KREUZLINGEN: Kreuz ist zurück in seiner Heimat

Nach über 160 Jahren in Rom steht das Reliquienkreuz wieder in der Basilika St. Ulrich. Der Vatikan leiht es der Kirche nach Vermittlung von Jules Brenneis, Georg Strasser und Alois Jehle aus.

Nicole D’orazio
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Posieren mit dem Reliquienkreuz: Pfarradministrator Alois Jehle, Jules Brenneis und Georg Strasser. (Bild: Andrea Stalder)

Posieren mit dem Reliquienkreuz: Pfarradministrator Alois Jehle, Jules Brenneis und Georg Strasser. (Bild: Andrea Stalder)

Nicole D’Orazio

nicole.dorazio@thurgauerzeitung.ch

Es ist wieder da. Nach der staatlich verordneten Enteignung und Aufhebung der Klöster im Kanton Thurgau 1848 kam das Kreuzlinger Reliquienkreuz über Frankfurt und Paris nach Rom in den Vatikan. Dort war es bis vor kurzem im Museo Cristiano in den Vatikanischen Museen ausgestellt. Georg Strasser und seine Frau hatten es bei einem Besuch in Rom nach einem Hinweis des damaligen Kreuzlinger Pfarrers Anton Hopp gesucht. «Da mein Sohn in der Schweizer Garde war, erzählte ich dem Kommandanten davon. Der schickte uns zu einem Professore, der uns sagen konnte, wo es war», erzählt der Lokalhistoriker an der gestrigen Medieninformation. «Wir haben es daraufhin oft besucht.»

2015 ging Jules Brenneis mit ins Museo Cristiano. Das Kreuz und dessen Geschichte beschäftigen ihn seit 2013. Er hatte ein Bild davon gefunden, als er eine Ausstellung im Kirchenmuseum plante. «Bei einem Bier in Rom haben wir entschieden, dass wir versuchen wollen, das Kreuz zurück nach Kreuzlingen zu holen», sagt Strasser. Wenn sie gewusst hätten, was alles auf sie zukommt, hätten sie es sich wohl anders überlegt, fügt Brenneis hinzu und lacht. Motiviert habe sie die grosse Unterstützung der Katholischen Kirchgemeinde Kreuzlingen, von Stadtpräsident Andreas Netzle sowie von Erzbischof Felix Gmür und Erzbischof Thomas Edward Gullickson, dem apostolischen Nuntius in der Schweiz.

Jehle hat seine Kontakte im Vatikan genutzt

Eine wichtige Rolle im Projekt hatte Alois Jehle, Pfarradministrator von St. Ulrich. «Nach 17 Jahren im Vatikan konnte ich von meinen Kontakten profitieren», erzählt er. Speziell Professor Arnold Nesselrath, der eine Abteilung der Vatikanischen Museen leitet, habe ihnen sehr geholfen. Er hätte sofort ein offenes Ohr für das Anliegen gehabt. «Der Professor hat gewusst, was wir alles für die Anfrage benötigen, und hat alles gut vorbereitet.» Er habe ihn mehrere Male getroffen. «Nesselrath war überzeugt, dass so eine Leihgabe nicht nur eine kulturelle, sondern eine kulturell-religiöse Bedeutung und eine universelle Botschaft hat», sagt Jehle. Das Kreuz könne in Kreuzlingen eine Brücke bauen zwischen den Kulturen und Religionen. Das habe geholfen. «Diese Vision ist bereits eingetreten. Viele Leute, nicht nur Katholiken, sind begeistert, dass das Kreuz wieder da ist», sagt Jehle. Sie seien sehr dankbar, dass der Vatikan das Kreuz mindestens drei Monate ausleihe. «Eigentlich macht er das nur in Zusammenarbeit mit Museen, nicht mit Pfarreien.»

Der Vatikan hat die Gebühren für die Leihgabe übernommen. Für den Transport, die Versicherung und Spesen müssen jedoch zwischen 23000 und 25000 Franken aufgebracht werden. «Wir haben Spender gefunden. Auch die Kirchgemeinde und die Stadt beteiligen sich», sagt Brenneis. Er freue sich nun auf Sonntag. Dann wird das Reliquienkreuz im Rahmen des Festgottesdienstes zu Ehren des Kirchenpatrons St. Ulrich, der um 11 Uhr beginnt, feierlich enthüllt. Ein besonderer Moment für Kreuzlingen.

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