KREUZLINGEN: Krippenvorstand zieht Schlussstrich

Der Betrugsfall im Verein Kreuzlinger Kinderkrippe ist aufgearbeitet. Der Vorstand zieht nun die Konsequenzen und tritt geschlossen zurück.

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Präsident Thomas Gut informierte die Vereinsmitglieder an der Jahresversammlung. (Bild: Urs Brüschweiler)

Präsident Thomas Gut informierte die Vereinsmitglieder an der Jahresversammlung. (Bild: Urs Brüschweiler)

Es ist ein lauer Sommerabend im Garten der «Felsenburg». Die Stimmung unter den Anwesenden ist gut, aber auch deutlich angespannt. Es ist die Generalversammlung des Vereins Kreuzlinger Kinderkrippe (VKK), die erste seit ein grober Betrugsfall aufgeflogen ist. Der damalige Vizepräsident und Rechnungsführer hatte über viele Jahre Gelder abgezweigt. Er ist seither nicht mehr mit dabei. Die Staatsanwaltschaft führt gegen ihn ein Strafverfahren (siehe Kasten).

Für die Verbliebenen ging es seither ums Aufräumen des Scherbenhaufens. Vereinspräsident Thomas Gut formulierte das Ziel des Abends: «Wir wollen einen Schlussstrich ziehen unter die Vorkommnisse und so transparent wie möglich informieren.» Gemeinsam mit der Stadt und der Primarschule habe man die Vorgänge lückenlos aufgearbeitet. Aufgrund einer Vereinbarung mit der beschuldigten Person sei der Betrag Mitte Ja­nuar vollständig zurückbezahlt worden, dem VKK sei somit kein finanzieller Schaden entstanden.

Das Ausmass des Betrugs wird erst 2018 klar

In der Jahresrechnung sind 24471 Franken ausgewiesen, die zurückbezahlt worden sind. Das ist jedoch nur ein kleiner Teil der Summe, um die es eigentlich geht. Den grossen Rest der Rückzahlung erhielten die Stadt und die Schule Kreuzlingen. Diese sind als Geldgeber des VKK de Facto die Hauptgeschädigten. Die Höhen der Beträge dürfen wegen der Vereinbarung nicht genannt werden. Mutmasslich liegt die Gesamtdeliktsumme aber über einer halben Million Franken. Erfahren wird man es, wenn die Jahresrechnungen 2017 von Schule und Stadt veröffentlicht werden, also nächsten Frühling.

«Wir alle und ich im Speziellen sind tief betroffen über das, was passiert ist. Mehr dazu zu sagen käme einer Ausrede gleich», sagte Thomas Gut. Für die Vorstandsmitglieder sei klar gewesen, dass sie nach der Aufarbeitung der Angelegenheit aufhören werden. «Wir können nun mit gutem Gewissen gehen.» Entsprechend traten dann Präsident Thomas Gut, Thilo Mangelsdorf und Lisa Schwierskott zurück. Dorena Raggenbass als Vertreterin der Stadt bleibt von Amtes wegen im Vorstand und stellte auch gleich die Nachfolgelösung vor. Zur neuen Präsidentin wählten die elf anwesenden Vereinsmitglieder einstimmig Monika Friemelt-Schümperli aus Tägerwilen, im Vorstand wird auch Zeljka Blank Einsitz nehmen. Dies sei ein Übergangsvorstand für ein Jahr, erklärte Stadträtin Dorena Raggenbass. Man wolle nämlich ein Konzept erarbeiten für Krippen, welche von der Stadt unterstützt werden. Heute sind dies der VKK, das «Zwerglihuus» und der Tagesfamilienverein. Es gehe dabei in erster Linie um eine Angleichung der Bezuschussung für Betreuungsplätze. Die Stadträtin informierte auch über Massnahmen, welche die Stadt aufgrund des Vorfalls in der Krippe treffen wird. Institutionen, welche von der öffentlichen Hand mit namhaften Beträgen unterstützt werden, müssen Vorgaben erfüllen. Zum Beispiel soll für die Rechnungsprüfung eine externe Revisionsstelle beauftragt werden.

Urs Brüschweiler

urs.brueschweiler@thurgauerzeitung.ch