KREUZLINGEN: «Kritik ist doch etwas Gesundes»

Der Lengwiler Beat Krähenmann kandidiert für das Präsidium der Katholischen Kirchgemeinde Kreuzlingen. Er plädiert für Offenheit, pocht auf Mitbestimmung aller und gibt sich gesprächsbereit.

Martina Eggenberger Lenz
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Martina Eggenberger Lenz

martina.eggenberger@ thurgauerzeitung.ch

Der Präsident der Katholischen Kirchgemeinde Kreuzlingen, Thomas Gisler, hat seinen Rücktritt per Ende Juni bekanntge­geben. Als Nachfolger kandidiert Beat Krähenmann aus Lengwil. Er hat die Behörde schon mal von 1996 bis 2010 präsidiert.

Krähenmann, besuchen Sie Gottesdienste bei Pfarrer Jehle in St. Ulrich?

Ich nutze die Vielfalt der Gottesdienste in unserer Region, und dazu gehört auch ab und zu der Besuch eines Gottesdienstes in St. Ulrich.

Im Zusammenhang mit Ihrer Kandidatur wurde gesagt, Sie würden von der Dialoggruppe portiert. Sind Sie ein Kandidat der Dialoggruppe?

Es ist richtig, dass ich von Xaver Dahinden angefragt wurde, ob ich das Mandat übernehmen würde, und es folgte ein Gespräch mit mehreren Mitgliedern der Dialoggruppe. Es wurde einhellig gesagt, dass viele froh wären, wenn eine Person mit Erfahrung das Mandat übernehmen könnte.

Und dann war für Sie gleich klar, dass Sie kandidieren? Oder wurden Sie überredet?

Ich lasse mich nicht gerne überreden! Nein, ich habe mir viele Gedanken gemacht, mit meiner Frau Rücksprache gehalten und mir überlegt, ob meine Kandidatur auch mehrheitsfähig wäre. Von mir aus hätte ich wohl nicht die Initiative ergriffen. Ich muss aber sagen, dass mich die Schlagzeilen rund um die Kirchgemeinde beschäftigt haben und ich mich in letzter Zeit wieder vermehrt damit befasst habe. Es tut mir schon weh, was in den letzten Jahren passiert ist.

Sie sprechen die Zerwürfnisse in der Kirchgemeinde, den Disput um Pfarrer Jehles Pfarreiführung und das Eingreifen der Dialoggruppe an. Nun sollen Sie dank Ihrer Erfahrung die Fugen kitten. Aber wäre eine ganz neue, völlig unbelastete Person dafür nicht geeigneter?

Ich habe mich 2010 nach vierzehn Jahren Präsidium bewusst abgenabelt. Viele Leute in der Vorsteherschaft sind jetzt neu. Es ist nicht meine Absicht, jetzt wieder alles so zu machen wie früher. Aber ich kenne die Struktur. Von meiner beruflichen Erfahrung könnte ich wohl ebenfalls profitieren. Führen von Sitzungen, auf ein Ziel hinarbeiten, das ist für mich Alltag. Ich fühle mich dazu bereit, die Kirchgemeinde bei einem Neuanfang zu begleiten.

Sie haben sich schon in jungem Alter für die Kirche engagiert. Wieso liegt Ihnen diese so am Herzen?

Ich bin mit 27 frisch verheiratet nach Kreuzlingen gekommen. In dieser Kirchgemeinde sind un­sere drei Kinder gross geworden. Ich habe mich bald im Pfarreirat engagiert, mit 34 wurde ich in die Vorsteherschaft gewählt. Es war mir immer wichtig, neben dem Beruf ein soziales Engagement auszuüben.

Noch mal zurück zur Dialoggruppe: Diese hat das erklärte Ziel personeller Veränderungen in St. Ulrich. Teilen Sie dieses?

Es ist offensichtlich, dass in der Kirchgemeinde und in St. Ulrich etwas nicht stimmt. Und daher braucht es eine Veränderung. Ich würde als Präsident alle Beteiligten in diesen Prozess einbeziehen. Pfarrer Alois Jehle hat nicht nur Gegner, sondern auch Befürworter. Wenn er geht, sind Letztere enttäuscht. Der Graben soll nicht weiter aufreissen. Der jetzigen Polarisierung müssen wir entgegenwirken.

