KREUZLINGEN: Mit Blaulicht und starkem Motor

Urs Eberli ist der Kapitän der «TG 3», dem Patrouillenschiff der Seepolizei. Es hat schon einigen in Not geratenen Menschen geholfen und Schiffe geborgen.

Viola Stäheli
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Urs Eberli steht auf dem Patrouillenschiff der Seepolizei. Dieses ist immer einsatzbereit. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Urs Eberli steht auf dem Patrouillenschiff der Seepolizei. Dieses ist immer einsatzbereit. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Viola Stäheli

viola.staeheli@thurgauerzeitung.ch

Polizeischiff TG3 wird es genannt – nicht gerade originell. Aber dafür hat es umso mehr auf dem Kasten. Das Schiff ist nicht nur mit Radar, Blaulicht und einer Löschpumpe ausgestattet, sondern hat auch eine beachtliche Motorleistung. Und das alles ist auch notwendig: Die «TG3» ist das Patrouillenschiff der Seepolizei der Kantonspolizei Thurgau, deren Stützpunkt in Kreuzlingen liegt. An diesem Stützpunkt arbeiten zehn Seepolizisten. Sie alle sind ihrem Dienstchef Urs Eberli unterstellt.

«Seit 36 Jahren mache ich nun diesen Job», erzählt Eberli. Unzählige Schifffahrten hat er dabei schon unternommen – auch mit der «TG3». Mit dem Patroullienschiff werden Kontrollfahrten, aber auch Rettungs- und Bergungseinsätze durchgeführt. Letztere schätzt der Kreuzlinger mehr: «Die Momente, in denen ich jemandem helfen kann, der in Not geraten ist, zählen zu den schönsten in meinem Beruf.» In einer Notsituation zählt jede Minute. Deshalb ist nicht zuletzt eine gute Motorisierung des Patrouillenboots wichtig. «Das Schiff ist immer vollgetankt und das Inventar komplett», erklärt Eberli. Zur Ausrüstung gehört etwa ein Defibrillator und eine Sauerstoffmaske, aber auch Wärmedecken. Dazu kommt die persönliche Ausstattung, die in erster Linie aus der eigenen Rettungsweste besteht. «Es liegt im Ermessen des Polizisten, wann diese getragen wird», sagt Eberli. Erfolgte ein Rettungseinsatz, wird bei der Rückkehr in den Hafen die Ausrüstung überprüft und nötigenfalls erneuert. Urs Eberli ist nicht mehr allzu häufig auf dem See unterwegs. Als Chef hat er viele Büroarbeiten zu erledigen. Trotzdem achtet er darauf, hin und wieder auf das Patrouillenschiff zu kommen. «Es braucht die Übung, bei einem Einsatz muss alles reibungslos klappen», sagt er.

Von der Verkehrspolizei auf den Bodensee

Eberli ist in Gottlieben aufgewachsen. Seine Eltern besassen ein Segelboot, auf dem die Familie jede freie Minute verbrachte. So hielt sich Eberli oft am See auf und entwickelte eine Passion fürs Wasser. Nachdem er die Polizeischule absolviert hatte, arbeitete er als Verkehrspolizist. Eigentlich wollte er aber stets zur Seepolizei.

Als intern eine Stelle ausgeschrieben wurde, ergriff Eberli seine Chance. Nachdem er den Zugang zur Seepolizei gefunden hatte, begann er, zusätzlich als Polizeitaucher zu arbeiten. Damit ist mittlerweile aber Schluss: Eberli taucht nur noch in seiner Freizeit.

Zweifel an seiner Berufswahl hatte er nie. An einen Einsatz erinnert er sich noch deutlich – dort kam auch der Routinier an seine Grenzen. 1989 stürzte ein Flugzeug in den Bodensee. Eberli war bei der Bergung des Wracks mit elf Insassen als Taucher dabei. Den Gegenpol zu diesen traumatischen Erlebnissen bilden die Momente, in welchen die Seepolizei Dankbarkeit erfährt.

Eberli besitzt privat ein Segelboot – wenn er nicht arbeitet, verbringt er viel Zeit mit Segeln. Was schätzt er am meisten, wenn er mit einem Schiff in den See stechen kann? «Man muss sich an keine Strassen halten», sagt Eberli lachend. Beim Segeln könne man sich vom Wind treiben lassen und sich überraschen lassen, wo man landen werde.