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KREUZLINGEN: "Komme mir vor wie ein Prediger": Ärger um Elterntaxis in Kreuzlingen

Dank eines Pollers können nur noch berechtigte Autofahrer auf den Pausenplatz beim Schulhaus Bernegg fahren. Die Elterntaxis weichen nun auf den Parkplatz der Kirche oder an die Schmittenstrasse aus.
Nicole D'orazio
Blockiert die Einfahrt ins Schulzentrum Bernegg: Schulleiter Ralph Huber sitzt auf dem bewährten Poller. (Bild: Andrea Stalder)

Blockiert die Einfahrt ins Schulzentrum Bernegg: Schulleiter Ralph Huber sitzt auf dem bewährten Poller. (Bild: Andrea Stalder)

Elterntaxis gehören zum Alltag von Ralph Huber. Seit gut acht Jahren beschäftigt sich der Leiter des Schulzentrums Bernegg in Kreuzlingen regelmässig mit Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen oder abholen. Tendenz zunehmend. Zwischen fünf bis zehn Prozent der Eltern würden ihre Kinder regelmässig zur Schule fahren, sagt er. Bei Regen stünden 30 bis 40 Fahrzeuge vor der Schule, sonst etwas weniger.

"Lange hatten wir ein Problem mit dem Pausenplatz. Die Elterntaxis warteten dort und es kam immer wieder zu gefährlichen Situationen zwischen Kindern und Autos." Man habe sich überlegt, die Situation durch eine klare Ein- und Ausfahrtregelung zu entschärfen. "Wir haben uns jedoch für die Kinder und den Pausenplatz entschieden und einen Poller in der Einfahrt platziert." So können unter der Woche tagsüber nur noch Berechtigte aufs Schulgelände fahren. Da der Kanton zuerst gegen den Poller war, habe es etwas länger gedauert, doch er sei nun sehr froh über die Lösung, meint Huber.

Kirchenvorsteherschaft sieht das Problem pragmatisch

Das Problem ist damit aber nicht gelöst, sondern hat sich verlagert. Auf dem Parkplatz der katholischen Kirche St. Stefan gleich neben der Schule warten nun die Elterntaxis. Oder an der Schmittenstrasse. "Auch dort ist es schon zu kleineren Zwischenfällen gekommen, weil ein Auto zum Beispiel gewendet hat und ein Kind übersehen hat. So es ist schon zu Quetschungen und Prellungen gekommen", sagt Huber. "Zum Glück ist noch nichts Schlimmeres passiert." Bei der Stadt habe man das Problem an der Schmittenstrasse erkannt und plane Massnahmen.

Bei der katholischen Kirchgemeinde Kreuzlingen-Emmishofen kennt man die Situation mit den Elterntaxis, sieht sie aber pragmatisch. "Wir haben die Situation in der Kirchenvorsteherschaft sowie an einer Versammlung im Zusammenhang mit dem Umbau des Parkplatzes besprochen und sehen derzeit keinen Anlass zum Handeln", sagt Roman Surber, der in der Kirchenvorsteherschaft das Ressort Liegenschaften betreut. Die Zufahrt zum Parkplatz sei für die Kirchgänger sehr wichtig, deswegen komme eine Absperrung mit einem Poller nicht in Frage. Und die Elterntaxis würden täglich nur viermal je 15 Minuten einige Plätze belegen. "Das ist noch okay." Man sehe das auch als kleines Gegengeschäft, da bei Grossanlässen die Kirchgänger auf dem Schulareal parkieren dürften. "Wir beobachten die Situation aber."

Der Schulweg hat eine wichtige soziale Aufgabe

Huber glaubt nicht, dass sich das Problem mit den Elterntaxis so einfach lösen lässt. "Ich komme mir bei diesem Thema schon vor wie ein Prediger. Ich thematisiere es an Elternabenden oder in Elternbriefen." Der Schulweg sei jedoch Sache der Erziehungsberechtigten, die Schulleitung könne deswegen nur darauf aufmerksam machen, wie wichtig dieser für die Kinder sei. "Der soziale Aspekt ist hoch. Für die Kids ist der Schulweg ein stärkender Anlass. Sie lernen, mit Konflikten umzugehen, eine Strecke alleine zu bewältigen und auf sich gestellt zu sein", meint Huber. "Zudem lernen sie natürlich, sich im Verkehr zurecht zu finden. Kinder, die immer gefahren werden, sind viel gefährdeter." Huber versucht, Eltern persönlich auf das Problem hinzuweisen. Nicht immer mit Erfolg. Er hat allerdings Verständnis, dass viele Eltern eine dichte Tagesorganisation zu bewältigen haben und akzeptiert wenige Ausnahmen.

Huber ist bei Weitem nicht der einzige Schulleiter, der mit den Elterntaxis kämpft. Beim Schulzentrum Schreiber sei das Problem ausgeprägter, weil es viele Warteflächen gebe. Beim "Seetal" sei die Lage entspannter. Er ist deswegen froh über den Poller. "Zum Glück ist noch niemand dagegen gefahren."

Schmittenstrasse: Baldige Planauflage

Eine Umgestaltung der Schmittenstrasse ist in Planung und steht kurz vor der Planauflage, wie Ernst Zülle, Stadtrat Departement Bau, bestätigt. «Es wird dort künftig nur noch beschränkte Parkier- respektive Haltemöglichkeiten geben. Das Chaos mit den Elterntaxis muss, meiner Meinung nach, eingedämmt werden.» Die Umgestaltung der Schmittenstrasse werde die Situation sicherlich etwas entschärfen. Seiner Meinung nach sollte man Schulkindern nicht den Schulweg zu Fuss verwehren, sondern sie in Bezug auf die Sicherheit entsprechend schulen und vorbereiten. "Wir sind laufend daran, die Schulwege sicherer zu gestalten. Die Bewegung sowie miteinander zu Fuss in die Schule zu gehen, ist gesund und ein wichtiges förderliches Element in den Schuljahren." (ndo)

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