KREUZLINGEN: Mehr als ein Trainer

Yannick Cavallin ist einer der drei Finalisten als «Held des Alltags 2016» des Schweizer Radios und Fernsehens. Er leitet die Bodensee-Kickers, eine Fussballmannschaft für Behinderte.

Nicole D’orazio
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Yannick Cavallin ist als «Held des Alltags» nominiert. Er ist Leiter eines Fussballteams für Menschen mit einem Handicap (Bild: SRF/Oscar Alessio)

Yannick Cavallin ist als «Held des Alltags» nominiert. Er ist Leiter eines Fussballteams für Menschen mit einem Handicap (Bild: SRF/Oscar Alessio)

Er hasst Ausgrenzungen und kämpft gegen Ungerechtigkeiten an. «Ich war schon als Jugend­licher so.» Yannick Cavallin setzt sich für Behinderte ein und leitet die Bodensee-Kickers, ein Fussballteam für Menschen mit einem Handicap. Der Kreuzlinger ist dafür als «Held des Alltags» des Schweizer Radios und Fernsehens nominiert. Mit dieser Auszeichnung werden Freiwillige und stille Schaffer im Hintergrund für ihr Engagement ausgezeichnet.

Cavallin ist einer der drei Finalisten. Eine Jury hat diese aus den letzten zehn Kandidaten ausgewählt. Über den Sieger entscheidet ein Online-Voting. Am 27. Januar wird dieser in einer Show bekanntgegeben.

Aufmerksamkeit auf den Behindertensport lenken

«Ich war sprachlos, als ich erfuhr, in der engeren Auswahl zu sein», sagt Cavallin. Es habe ihn gefreut, dass er vorgeschlagen worden sei, er hätte aber nie gedacht, dass er weit kommen würde. «Ich bin ja nicht der Einzige, der sich mit viel Elan und Herzblut freiwillig engagiert.» Die Freude des 44-Jährigen ist nun umso grösser. «Ich möchte die Aufmerksamkeit nutzen, um dem breiten Publikum den Behindertensport näherzubringen», sagt er. Gestern wurde er bei Radio SRF 1 vorgestellt. Morgen ist bei «Schweiz aktuell» ein Porträt über ihn zu sehen. Zum Fussballteam kam Cavallin durch seinen Sohn. «Wir haben für ihn nach einer passenden Sportart gesucht», erzählt der Konstrukteur. Da sein Sohn sehr schnell gewachsen sei, hinkte seine Motorik dem Wachstum hinterher. Mit leistungsorientiertem Sport sei er überfordert gewesen. «Also schlug ich ihm vor, bei den Kickers zu schnuppern.» Zuerst wollte er nicht, sei dann aber begeistert gewesen. Das Team befand sich im Umbruch, deshalb habe er sich bereiterklärt, in der Administration und Organisation mitzuhelfen, erzählt Cavallin.

Mittlerweile hat sich viel getan. Von sieben ist das Team auf 17 Spieler im Alter zwischen 14 und 65 Jahren angewachsen. «Bei uns darf jeder mitmachen, der eine körperliche oder geistige ­Beeinträchtigung hat.» Es seien Spieler mit einer Lernschwäche, Autismus oder einer Sehbehinderung im Team. Am Samstagnachmittag wird in der Turnhalle Bottighofen zwei Stunden trainiert.

Beim FC Kreuzlingen hat man sie integriert

Die Kickers werden von Plusport, dem Verband für Behindertensport, unterstützt. Vor eineinhalb Jahren konnte sich das Team ­zudem dem FC Kreuzlingen ­anschliessen. «Der Verein fand meine Idee sofort gut. Das ist toll, denn so funktioniert Integration.» Die Freude war bei den Spielern riesig, als sie vom FCK eingekleidet wurden, und sie nehmen gerne an den Vereins­anlässen teil. Finanziell sei man allerdings vom Fussballverein unabhängig, sagt Cavallin.

Sein neuestes Projekt ist der Aufbau eines Juniorenteams. «Es tut mir immer weh, wenn wir Kinder vertrösten müssen, weil sie noch zu jung sind», sagt er.

Hinweis

Voting für Yannick Cavallin: www.srf1.ch.