KREUZLINGEN: Niederberger auf halbem Weg zum Gipfel

Stadtschreiber Thomas Niederberger liegt bei der Stadtpräsidentenwahl klar vorne. Edith Wohlfender sichert sich Platz zwei, der Rest enttäuscht. Die Entscheidung fällt aber erst im Januar.

Urs Brüschweiler
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Thomas Niederberger nimmt im Rathaus die Glückwünsche entgegen. (Bild: Donato Caspari)

Thomas Niederberger nimmt im Rathaus die Glückwünsche entgegen. (Bild: Donato Caspari)

Urs Brüschweiler

urs.brueschweiler@thurgauerzeitung.ch

Als erstes holte er sich ein Küsschen von seiner Frau. Der Sieger des Wahltages heisst ganz klar Thomas Niederberger. Die vielen Gratulanten mussten gestern im Rathaus zeitweise Schlange ­stehen, nachdem Vize-Stadt­präsidentin Dorena Raggenbass pünktlich um 13 Uhr das Resultat des ersten Wahlgangs für das Kreuzlinger Stadtpräsidium bekannt gegeben hatte. «Ich bin hocherfreut. Es ist super», sagte der aktuelle Stadtschreiber von Kreuzlingen. Dass er so deutlich vorne liegen wird, davon sei er nicht ausgegangen. «Ich habe es enger erwartet.» Aber es zeige, dass er auf dem richtigen Weg sei. «Ich gehe nun voller Motivation in den zweiten Wahlgang.» Nach intensiven drei Monaten sei vorerst ein grosser Druck von ihm abgefallen. Bevor es nun weitergehe, werde man das Ergebnis aber noch ein wenig feiern.

500 Stimmen zum absoluten Mehr

Bis gestern gab es noch viele Spekulationen zum Wahlausgang. Einigermassen sicher war einzig, dass es zu einem zweiten Wahlgang kommen wird. Bei einer relativ hohen Wahlbeteiligung von knapp 47 Prozent fehlten Thomas Niederberger noch fast ­500 Stimmen zum absoluten Mehr. Die Entscheidung wird also erst am 21. Januar 2018 fallen.

Wer dann noch im Rennen mit dabei sein wird, war gestern noch nicht abschliessend klar. Sie werde sich nächste Woche mit der Partei zusammensetzen, sagte Edith Wohlfender. Dass die Vertreterin der SP auf Platz zwei kam, war nicht unbedingt erwartet worden. Sie zeigte sich denn auch sehr erfreut über ihr Resultat und bedankte sich bei den Wählern sowie ihrem Komitee und der Partei für die grosse Unterstützung.

Noch keine Erklärung parat

Ab Platz drei beginnt die Riege ­jener, die am Sonntag eine herbe Ernüchterung erleben mussten. Insbesondere dem ambitionierten FDP-Kandidaten Alexander Salzmann war die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. «Natürlich habe ich mir mehr erhofft.» Aber er sei seinen Wählern und Unterstützern sehr dankbar. Eine Erklärung, warum sein aufwendiger und auch intensiver Wahlkampf nicht wie gewünscht gefruchtet habe, hatte er nicht parat. Er müsse das zuerst analysieren. Die FDP, für welche die Rückkehr nach zehn Jahren in die Stadt­regierung wieder in weite Ferne gerückt ist, teilte am Sonntagnachmittag mit, dass man zeitnah über eine erneute Kandidatur für den zweiten Wahlgang entscheiden wolle.

Auch der amtierende Stadtrat Ernst Zülle von der CVP liegt klar hinter seinen Erwartungen zurück. Trotz der Enttäuschung sei er jedoch froh um das klare Verdikt. Ob er noch einmal antrete, werde er mit der Partei absprechen. Zu erwarten ist allerdings, dass er sich zurückziehen wird. Zülle betonte denn auch, er habe ein sehr gutes Verhältnis mit Thomas Niederberger und könne es sich gut vorstellen, mit ihm künftig im Stadtrat zusammenzuarbeiten. Als Ursachen für sein schlechtes Abschneiden vermutet der 57-jährige sein Alter und dass er stets mit der Gewerkschaft und mit der Linken assoziiert wurde.

Für David Blatter ist der Fall klar

Für SVP-Kandidat David Blatter ist das Rennen bereits definitiv zu Ende. Er sei froh über das klare Resultat. Das erleichtere ihm die Entscheidung. Er stehe aufgrund des Resultates nicht mehr für den zweiten Wahlgang zur Verfügung. Die SVP bleibt somit weiter ohne Vertretung im Stadtrat.

Aussenseiter Jörg Stehrenberger hatte wie erwartet keine realistische Chance. Zu mehr als einem Farbtupfer im Wahlkampf reichte es für ihn nicht.