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KREUZLINGEN: Rachmaninow passt an den See

Die Gesellschaft für Musik und Literatur feiert ihr hundertjähriges Bestehen. Im Gegensatz zu früher kann sie weniger Stars engagieren. Das Programm ist über die Jahre jedoch vielfältiger geworden.
Nicole D’orazio

Nicole D’Orazio

nicole.dorazio@thurgauerzeitung.ch

Die Gesellschaft für Musik und Literatur Kreuzlingen (GML) feiert ihren 100. Geburtstag. Morgen Donnerstag findet der Festakt und anschliessend das Jubiläumskonzert im Dreispitz mit der Violonistin Soyoung Yoon und der Südwestdeutschen Philharmonie statt. Präsident Jörg Engeli blickt auf die Geschichte der GML zurück.

Herr Engeli, warum hat sich die GML bei der Besetzung des Jubiläumskonzerts für Yoon und die Südwestdeutsche Philharmonie entschieden? Warum nicht für einheimische Künstler?

Engeli: Es war zuerst ein spezielles Projekt vorgesehen mit Musikern der Region inklusive Konstanz, das leider nicht zu Stande kam. Die Südwestdeutsche Philharmonie bot uns dann dieses Konzert mit der Geigerin Soyoung Yoon zu günstigen Bedingungen an. Sie spielen es nur zweimal: in Fribourg und in Kreuzlingen. Also exklusiv für uns. Wir sind sehr glücklich darüber. Die Zusammenarbeit mit diesem ausgezeichneten überregionalen Orchester wollen wir sowieso zur Regel machen. Ist doch das Orchester unter Mithilfe der GML Anfang der 1930er Jahre entstanden. Konstanz gehört zu unserer Region.

Was bedeutet Ihnen dieses Jubiläumskonzert?

Engeli: Es ist ein weiterer Höhepunkt unserer Bemühungen um hochrangige Konzerte. Russische Musik – von Tschaikowsky und Rachmaninow– ist ausserdem ein Thema am diesjährigen Bodenseefestival. Es passt also gut in unsere Konzertreihe.

Sie sind seit 2003 Präsident der GML. Was hat sich in diesen Jahren verändert? Zum Beispiel die Anzahl Zuschauer oder das Programm.

Engeli: Wir konnten unsere Veranstaltungen erweitern mit «Lesungen und Musik» im Museum Rosenegg, «Literatur in den Häusern», Konzerten mit angehenden Musikern (Preisträgerkonzerte) und grösseren Symphoniekonzerten dank des Dreispitzsaals. Wir sind in unseren Programmen vielseitiger geworden. Die Anzahl der Zuhörer schwankt von mässig bis sehr gut. Das Publikum wird älter. Es braucht grosse Anstrengungen, die Jugend herbeizuholen.

Wer stellt jeweils das Programm zusammen? Und wie sucht man die Künstler aus?

Engeli: Wir haben zur Zeit einen siebenköpfigen Vorstand, der die zahlreich eingehenden Bewerbungen durchgeht. Meistens stelle ich als Präsident ein Jahresprogramm zur Diskussion zusammen, das dann noch mehrmals modifiziert wird. Wir achten auf grösstmögliche Abwechslung im klassischen Musikbereich. Bei der Wahl spielen Angebote aus der Region eine grosse Rolle.

Gibt es ein Konzert in der 100-jährigen Geschichte, das Sie gerne erlebt hätten?

Engeli: Zwei Klavierabende. Clara Haskil am 10. Dezember 1953 und Dinu Lipatti am 4. Dezember 1947. Das sind zwei Pianisten höchsten Ranges, die hier im kleinen Kreuzligen auftraten – ein Verdienst des damaligen initiativen Präsidenten Edwin Witzig.

Was war bisher für Sie der Höhepunkt der GML-Events?

Engeli: Als junger Seminarist hörte ich das Konzert vom 21. Januar 1958 mit dem herausragenden Vegh-Quartett, das mir immer in bester Erinnerung bleiben wird. Es war wohl der Anstoss, weiterhin die Konzerte der GML zu besuchen, und später dann auch Verantwortung bei der Gestaltung der Programme zu übernehmen.

Wie hat sich die GML in den 100 Jahren verändert?

Engeli: Wir können heute nicht mehr wie in früheren Zeiten mit weltbekannten Stars unsere Konzerte bestreiten. Ausnahmen gibt es wie zum Beispiel beim Jubiläumskonzert. Das Publikum hat sich geändert. Es gibt in den Kulturzentren der Ostschweiz viele Möglichkeiten, die gut erreichbar sind. Auch müssen wir uns neben Konstanz behaupten. Interessante, vielfältige Programme können uns eine wohlgesinnte Zuhörerschaft erhalten.

Wohin will man in Zukunft mit der GML? Bleibt alles beim Alten?

Engeli: Wenn es nach unserem Willen geht, wollen wir keine grossen Veränderungen im Angebot herbeiführen. Die klassische Musik soll unsere Domäne bleiben. Es muss aber Bestrebungen geben, die vermehrt die Jugend ansprechen soll.

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