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KREUZLINGEN: Maulkorb für den Nörgler

An der Budgetversammlung der Evangelischen Kirchgemeinde lagen die Nerven blank. Es ging um Kritik an der Vorsteherschaft, Livestream-Gebete, ein Redeverbot und zwei wilde Kandidaten.
Annina Flaig
Kirchbürger Walter Studer kritisiert an der Versammlung im Kirchgemeindehaus öffentlich die Vorsteherschaft. (Bild: Annina Flaig)

Kirchbürger Walter Studer kritisiert an der Versammlung im Kirchgemeindehaus öffentlich die Vorsteherschaft. (Bild: Annina Flaig)

Annina Flaig

annina.flaig@thurgauerzeitung.ch

Nach eineinhalb Stunden platzt ihr der Kragen: «Es stinkt mir langsam», sagt Kirchenvorsteherin Ruth Trippel, nachdem Kirchbürger Walter Studer seinen zweiten Antrag gestellt hat. Er habe nur Kritik und spiele sich auf als würde er über alles Bescheid wissen. Studer, der an diesem Montagabend bereits viel Redezeit hatte, will entgegnen, als er von Präsident Thomas Leuch aufgefordert wird, das Mikrofon abzugeben und zuzuhören.

«Die Vorsteherschaft weiss nicht, was sie will»

Der Grund für den Ausbruch: Walter Studer wollte 20'000 Franken ins Budget aufnehmen, um einen Berater zu engagieren. Dieser soll die Strukturen der Organisation unter die Lupe nehmen. Er kritisiert, dass die Lohnkosten bei Management und Betrieb gegenüber denjenigen der Seelsorge unverhältnismässig steigen. Weiter stört er sich daran, dass die zu besetzende Stelle des Kirchenpflegers im Inserat mit 80 bis 100 Prozent ausgeschrieben wurde. «Die Kirchenvorsteherschaft weiss offenbar nicht was sie will.» Studer ist in der Kirchgemeinde kein Unbekannter. Der 68-jährige ehemalige Geschäftsführer von Radio Munot stellt an den Versammlungen immer wieder Anträge, seit er vor vier Jahren aus Schaffhausen zugezogen ist.

Der Pfarrer findet versöhnliche Worte

Pfarrer Damian Brot und auch Präsident Thomas Leuch finden nach der Eskapade versöhnliche Worte. Leuch versichert, dass die Vorsteherschaft genau wisse, was sie mache. Man habe bereits einen Berater beigezogen. Überdies sei es üblich, eine Stelle so auszuschreiben. Er gibt aber auch unumwunden zu, dass die Kirchenvorsteherschaft mit der Planung für den Umbau des Gemeindehauses und der Personalsuche an ihre Grenzen stosse.

Eine Votantin wünscht sich Respekt gegenüber den Behördenmitgliedern, die ihr Amt nebenberuflich an ihren freien Abenden ausüben. «Wenn das hier so weiter geht, wünsche ich uns viel Erfolg bei der Suche nach neuen Mitgliedern.» Studer entschuldigt sich. Er habe die Behörde nicht angreifen wollen. Er habe halt das Gefühl, dass sie betriebsblind sei. Sein Antrag findet keine Mehrheit. Anders als sein erster, den er zu Beginn der Versammlung gestellt hatte. Die Versammlung beschloss nämlich, die Position Mobiliar um 20'000 Franken aufzustocken. Dies, um für Gottesdienste ein Livestreaming einzurichten. Der Antrag wurde nach 40-minütiger Diskussion jedoch so umformuliert, dass die Vorsteherschaft beauftragt wird, ein entsprechendes Konzept auszuarbeiten. Der Aufwandüberschuss im Budget erhöhte sich deshalb von rund 36'000 auf 56'000 Franken. Das Budget wurde, ebenso wie der gleichbleibende Steuerfuss von 14 Prozent, genehmigt.

Überraschung bei der Wahl der Synodalen

Bevor gegen Ende der dreistündigen Versammlung mindestens zwei der 73 Anwesenden kurz einnicken, gibt es die letzte Aufregung: Leuch informiert, dass sich, nebst den sechs offiziellen Kandidaten für die Synode, zwei weitere zur Wahl stellen, Walter Studer und Kirchenvorsteher Heinz Lanz. Letzterer verpasst die Wahl nur knapp. Gewählt werden: Christian Lohr, Hanspeter Rissi, Kathleen Schwarzenbach, Peter Gysler, Christian Hauser und Martina Brendler.

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