KREUZLINGEN: Jeder hat ein Talent

Der Campus ist noch im Rohbau. Mit einem Pre-Opening hat die SBW den Countdown bis zum Bezug im Sommer eingeläutet. SRF-Moderator Kurt Aeschbacher machte eine Talkrunde.

Nicole D’orazio
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Nicole D’Orazio

nicole.dorazio

@thurgauerzeitung.ch

«Ein Elefant kann nicht auf einen Baum klettern, nur weil es im Lehrplan steht.» Markus Hengstschläger, Uni-Professor, Humangenetiker und Bestseller-Autor, sprach gestern beim Pre-Opening im SBW-Talent-Campus Bodensee in Kreuzlingen. Jeder Mensch habe das Recht, dass man sich auf die Suche nach seinen Talente macht, sagte er. Kurt Aeschbacher, Moderator beim Schweizer Fernsehen und Verwaltungsrat bei der SBW Haus des Lernens AG, interviewte den Professor. «Können gewisse Talente nur in einer separaten Schule und nicht im normalen Bildungssystem in der Schweiz gefördert werden?», wollte Aeschbacher wissen. Neben Lehrern benötige es auch Scouts, antwortete Hengstschläger. «Denn wie sollen Eltern die Talente ihrer Kinder entdecken?» Es brauche dafür Experten.

Der Elite gehört jeder Mensch an

Als Beispiel nannte der Professor seinen Sohn. «Seine Musiklehrerin stand auf einmal bei uns zu Hause vor der Tür und machte uns darauf aufmerksam, dass er musikalisch talentiert ist. Ich und meine Frau hätten das so nicht gemerkt.» Er sei zudem ein Anhänger von Elite. Denn jeder Mensch sei Elite, aber jeder wo anders. Es sei wichtig, dass Talent nicht diskriminierend verwendet werde oder die Sichtweise wertend sei, wenn es zum Beispiel nicht um ein Talent wie Tennis oder Fussball gehe. Hengstschläger findet es auch wichtig, dass Jugendlichen nicht aufgezwungen werden soll, was sie lernen sollen. «Wie kann man heute wissen, was morgen gefragt sein wird?» Ihm selber sei Mitte der 1980er-Jahre empfohlen worden, Atomphysik zu studieren. «Ich habe mich aber für Genetik entschieden, worüber ich heute sehr froh bin», sagte er. Eine Person müsse innerhalb ihrer Genetik gefördert werden. Aeschbacher sagte, er sei stolz, dass man hier so eine Schule habe, die versuche, das Konzept umzusetzen.

Als Beispiel eines talentierten Jugendlichen holte Aeschbacher Yasin Chennaoui auf die Bühne. Der 14-Jährige ist Schachspieler und neu an der Nationalen Elitesportschule. «Es ist wunderbar hier», sagte Chennaoui. «Hier werde ich nicht gemobbt, weil ich anders bin, sondern kann lernen und trainieren, und werde von den anderen akzeptiert.»