KREUZLINGEN: So ticken die sechs Kandidierenden für das Stadtpräsidium

Die sechs Bewerber für das Stadtpräsidium haben einen Fragenkatalog ausgefüllt, aufgrund dessen ein Profil erstellt wurde. Es zeigt, wo sie in der politischen Landschaft stehen. Ein paar Überraschungen sind mit dabei.

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David Blatter (Bild: Nana do Carmo)

David Blatter (Bild: Nana do Carmo)

Vom linken bis zum rechten Rand ist ein breites Parteienspektrum im Rennen um das Stadtpräsidium vertreten. Die Parteizugehörigkeit macht es dem Wähler einfacher, Personen einzuordnen. Doch politisieren die Kreuzlinger wirklich auf der Linie der Mutterpartei? Und was ist mit den parteilosen Kandidaten? Die TZ wollte es genauer wissen und hat bei Smartvote so genannte Smartspider in Auftrag gegeben. Sie sind ein bewährtes Mittel, um politische Profile aufzuzeigen. Die Kandidaten haben dazu knapp 30 Fragen zu Themen der Bundespolitik beantwortet. Dabei ging es beispielsweise um die Erhöhung des Rentenalters, die Legalisierung von Cannabis oder den Beitritt zur EU. Aufgrund der Antworten konnten die untenstehenden Profile erstellt werden. Je weiter aussen die Position in einem Themenbereich liegt, desto stärker ist die politische Zustimmung dazu. Projektleiter Michael Erne von Smartvote fasst das Resultat zusammen: «Die Kandidierenden der Parteien sind politisch mehrheitlich dort, wo man sie erwarten würde.» Thomas Niederberger sei parteipolitisch ziemlich schwierig einzuordnen. Am ehesten würde er gemäss Erne noch zur BDP passen. Jörg Stehrenbergers Profil kommt jenem der glp am nächsten. (meg)

www.parteienkompass.ch


David Blatter (Bild: Nana do Carmo)

David Blatter (Bild: Nana do Carmo)

David Blatter (SVP)
David Blatter liegt mit seinen ­Antworten zur Migrations- und Aussenpolitik ganz auf der SVP-Parteilinie und klar weiter rechts als die anderen Kandidaten. So befürwortet er etwa mehr Grenzkontrollen. In Sachen Ausbau des Sozialstaates und Umweltschutz vertritt er gemäss Smartspider etwas weniger pointierte Positionen als erwartet. Aber die anderen fünf sind alle «grüner» als Blatter. Als einziger Kandidat würde er den Bau eines neuen Atomkraftwerkes eher befürworten. Im Feld der sechs ist er derjenige, der am wenigsten aussenpolitische Öffnung will. Gesellschaftspolitisch ist er für einen SVP-ler eher liberal. (meg)

David Blatter (Bild: Quelle: Smartfoto)

David Blatter (Bild: Quelle: Smartfoto)


Thomas Niederberger (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Thomas Niederberger (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Thomas Niederberger (parteilos)
Der parteilose Thomas Niederberger, der mit der CVP und FDP sympathisiert, verfügt über ein interessantes Profil. Seine Smartspider kommt jener der BDP am nächsten, weist im Bereich Law & Order aber einen starken Ausschlag nach rechts auf. Er befürwortet Videoüberwachung und ist für harte Strafen bei Vandalenakten. Hingegen ist er bei der Migrationspolitik weniger restriktiv als andere bürgerliche Politiker. Niederberger würde Ausländern sogar ein Stimm- und Wahlrecht zusprechen. Das befürworten sonst nur Edith Wohlfender und Jörg Stehrenberger. Als einziger der sechs ist Niederberger gegen die Homo-Ehe. (meg)

Thomas Niederberger (Bild: Quelle: Smartfoto)

Thomas Niederberger (Bild: Quelle: Smartfoto)

