stadt Kreuzlingen

Dass sich bezüglich der Spange in der Stadt Kreuzlingen ein Sinneswandel vollzogen hat, bestreitet Ernst Zülle nicht. Dieser habe verschiedene Gründe. Einer sei sicher der grosse Widerstand von Seiten der Strassenbau-Gegner. Ein klares Zeichen, dass mindestens ein Gang zurückgeschaltet wurde: Im neuen Kreuzlinger Finanzplan, der bis 2020 reicht, sind keine Investitionen für die Spange Bätershausen mehr vorgesehen. Gemäss Zülle sei es noch ein weiter Weg und ein harter Kampf bis zum Baubeginn. Es gehe noch um die Klärung zusätzlicher Umfahrungen von Bätershausen und Siegershausen. Beide Dörfer hätten durch die Spange Mehrverkehr zu erdulden. Der politische Partizipations-Prozess steht hier noch aus, beide Strassenstücke sind auch noch nicht definitiv im kantonalen Richtplan festgeschrieben. Dazu komme, dass die Spange Bätershausen teurer werde, je naturnaher sie gebaut werden soll. Dass die aktuellen Kostenschätzungen noch stark variieren sei deshalb klar, sagt Zülle. Rund fünf Millionen Franken könnte sie gemäss kantonalem Tiefbauamt kosten. Klar ist aber, dass sich die Stadt Kreuzlingen massgeblich daran zu beteiligen habe und dafür eine Volksabstimmung nötig sein wird.