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KREUZLINGEN: Sie schlossen Mirka ins Herz

Die Ehefrau des weltbesten Tennisspielers lebte in Kreuzlingen und parierte auf den dortigen Plätzen die Bälle ihrer Trainingspartner und Gegnerinnen. Kreuzlinger erinnern sich, wie die Tenniskarriere von Mirka Federer begann.
Inge Staub
Mirka Federer mit den Töchtern Myla und Charlene 2015 an den Australian Open in Melbourne. (Bild: ky/David Crosling)

Mirka Federer mit den Töchtern Myla und Charlene 2015 an den Australian Open in Melbourne. (Bild: ky/David Crosling)

KREUZLINGEN. Eigentlich müsste die Burgstrasse in Kreuzlingen in Mirka-Federer-Strasse umbenannt werden. Denn in einem der dortigen Wohnblocks wuchs die Tennisspielerin und Ehefrau von Roger Federer auf. Bis 2002 war Mirka Federer eine der Tennis-Hoffnungen der Schweiz. Miroslava Vavrinec hiess sie damals. Wegen einer Fussverletzung musste die 38-Jährige vor vierzehn Jahren ihre Profi-Karriere aufgeben. Seitdem ist ihr Platz auf den Zuschauertribünen von Melbourne oder Paris.

Als Kleinkind nach Kreuzlingen

Am 1. April 1978 in Bojnice in der Slowakei geboren, kam sie im Alter von zwei Jahren mit ihren Eltern nach Kreuzlingen. Mit neun Jahren begann sie, Tennis zu spielen. Ihr Vater Miro, ein Goldschmied, soll der Starspielerin Martina Navratilova goldene Ohrringe geschenkt haben. Zum Dank soll sie ein Testtraining für seine Tochter organisiert haben. Dies berichten verschiedene Zeitungen. Mirka Federer selbst äussert sich nicht mehr gegenüber den Medien, auch ihr Umfeld winkt ab. Selbst einstige Trainingspartner schweigen.

Doch einer erinnert sich gern: Christian Lohr. Der Kreuzlinger CVP-Nationalrat war in den 80er-Jahren Sportjournalist. Lohr bescheinigt Mirka Federer "grosses Talent". Er ist stolz darauf, dass er miterleben durfte, wie sich die Sportlerin von der regionalen zur nationalen und internalen Ebene weiterentwickelte. "Sie war eine sympathische Sportlerin, die wusste, was sie will."

Der Start ihrer Karriere fällt in eine Zeit, in der Tennis boomte. 1984 wurden in Kreuzlingen der TC Hörnli und der TC Seeburg gegründet. Der TC Kreuzlingen hatte eine endlos lange Warteliste, die Halle war ständig überbelegt. Miroslava Vavrinec trainierte anfangs in Konstanz. Highlight des damaligen Tennisfiebers war die Austragung der Nationalen Tennismeisterschaften im August 1994 auf dem Tennisplatz Hörnli. "Das war wahnsinnig, das erleben zu dürfen", sagt Lohr, der damals Medienverantwortlicher war.

An diesem Turnier spielte Miroslava Vavrinec im Halbfinal gegen Martina Hingis. Christian Lohr schrieb: "Was die beiden jungen Damen 63 Minuten lang vor vollbesetzten Tribünen zeigten, war attraktivstes Frauentennis, mit viel Power und doch technisch begeisternden Ballwechseln." Die 16jährige Kreuzlingerin sagte: "Im ersten Satz ist es mir gelungen, Martina doch sehr stark unter Druck zu setzen." Obwohl sie gegen Hingis verlor, waren die Journalisten voll des Lobes über ihr Talent. "Den langanhaltenden Applaus zum Schluss hatte sie wirklich verdient. Das Kreuzlinger Publikum hatte Mirka endlich in sein Herz geschlossen", schrieb Lohr. In der TZ war zu lesen: "Im Halbfinal zeigte Vavrinec neben Hingis trotz der 4:6, 4:6-Niederlage eine kämpferisch wie spielerisch hervorragende Leistung, die zu den Höhepunkten der Titelkämpfe in Kreuzlingen zählte."

Immerhin hatte sich für Mirka Vavrinec in Kreuzlingen erstmals der Traum eines Meistertitels erfüllt. Die 16-Jährige gewann den Final im Doppel mit Géraldine Dondit gegen Carmela Burri und Nadine Kenzelmann.