Alexander Salzmann (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Alexander Salzmann (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Alexander Salzmann (FDP)
Für einen Kandidaten der FDP ist Alexander Salzmann gemäss Smartvote-Analyse relativ konservativ. Das betrifft insbesondere Fragen der Gesellschafts- und der Aussenpolitik. Salzmann ist eher gegen die Cannabis-Legalisierung, für mehr Videoüberwachung und tendenziell auch für stärker kontrollierte Grenzen. Auffällig ist sein Umweltbewusstsein. Er ist zum Beispiel dafür, dass der Staat umweltschädliche Treibstoffe verteuert. Ebenfalls spannend: der FDP-ler ist kein finanzpolitischer Hardliner, wie viele vielleicht gedacht hätten. Die Frage, ob Firmen weniger Steuern zahlen sollten, beantwortet er mit «eher nein». (meg)

Alexander Salzmann (Bild: Quelle: Smartfoto)

Alexander Salzmann (Bild: Quelle: Smartfoto)

Jörg Stehrenberger (Bild: pd)

Jörg Stehrenberger (Bild: pd)

Jörg Stehrenberger (parteilos)
Gemäss seinem Profil wäre Jörg Stehrenberger ein fast perfekter Vertreter der Grünliberalen. Er steht voll hinter den Umweltschutz-Themen und begrüsst eine liberale Wirtschaftspolitik. Aus­senpolitisch ist der Parteilose aber offener als die glp. Stehrenberger ist zum Beispiel für einen EU-Beitritt. Besonders augenfällig ist jedoch der Nullausschlag in der Kategorie Ausbau des Sozialstaates. Das sei für einen Kandidaten für die Exekutive höchst ungewöhnlich, sagt Michael Erne von Smartvote. Stehrenberger ist gegen einen Mindestlohn, den Ausbau der Sozialhilfe und eine Anpassung der Krankenkassenprämien ans Einkommen. (meg)

Jörg Stehrenberger (Bild: Quelle: Smartfoto)

Jörg Stehrenberger (Bild: Quelle: Smartfoto)

Edith Wohlfender. (Bild: Urs Bucher)

Edith Wohlfender. (Bild: Urs Bucher)

Edith Wohlfender (SP)
Das Profil von Edith Wohlfender ist fast deckungsgleich mit jenem der SP Schweiz. Das sei insofern interessant, als dass Kandidaten für ein Exekutivamt meist etwas stärker «eingemittet» seien, heisst es in der Analyse von Smartvote. Im Fragekatalog präsentieren sich bei der SP-Frau keine Überraschungen. Sie ist klar die am weitesten links einzuordnende Kandidatin im Feld. Als einzige der Bewerber würde sie eine Geschlechterquote in grösseren Firmen befürworten. Sie ist neben Thomas Niederberger zudem die einzige Kandidatin, die in der Schweiz geborenen Ausländern automatisch den Schweizer Pass zugestehen würde. (meg)

Edith Wohlfender (Bild: Quelle: Smartfoto)

Edith Wohlfender (Bild: Quelle: Smartfoto)

Ernst Zülle (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Ernst Zülle (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Ernst Zülle (CVP)
Was viele schon vermutet haben, zeigt sich jetzt schwarz auf weiss: Ernst Zülle steht für einen CVP-Politiker ziemlich weit links. Insbesondere bei den Themen Sozialpolitik und Umweltschutz weicht er stark von der Parteilinie ab. Hier zeigt sich der Gewerkschaftshintergrund: Zülle ist beispielsweise gegen eine Erhöhung des Rentenalters, gegen ein li­beraleres Ladenöffnungsgesetz oder eher für eine höhere Besteuerung der Reichen. Ein kleiner Widerspruch zeigt sich aber in seinem Profil: der Syna-Mann ist eher gegen die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes von 4000 Franken für alle Arbeitnehmer. (meg)

Ernst Zülle (Bild: Quelle: Smartfoto)

Ernst Zülle (Bild: Quelle: Smartfoto)