KREUZLINGEN: Kandidat von «Aufbruch Kreuzlingen»

Andreas Netzle stieg 2006 erst am Ende des Wahlkampfs ins Rennen und überrundete alle Gegner. Danach folgten zehn bewegte Jahre als Stadtoberhaupt.

Drucken
Teilen

Der Wahlkampf um die Nachfolge von Stadtammann Josef Bieri war bereits in vollem Gange, als die Gruppe «Aufbruch Kreuzlingen» am 8. September 2006 überraschend den damaligen Chefredaktor der «Thurgauer Zeitung», Andreas Netzle, ins Rennen schickte. Zuvor hatte sich unerwartet der Schaffhauser Herbert Bühl – er war Favorit – zurückgezogen. Am 26. November wählten die Kreuzlinger dann den parteilosen und seine politische Unabhängigkeit betonenden Netzle aus Salenstein mit 2151 Stimmen und überragendem Vorsprung auf die einheimischen Kandidaten im ersten Wahlgang ins Amt. Renato Canal (SP), Reto Oberhänsli (FDP), Markus Baiker (CVP) und Attila Wohlrab (FDP) hatten nicht den Hauch einer Chance. Am 1. Juni 2007 übernahm Netzle gemeinsam mit einem fast komplett neuen Stadtrat das Zepter im Stadthaus. In seine erste Amtsperiode fiel das Volks-Ja zur Umgestaltung der Hauptstrasse zum Boulevard 2009, und Anfang 2011 überschritt Kreuzlingen die Marke 50-Prozent-Ausländeranteil an der Bevölkerung. Im Februar 2011 hatte der amtierende Stadtammann leichtes Spiel bei seiner ersten Wiederwahl. Ohne Gegenkandidaten erreichte er 2271 von 2815 gültigen Stimmen. Im Vorfeld hatte Netzle auf die Frage, wie lange er im Amt bleiben wolle, geantwortet: «Mein Engagement ist langfristig angelegt.»

Nur eines von drei Xentrum-Projekten

Die zweite Amtszeit stand im Zeichen der sogenannten Xentrum-Projekte. Der Ausbau des Bushofs und die neue Schwimmhalle wurden 2014 vom Volk jedoch abgelehnt. Bevor das Stadthaus mit Tiefgarage zur Abstimmung gelangen konnte, stand 2015 für Andreas Netzle die nächste Wiederwahl an. Die FDP hatte im Vorfeld versucht, gemeinsam mit den anderen Parteien einen Gegenkandidaten aufzubauen, scheiterte jedoch mit diesem Vorhaben. Ohne ernsthaften Konkurrenten erreichte Netzle im März 2015 2074 Stimmen. Die Stadthausabstimmung im November 2016 wurde denkbar knapp zum Erfolg. Mit nur fünf Stimmen mehr obsiegte das Ja-Lager. Während Netzles Amtszeit hat die Stadt Kreuzlingen ausschliesslich Überschüsse in Millionenhöhe in der Rechnung ausgewiesen. (ubr)