"Eine angenehme Person"

Auch Bruno Hertzog kann sich noch gut an Mirka Vavrinec erinnern. Er war 1994 Präsident des TC Hörnli und OK-Präsident der nationalen Austragung. "Das war schon ein ganz besonderes Ereignis, ein unvergesslicher Anlass." Hertzog, der sich im nationalen Verband engagierte, holte die Meisterschaft an den Bodensee. Er erlebte die Kreuzlinger Tennisspielerin als "sehr bescheiden und als angenehme Person". Sie sei eine Sportlerin, die nicht nur gut gespielt habe, sondern auch einen guten Charakter auf dem Platz gezeigt habe und fair mit ihren Gegnerinnen umgegangen sei.

Bis zu jenem Sommer war das grossgewachsene Mädchen mit den druckvollen Schlägen nur Insidern bekannt. Sie brauchte deshalb Unterstützer. Die Eltern fanden in Walter Ruf, Inhaber der Rüstungsfirma Mowag, einen Sponsor. Der Kreuzlinger Fotograf Mario Gaccioli unterstützte das junge Talent, indem er Fotos zur Verfügung stellte. "Ich war oft in der Burgstrasse, um der Familie meine Bilder zu bringen", erzählt Gaccioli. Die Postkarten, die ihm Mirka Vavrinec von internationalen Turnieren schickte, hat er bis heute aufbewahrt.

Die Kreuzlingerin konnte in ihrer etwa vierjährigen Profi-Karriere keinen Titel gewinnen. Ihre beste Position im WTA-Tour-Ranking war Platz 76, das beste Resultat bei einem Grand Slam Turnier das Erreichen der dritten Runde bei den US Open 2001. Sie gewann 40 von ihren 99 Profi-Spielen. Im Jahr 2000 gehörte sie mit Patty Schnyder und Emmanuelle Gagliardi dem Schweizer Olympia-Team an.

"Es ist unglaublich hier, sehr gut organisiert", schildert sie in der TZ die Atmosphäre in Sydney. Vavrinec' Auftritt dauerte nur 40 Minuten. Mit 1:6, 1:6 unterlag die 22-Jährige der Russin Jelena Dementjewa. Roger Federer siegte zur gleichen Zeit auf einem Nebenplatz gegen den Deutschen David Prinosil.

Trotz ihres Ausscheidens hat sich die Teilnahme an den Olympischen Spielen gelohnt. Am Rande der Turniers kamen sich sie und Roger Federer näher. Achteinhalb Jahre später läuteten die Hochzeitsglocken. Im April 2009 gaben sich die beiden unbemerkt von der Öffentlichkeit das Ja-Wort. Bekannt wurde das Ereignis, weil Roger Federer auf seiner Homepage mitteilte: "Liebe Fans, Mirka und ich haben heute im Kreis unserer Familie und engsten Freunde in meiner Heimatstadt Basel geheiratet. Es war ein unglaublich schönes Erlebnis an diesem herrlichen Frühlingstag. Herr und Frau Federer wünschen euch allen ein frohes Osterfest!"

Mirka und der 17fache Grand-Slam-Sieger sind seit Juli 2009 Eltern der Zwillingstöchter Charlene Riva und Myla Rose. Im Mai 2014 wurden ihre Zwillingssöhne Leo und Lennart geboren. Die Familie lebt in Wollerau und Valbella. In einem Interview sagte Federer: "Mirka ist die wichtigste Person in meinem Leben, natürlich neben meinen Eltern."

Das Ehepaar Federer 2006 auf dem roten Teppich an den Laureus World Sports Awards in Barcelona. (Bild: ky/Jasper Juinen)

Das Ehepaar Federer 2006 auf dem roten Teppich an den Laureus World Sports Awards in Barcelona. (Bild: ky/Jasper Juinen)

Schweizer Meisterschaft 1994 in Kreuzlingen: Mirka Vavrinec spielt (gegen Martina Hingis). (Archivbild: Mario Gaccioli)

Schweizer Meisterschaft 1994 in Kreuzlingen: Mirka Vavrinec spielt (gegen Martina Hingis). (Archivbild: Mario Gaccioli)

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