KREUZLINGEN: Pilotprojekt weckt Skepsis

Am 12. Februar entscheiden die Stimmbürger über den Kredit für die Sanierung und Neugestaltung der Romanshornerstrasse. Für die einen ist es das Gelbe vom Ei, für die anderen eine schlechte Lösung.

Martina Eggenberger
Drucken
Teilen

Martina Eggenberger

martina.eggenberger

@thurgauerzeitung.ch

Alexander Salzmann und Ernst Zülle kamen auch zum Schluss des Abends auf keinen gemeinsamen Nenner. Für den FDP-Vertreter ist die neue Romanshor–nerstrasse ein gefährlicher Versuch, der das Verkehrsproblem verschärft. Der Bau-Stadtrat hingegen spricht von einer modernen Lösung, die für alle Verkehrsteilnehmer gut ist.

Die Abstimmungsvorlage zur Neukonzipierung des Strassenstücks vom Blau-Haus-Kreisel bis über den Kurzrickenbacher Dorfkern hinaus polarisiert. Das ist kein Wunder, denn sie weist bekanntlich gleich mehrere Spezialitäten auf. Zum Beispiel die mit 6,30 Metern vergleichsweise schmale Fahrbahn, die für Bruno Rieser, SVP, ein Killerkriterium darstellt. «Es ist schlicht unmöglich, dass sich da zwei Lastwagen kreuzen.» Auch dass der Bus neu auf der Fahrbahn halten soll, ist dem Gemeinderat ein Dorn im Auge. «Das gibt Rückstau.» Das Argument der zu schmalen Fahrbahn wollten Stadtrat Zülle und Benedikt Eberle, stellvertretender Kantonsingenieur, nicht gelten lassen. «Wir haben einen Begegnungsspielraum und einen Sicherheitszuschlag einberechnet. Langsames Kreuzen von zwei LKW ist ohne Probleme möglich», sagte Eberle. Und Zülle bat: «Hört doch auf mit der Angstmacherei.» Dass sich der Verkehr hinter den Fahrbahn-Haltestellen leicht staut, sei durchaus gewollt. So würden sinnvolle Lücken entstehen, die das Einlenken und Abbiegen erleichtern.

Bedenken gibt es bei den Projektgegnern auch wegen der Sicherheit für die Velofahrer, die neu ohne Radstreifen auskommen müssen. Ein im Saal anwesender Vertreter von «Pro Velo» räumte diese aber aus dem Weg. Der vorgeschlagene Mischverkehr sei die beste verbleibende Lösung. Man werde sich an die neue Situation gewöhnen.

Verkehr verlagert sich auf die Seetalstrasse

Alexander Salzmann kritisierte noch, die Pläne für die Romanshornerstrasse seien nicht in ein Gesamtkonzept eingebettet. «Das funktioniert nur zusammen mit der Südumfahrung.» Mit dem neuen «Nadelöhr» gebe es eine Verkehrsverlagerung auf die Seetalstrasse. Ernst Zülle bestätigte, dass man damit rechne, dass zehn Prozent auf die untere Route ausweichen würden, weil man auf der oberen elf Sekunden länger als bisher unterwegs sei. Ein wichtiges Kriterium für den Stadtrat ist, dass der Dorfkern mit der Umgestaltung aufgewertet wird. Dem stimmte auch Kontrahent Salzmann zu. «Das ist aber auch das einzig Positive. Ansonsten bekommen wir einen Minderwert für mehr Geld. Dass wir dabei Bundesgelder abholen, ist irrelevant.»