KREUZLINGEN: Kiwi, Kafi und ein bisschen Wärme

Die «VerwertBAR» und das «Open Place» der Evangelischen Kirchgemeinde bilden eine gelungene Symbiose. Beide Institutionen laufen sehr gut und sind auch an Heiligabend geöffnet.

Martina Eggenberger Lenz
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Initiant Beni Merk, Pfarrer Damian Brot und Thomas Leuch, Präsident der Evangelischen Kirchgemeinde, in der "VerwertBAR". (Bild: Donato Caspari)

Initiant Beni Merk, Pfarrer Damian Brot und Thomas Leuch, Präsident der Evangelischen Kirchgemeinde, in der "VerwertBAR". (Bild: Donato Caspari)

Martina Eggenberger Lenz

martina.eggenberger

@thurgauerzeitung.ch

Freitagmorgen kurz vor 10 Uhr. Vor der Sakristei der Kirche Kurzrickenbach hat sich eine kleine Menschentraube gebildet. Eine junge Mutter mit einem Kleinkind ist da, eine Frau mit Kopftuch, ein paar Senioren. Sie haben Einkaufstaschen dabei und blicken erwartungsvoll zur Tür, die sich in wenigen Augenblicken öffnen wird. Drinnen richten die drei Helferinnen die Kisten her. Heute gibt es Bananen, Kiwi, Eier, Salat, Kohl und anderes Gemüse sowie Backwaren. Und sogar weihnachtliche Blumen stehen bereit. Dann dürfen die ersten Kunden die «VerwertBAR» betreten.

Das Sozialprojekt, das gratis Lebensmittel, die von den Läden nicht mehr verkauft werden, verteilt, hat sich in den letzten zwei Jahren sehr gut etabliert, wie Vereinspräsident Beni Merk feststellt. Es läuft so gut, dass das Team sich entschlossen hat, versuchsweise nebst dem Dienstag und Freitagvormittag zusätzlich am Samstagabend zu öffnen. Zu den letzten zwei Terminen sind laut Merk mehr als 50 Leute gekommen. «Viele sind natürlich Stammgäste. Es ist aber auch immer wieder mal ein neues Gesicht dabei.»

Weihnachten soll nichts in den Abfall

Letzte Weihnachten hat das Team der «VerwertBAR» gemerkt, dass am Abend des 24. besonders viele Waren in den Geschäften aussortiert werden. Deswegen habe man sich entschlossen, dieses Jahr an Heiligabend den Gratis-Laden zu öffnen, damit die Lebensmittel an möglichst viele Menschen, die froh darum sind, verteilt werden können. Die Sachen, die bei der «VerwertBAR» landen, kommen von Lidl, dem Avec-Shop, einem Türkenladen, einem lokalen Gemüseproduzenten, drei Bäckereien und noch ein paar weiteren Anbietern. «Wir können immer allen Gästen ein paar Portionen abgeben. Wir könnten aber auch noch mehr Waren verteilen», sagt Beni Merk. Gerne hätte er noch einen weiteren Grossverteiler als Partner mit dabei. Rund ein Dutzend Helfer sammeln die Waren ein und helfen im Shop mit. Weil der Andrang mittlerweile recht gross ist, wird ausgelost, wer in welcher Reihenfolge den «Laden» betreten darf. «So vermeiden wir Streit», begründet der Vereinspräsident das System.

Die ersten Gäste haben sich die Tasche gefüllt. Jetzt freuen sie sich auf einen warmen Kaffee oder einen Tee im Haus Weisser. «Open Place» nennt sich das ebenfalls kostenlose «Restaurant» der Evangelischen Kirchgemeinde. Pfarrer Damian Brot hat solche Angebote in Schottland und Irland gesehen und die Idee nach Kreuzlingen gebracht. «Mir ist es wichtig, dass sich die Kirche von unten her bildet.» Da gehöre es dazu, Menschen am Rande der Gesellschaft anzusprechen, für sie da zu sein. Durch das «Open Place» komme er in Kontakt mit Sozialhilfebezügern, Suchtkranken und Einsamen. Der Seelsorger schlüpft da gerne auch mal in die Rolle des Sozialarbeiters. Er habe sich für diese Arbeit mit den entsprechenden Organisationen vernetzen müssen, sagt Damian Brot. Der Treffpunkt ist aber nicht nur für sozial Schwache gedacht. Es kann jeder kommen und es gibt regelmässig kulturelle Veranstaltungen. Unterstützt wird Damian Brot von einem kleinen Kreis freiwilliger Helfer. «Ich muss zugeben, es berührt mich, wenn ich sehe, dass eine Person, die sonst am Bahnhof herumhängt, zu uns ins Café kommt und beim Abwasch mithilft.»

Öffnungszeiten

Die «VerwertBAR» ist jeweils Dienstag und Freitag um 10 Uhr geöffnet, das «Open Place» von 9 bis 11.30 Uhr. Am 24. Dezember öffnet die Lebensmittel-Abgabestelle um 18.30 Uhr, das Café von 18 bis ca. 19.30 Uhr.