Finden Sie seinen konservativen Stil denn gut?

Mir persönlich ist Offenheit ganz wichtig. Und ich erwarte von einem Pfarrer der katholischen Kirche, dass auch er offen gegenüber allen Katholiken ist. Ausserdem ist mir wichtig, dass die Katholiken und die Evangelischen ihre Gemeinsamkeiten betonen und aufeinander Rücksicht nehmen.

Bei der Umsetzung des Pastoralraumes mit Ermatingen harzt es ebenfalls.

Ich weiss jetzt natürlich nicht im Detail, warum. Der Pastoralraum ist aber klar als Chance zu sehen. Er bietet auch die Möglichkeit, dass in St. Ulrich ein zweiter Pfarrer für Gottesdienste tätig sein kann. Ich werde mich dafür einsetzen, dass der Pastoralraum, zu dem es schon vor sieben Jahren erste Gespräche gab, umgesetzt werden kann.

Man hört auch, dass die zwei Kreuzlinger Pfarreien das Heu nicht mehr ganz auf der gleichen Bühne haben.

Vielleicht hat die Pfarrei St. Stefan Angst vor Fremdbestimmung? Wenn das so ist, dann möchte ich ihr diese nehmen. Bei einer Zusammenarbeit muss jeder Partei das Mitbestimmungsrecht gewährt werden. Eigentlich wären die Voraussetzungen bei uns ja gut. Schliesslich sind beide unter dem Dach der gleichen Kirchgemeinde. Ich bin früher gut damit gefahren, den Pfar­reien ihre Eigenheiten zu lassen. Sie haben eine eigene Geschichte und Kultur, man kann nicht immer alle Einzelheiten vergleichen und gegeneinander ausspielen.

Viele Kirchbürger sind mit der Kommunikation der Vorsteherschaft nicht einverstanden. Sie hat einen Anwalt eingeschaltet, auf Kritik harsch reagiert. Wie haben Sie das wahrgenommen?

Sehen Sie, Kritik an einer Behörde ist doch eigentlich etwas Gesundes. Sie zeigt, dass die Bürger mitdenken. Allen recht machen kann man es nie. Wichtig ist aber, dass man das Gespräch sucht. Ich habe schon auch den Eindruck gewonnen, dass die Kirchen­vorsteherschaft Mühe mit Kritik hatte und mit Rückzug darauf reagiert hat. In der Dialoggruppe gibt es viele Menschen, die sich jahrelang für die Kirchgemeinde engagiert haben. Ihre Kritik zeigt nur, dass sie sich noch involviert fühlen.

Haben Sie aufgrund der verfahrenen Situation nicht Respekt vor der künftigen Aufgabe?

Doch, der Respekt ist ziemlich gross. Aber ich bin bereit, diese Herausforderung anzunehmen. Ich möchte einen Beitrag leisten, diese Kirchgemeinde vorwärtsbringen. Während meiner ersten Amtszeit ging es häufig ums ­Bauen, um Liegenschaften. Jetzt geht es um das Innenleben der Gemeinde.

Wie gross ist eigentlich das Pensum, mit dem Sie für das Präsidium rechnen?

Der Pfleger hat mir gesagt, dieses liege aktuell bei 27 Prozent. Es wird mir nicht möglich sein, ein so hohes Pensum zu übernehmen. Ich habe diese Zeit schlicht nicht. Ich bin aber auch nicht eine Person, die alles selber machen muss. Damit man Aufgaben delegieren kann, ist ein Vertrauensverhältnis eben wichtig.

In welchem Zustand war die Kirchgemeinde eigentlich 2010, als Sie diese an Thomas Gisler übergeben haben?

Meinen Rücktritt habe ich eineinhalb Jahre im Voraus angekündigt. Thomas Gisler hatte die Möglichkeit, sich ein Jahr lang in die Arbeit der Kirchenvorsteherschaft einzuarbeiten. Ich war der Überzeugung, ihm ein funk­tionierendes Team und geord­nete Verhältnisse übergeben zu ­haben.