KREUZLINGEN: Kanton streicht den 907er-Bus

Die Regionalbuslinie nach Tägerwilen wird beim Fahrplanwechsel Ende 2018 aufgehoben. Die beiden Gemeinden prüfen nun, ob und wie sie die Linie in Eigenregie erhalten können.

Urs Brüschweiler
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Der Kreuzlinger Stadtbus der Regionallinie 907 fährt bis ins Tägerwiler Oberdorf. (Bild: Reto Martin)

Der Kreuzlinger Stadtbus der Regionallinie 907 fährt bis ins Tägerwiler Oberdorf. (Bild: Reto Martin)

Urs Brüschweiler

urs.brueschweiler@thurgauerzeitung.ch

Alle Anstrengungen für den Erhalt der Linie 907 sind verpufft. Die viel diskutierte Petition der SP Kreuzlingen hat zumindest in diesem Punkt nichts bewirkt. Die Stadt Kreuzlingen und die Gemeinde Tägerwilen konnten in Gesprächen die Vertreter des Kantons nicht mehr überzeugen. Schon lange Jahre stand der Kurs immer wieder auf der Kippe. Im aktuellen Bericht zum Fahrplanentwurf 2019 heisst es nun: «Die Linie wird wegen ungenügender Nachfrage und Wirtschaftlichkeit aufgehoben.» Tägerwilen sei mit zwei Bahnhöfen und der Postautolinie von Kreuzlingen ins Connyland gut abgedeckt, erklärt Urs Zingg. Der Sachbearbeiter in der Abteilung Öffentlicher Verkehr beim Kanton glaubt auch nicht, dass nach der Vernehmlassungsphase, die bis zum 18. Juni läuft, daran noch etwas geändert werde. Dass Kreuzlingen und Tägerwilen in den letzten Jahren mit je 165000 Franken die Hälfte des Defizits der Linie mitfinanziert haben, hat letztlich den Entscheid des Kantons wohl nur hinausgezögert. Er sieht sich nicht in der Verantwortung, eine Strecke mit Ortsbusfunktion zu betreiben. «Die Meinungen waren wohl bereits gemacht», sagt Markus Thalmann. Der Tägerwiler Gemeindepräsident hatte gemeinsam mit dem Kreuzlinger Stadtrat Thomas Beringer in den letzten Monaten noch versucht, das Ruder herumzureissen. Doch nun ist klar, dass der 907-er ab 9. Dezember 2018 nicht mehr im Auftrag des Kantons fährt.

Zahlreiche Varianten werden geprüft

Für beide Gemeinden geht es jetzt darum, eine Ersatzlösung zu finden. Optionen gibt es viele: Die beiden Gemeinden könnten etwa die Linie, die in das Kreuzlinger Stadtbus-Netz eingeflochten ist, einfach selber bezahlen. Thomas Beringer lässt nun als Erstes abklären, was es die Stadt kosten würde, das Quartier Ribi-Brunegg mit normalen Stadtbuslinien weiterhin im Viertelstundentakt zu bedienen.

In Tägerwilen geht es darum, dass das Oberdorf irgendwie weiterhin erschlossen bleiben kann. Was sicher auch ein Thema sein wird, ist eine Buslinie, welche das Industriegebiet im unteren Täger­moos anfährt, dort, wo die Mowag gerade eine Produktionsstätte baut und 250 Arbeitsplätze entstehen. Sowohl Thalmann wie Beringer betonen allerdings, dass die Finanzierbarkeit nicht einfach sein werde. Neue Buskurse kosten Geld, das je nach Höhe von der Gemeindeversammlung beziehungsweise vom Stadtparlament bewilligt werden muss. «Wir werden uns mit den Kreuzlinger Verantwortlichen in ein paar Wochen wieder treffen und die Möglichkeiten ausloten», sagt Markus Thalmann.