Kreuzlingen schwelgt in Nostalgie

Eine Kreuzlinger Welle schwappt seit Samstag durch das soziale Netzwerk Facebook. Die Gruppe «Du bisch vo Chrüzlinge, wenn…» hatte gestern bereits über 2000 Mitglieder erreicht.

Urs Brüschweiler
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Vergangene Zeiten: Am Löwenplatz gab es noch ein Lichtsignal und das Warenhaus hiess noch EPA. (Bild: Screenshot Facebook)

Vergangene Zeiten: Am Löwenplatz gab es noch ein Lichtsignal und das Warenhaus hiess noch EPA. (Bild: Screenshot Facebook)

Eine Kreuzlinger Welle schwappt seit Samstag durch das soziale Netzwerk Facebook. Die Gruppe «Du bisch vo Chrüzlinge, wenn…» hatte gestern bereits über 2000 Mitglieder erreicht. Mit selten gesehener Begeisterung teilen sie alle ihre Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend in Kreuzlingen und ihre Erlebnisse, die sie mit der Stadt verbinden. In Hunderten, wenn nicht Tausenden Einträgen melden sich Kreuzlingerinnen und Kreuzlinger von Jung bis Alt zu Wort und beschreiben, welche Orte, Anlässe oder Personen sie einst geprägt und begeistert hatten. Sie berichten enthusiastisch von besonderen Lehrern oder Schulhäusern, in welchen Bäckereien es welche Spezialitäten gab, sprechen über Junioren-Fussballteams oder erzählen, in welchen Discos oder Beizen sie einst verkehrten. Die Gründerin der Gruppe forderte am Samstag dazu auf, zu teilen, was einen Kreuzlinger ausmacht. Gestern gab sie der Gruppe ihrer Überraschung über den enormen Zulauf Ausdruck. Sie hätte nie damit gerechnet, dass so viele mitmachen, schreibt sie und bedankt sich herzlich. «Es macht aifach Freud.»

Als Gesamtwerk betrachtet, hat die Facebook-Gruppe schon bald das Potenzial zum Stadtarchiv oder zum Kreuzlinger Online-Museum. Im Internet wird gerade das gemeinsame Gedächtnis einer Stadt offenbart, mit welcher sich ihre Bewohner ganz offensichtlich stark identifizieren. Natürlich sind die Einträge alle völlig ungeordnet und wild durcheinander.

Ein wenig Ordnung in das Chaos zu bringen, ist anhand der schieren Menge an Postings fast unmöglich. Deshalb seien hier stellvertretend fünf Themenbereiche genannt, zu welchen bei den Kreuzlingern noch besonders viele positive Erinnerungen vorhanden sind:

• Die EPA. Das einstige Warenhaus wurde 1972 gebaut und 2005 geschlossen. In dieser Zeit freuten sich viele Kinder über das Wursträdli, dass sie in der Metzgerei erhielten, ältere rauchten hier ihre erste Zigarette, und die ganz Schlimmen klauten offenbar wie die Raben.

• Während sich die Verliebten auf der Schätzliwiese im Freibad Hörnli oder in der Eis-Disco in der Eishalle tummelten, trafen sich auf dem Kifferhügel im Seeburgpark die… nun ja, anderen.

• An Spielkästen im Seepark, im Restaurant Puck in der Eishalle, im Lucky-Play oder sonstwo in der Stadt verbrachten die Jungen ganze Nachmittage.

• Lokale, die es längst nicht mehr gibt, vermissen die Kreuzlinger besonders. Beliebt waren zum Beispiel das Green Apple, das London Pub oder die Villa Wahnsinn. Auch die Parties im Löwensaal sind unvergessen.

• Unternehmen prägen die Stadt. Sei es der Duft aus der Schoggi Bernrain oder die Skischuh-Fabrik Raichle. Dort war scheinbar die halbe Stadt angestellt.

Bild: Urs Brüschweiler

Bild: Urs Brüschweiler

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