KREUZLINGEN: Kleinwohnungen sollen die Leere füllen

Das Areal der ehemaligen Migros Emmishofen erwacht zu neuem Leben. Das Gebäude wird saniert, und im ersten Stock entstehen moderne Ein-Zimmer-Appartments. Im Erdgeschoss hofft man weiter auf Gewerbe.

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Kurt Spring steht im Obergeschoss, dort, wo früher die Non-Food-Abteilung war, in einer Pfütze. Währenddessen erzählt er von den grossen Plänen, die er mit der Liegenschaft des ehemaligen «Schwaben-Migros» hat. Jedem Laien ist auf den ersten Blick klar: Hier besteht dringender Sanierungsbedarf. Das Dach ist undicht, alles ist alt und vergammelt. Ja, auch er sei erst einmal erschrocken, als er das Haus zum ersten Mal betreten habe, ­erzählt der Unternehmer. Doch er hat auch Potenzial erkannt.

Für mehr als 20 Millionen Franken will Spring, beziehungsweise dessen Firma GPL Immobilien in Lengwil, in den markanten Bau an der Konstanzerstrasse investieren. Und er hat sich zwei Fachleute mit ins Boot geholt, die das Projekt «Midori» begleiten: Architekt Fredy Iseli und Immobilienfachmann Attila Wohlrab.

Japanische Wohnboxen aus Holz und Karton

Das Hauptanliegen der Verantwortlichen ist, wieder Leben ins Quartier zu bringen. Erreichen wollen sie das, indem sie das komplette Obergeschoss mit Kleinwohnungen füllen. Zwischen 30 und 40 Wohnungen könnten auf der zur Verfügung stehenden Fläche entstehen. Erstellt werden sie nach einem «Lego-für-Erwachsene-Prinzip», wie Fredy Iseli erklärt. Der Utt­wiler Architekt verwendet hier­für seine Ecocell-Wände, die aus Holz und Karton bestehen und die «Wohnboxen» begrenzen sollen. Attila Wohlrab hat bereits Erfahrung mit der Bewirtschaftung solcher Ein-Raum-Appartements. Die Nachfrage sei da. Jüngere Singles, die viel unterwegs sind, gehören ebenfalls zum Zielpublikum wie ältere Menschen, die nicht mehr viel Platz brauchen. Die ganze Optik soll im japanischen Stil gehalten werden, ruhig und schlicht. Für das Erdgeschoss sucht das Team einen attraktiven Ankermieter . Auch hier gibt man sich zuversichtlich. «Garden City ist jetzt praktisch voll. Das gibt eine Sogwirkung», meint Wohlrab. Die Nähe zu Grenze, Bahnhof und Autobahn werden als Pluspunkte für die Lage genannt. Im Gebiet seien in den letzten Jahren 500 neue Wohnungen entstanden.

Wohnungen gibt es auch im zur Liegenschaft gehörenden Hochhaus. Diese würden praktisch nicht angerührt. Die Mie­ter könnten bleiben, sagt Kurt Spring. Im Untergeschoss, wo sich zuletzt die ganze Technik befand, soll eine Tiefgarage entstehen, primär für die Bewohner. Was mit den Aussenparkplätzen passiert, ist noch nicht klar. Die Stadt will diese weghaben und dafür den Bach öffnen. Gemäss dem Gestaltungsplan, der demnächst spruchreif sein wird, könnten attraktive Grünflächen entstehen. Stadtrat Ernst Zülle dankte Investor Kurt Spring für seinen Mut. «Die frohe Botschaft kam für uns überraschend.» Der Bau-Stadtrat zeigte sich erleichtert über den Besitzerwechsel. «Kreuzlingen wartet darauf, dass die Ruine endlich wiederbelebt wird.» Ende 2018 könnte das Projekt gemäss Spring fertiggestellt sein. (meg)