KREUZLINGEN: Parkplätze garantieren Millionengewinn

So viel wie nie zuvor hat die Stadt mit Parkgebühren und Bussen letztes Jahr verdient. Der Löwenanteil landet auf einem zweckgebundenen Spezialkonto.

Martina Eggenberger Lenz
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Wenigstens einen positiven Nebeneffekt hat der Einkaufstourismus für die geplagten Kreuzlinger: Sie machen mit der Bewirtschaftung der Parkplätze richtig Kasse. Letztes Jahr hat die Stadt rund 2 Millionen Franken Parkgebühren eingenommen. Das ist noch einmal deutlich mehr als im Vorjahr (plus 10 Prozent), als sich das neue Regime mit der Gebührenpflicht vor den Zollanlagen erstmals in der Rechnung niederschlug. Stadtrat Thomas Beringer schreibt den erneuten Anstieg der eingenommenen Parkgebühren vollumfänglich dem Einkaufstourismus zu. Die Parkplätze am See seien noch besser ausgelastet gewesen. Seit man überall in Grenznähe für den Parkplatz bezahlen müsse und die Parkzeit beschränkt wurde, habe sich die Situation für die Anwohner entspannt. Gleichzeitig generiert die Stadt mit der Streichung der Blauen Zone natürlich zusätzliche Einnahmen.

Einkaufstouristen halten Parkzeit nicht ein

Doch nicht nur die Parkgebühren an sich sind eine zuverlässige Einnahmequelle. Das Gleiche gilt für die Bussen. 2016 wurden erstmals mehr als 20000 Strafzettel unter die Scheibenwischer geklemmt. Das entspricht gemäss Jahresbericht der Stadt einem Plus von 8,4 Prozent. Vom Fehlverhalten der Parksünder profitiert die Stadtrechnung: 824 000 Franken flossen auf diesem Weg in die Kasse. Stadtrat Behringer betont, es seien nicht mehr Kontrollen durchgeführt worden als in den Vorjahren und man habe auch nicht mehr Personal eingestellt. Es gebe halt aber viele Einkaufstouristen, welche ihre gelöste Parkzeit überschreiten würden.

Während die Bussgelder sich direkt positiv auf die Erfolgsrechnung der Stadt auswirken, landen die Einnahmen aus der Parkplatzbewirtschaftung in Kreuzlingen auf einem Sonderkonto, in einer so genannten Spezialfinanzierung. Gemäss dem Parkierungsreglement der Stadt dienen die Gebühren in erster Linie der Deckung der Kosten der Parkplatzbewirtschaftung und dem Unterhalt der Parkierungsanlagen. Überschüsse werden für den Bau der öffentlichen Parkierungsanlagen für den motorisierten und nicht motorisierten Verkehr verwendet. Ende Jahr lagen auf dem Konto stolze 12,8 Millionen Franken. Mit dem Geld sollen die anstehenden Parkhausprojekte Stadthaus, Hafenbahnhof und Seestrasse finanziert werden.

Machbarkeitsstudie für Parkhaus am Bahnhof

Beringer wiederholt, dass man immer noch prüfe, ob der Bau des Parkhauses am Hafenbahnhof jenem unter dem Bärenplatz zeitlich vorgezogen werden könnte. Falls das gelingen sollte, müsste man während des Baus des Stadthaus-Parkhauses kein Provisorium erstellen (unsere Zeitung berichtete). Im Moment werde eine Machbarkeitsstudie erstellt, die darlegen soll, ob am Hafenbahnhof eine Doppelnutzung der vermieteten Parkplätze und des Stadtbusdepots möglich wäre. Tagsüber könnten dann die Nutzer der Pädagogischen Hochschule ihr Auto im Parkhaus abstellen, vom Abend bis zum frühen Morgen sollen die Busse den gleichen Platz belegen. Die Kreuzlinger Stadtbusse sind nach wie vor im Zecchinel-Zentrum in Tägerwilen eingemietet.

Der Stadtrat tönt an, dass es in nächster Zeit, «wenn der Boom anhält», eine nochmalige Erhöhung der Parkgebühren geben könnte. Das hängt aber auch damit zusammen, dass die Einnahmen mit der Einführung von Parkhäusern oder -plätzen mit Schrankensystem mehrwertsteuerpflichtig werden. Ein allfälliger Aufschlag sei allerdings nur bei den grenznahen Parkplätzen angedacht.

Martina Eggenberger Lenz

martina.eggenberger @thurgauerzeitung.ch