KREUZLINGEN: Kreuzlinger Zustupf für Scala-Film

Das Kino Scala an der Marktstätte schliesst Ende Jahr. Der Konstanzer Gemeinderat verweigert einen grösseren Förderbeitrag für ein Filmprojekt über den traditionsreichen Filmpalast. Mehr Geld erhält Regisseur Douglas Wolfsperger aus dem Thurgau, und auch Kreuzlingen zahlt.

Urs Brüschweiler
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Das Scala an der Konstanzer Marktstätte wird schliessen. (Bild: Andrea Stalder)

Das Scala an der Konstanzer Marktstätte wird schliessen. (Bild: Andrea Stalder)

KREUZLINGEN. Die Schliessung des Kinos Scala an der Konstanzer Marktstätte hatte in den letzten Monaten in der Nachbarstadt für einigen Wirbel gesorgt. Ende dieses Jahres wird der traditionsreiche Filmpalast der Vergangenheit angehören und die Filiale einer Drogerie-Markt-Kette seinen Platz in der Altstadt einnehmen. Das Thema wurde zum Politikum, am Ende scheiterten jedoch alle Rettungsversuche einer Bürgerinitiative.

Douglas Wolfsperger Deutscher Filmemacher lebt in Berlin und am Bodensee (Bild: Südkurier/Jörg-Peter Rau)

Douglas Wolfsperger Deutscher Filmemacher lebt in Berlin und am Bodensee (Bild: Südkurier/Jörg-Peter Rau)

Der deutsche Regisseur Douglas Wolfsperger, der zeitweise auch in Kreuzlingen lebt, entschloss sich, einen Dokumentarfilm über das Scala zu drehen. Dieser soll die Entwicklungen in Konstanz in den letzten Monaten des Lichtspielhauses zeigen und aufzeigen, was die Schliessung eines Arthouse-Kinos für die städtische Kultur bedeutet. Kommerz, der Überhand nehme, und kulturelle Verödung sind Stichworte, mit welchen Wolfsperger sein Vorhaben auf der Projekt-Webseite beschreibt.

3500 Franken aus Kreuzlingen

So weit eigentlich eine Konstanzer Geschichte. Aber: «Der Film will auch der Frage nachgehen, inwieweit der Einfluss aus der Schweiz (gemeint ist der Einkaufstourismus) mitverantwortlich ist für die Schliessung des Kinos», schreibt der Regisseur. Und im Film werden viele Besucher aus der Nachbarstadt Kreuzlingen zu Wort kommen, ein Vorfilm existiert bereits. «Sehr viele Schweizer hätten sich im Scala heimisch gefühlt», sagt Stadträtin Dorena Raggenbass. In Kreuzlingen gebe es bekanntlich seit Jahrzehnten kein Kino mehr. Dies sei der Grund, weshalb die Chefin des Departements Gesellschaft einen Beitrag der Stadt Kreuzlingen von 3500 Franken an die Produktion bewilligt habe. Wolfsperger habe einen entsprechenden Antrag gestellt, das Geld werde dem Budgetposten für grenzüberschreitende Projekte belastet. «Die dokumentarische Aufarbeitung der Geschichte des Scalas ist wertvoll und hat eine grosse Ausstrahlung über die Grenze», sagt Dorena Raggenbass. Douglas Wolfsperger rechnet mit rund 60 000 Euro, welche er für die Drehkosten aufbringen muss, wie der Projekt-Homepage zu entnehmen ist. Der Kanton Thurgau ist mit 20 000 Franken aus dem Lotteriefonds der bisher grösste Unterstützer. Die Stadt Konstanz bezahlt nämlich nur 2500 Euro. Einen zusätzlichen Förderbeitrag in Höhe von 36 500 Euro lehnte der Konstanzer Gemeinderat letzte Woche knapp ab. Wie der «Südkurier» aus der offenbar emotional verlaufenen Sitzung berichtet, hätten einige Politiker offen die Befürchtung geäussert, dass die Geschichte um das Aus des Programmkinos an der Marktstätte für die Stadt vielleicht nicht so vorteilhaft sein könnte. Der Filmemacher selber versicherte vergeblich, dass er nicht vorhabe, jemanden in die «Pfanne zu hauen».

Unabhängig von Konstanz

Dorena Raggenbass Stadträtin Kreuzlingen Departement Gesellschaft (Bild: Andrea Stalder)

Dorena Raggenbass Stadträtin Kreuzlingen Departement Gesellschaft (Bild: Andrea Stalder)

Für den Kreuzlinger Förderbetrag spiele die Absage aus Konstanz keine Rolle. «Wir hatten den Entscheid unabhängig und schon vor circa zwei Monaten gefällt», sagt Raggenbass. Einzige Bedingung für den Kreuzlinger Zustupf sei, dass der Film, wenn er fertig ist, auch in Kreuzlingen gezeigt werde. Im Theater an der Grenze oder im Dreispitz, könnte sich das die Stadträtin vorstellen. Regisseur Douglas Wolfsperger will den Film auf jeden Fall fertig produzieren. «Jetzt erst recht», sagt er gegenüber dem Portal «thurgaukultur.ch». Für das Scala-Projekt suche man nun halt Spenden und Sponsoren.

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