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KREUZLINGEN: «Ich bin ein anderer geworden»

Schulpräsident René Zweifel hat den Mundhöhlenkrebs besiegt. Jetzt erzählt er, wie er gelitten und gekämpft hat und an manchen Tagen nur noch hoffte, dass es endlich Abend wird.
Annina Flaig
René Zweifel sitzt daheim am Küchentisch. Er freut sich, bald wieder arbeiten zu dürfen (Bild: Andrea Stalder)

René Zweifel sitzt daheim am Küchentisch. Er freut sich, bald wieder arbeiten zu dürfen (Bild: Andrea Stalder)

Annina Flaig

annina.flaig@thurgauerzeitung.ch

Nach sechsmonatiger Krankheit kehrt Schulpräsident René Zweifel zurück: Ab März will der 53-Jährige sein Amt wieder übernehmen. Die Anfrage zum Interview über seinen schwierigen Kampf gegen die Krankheit nimmt er offenherzig an.

Herr Zweifel, wie geht es Ihnen?

René Zweifel: Ich bin noch kraftlos. Aber es geht mir gut, denn ich hatte diese Woche eine Untersuchung, bei der man keine Krebszellen mehr nachweisen konnte. Was mir das bedeutet, kann ich kaum in Worte fassen.

Wo war denn der Tumor?

In der Mandel. Weil mich beim Schlucken etwas störte, ging ich zum Arzt. Der hat eine Gewebeprobe entnommen. Ende August kam die Schocknachricht: Sie haben Krebs.

Hatten Sie Angst?

Angst zu sterben hatte ich nicht. Der Tumor war haselnussgross. Ich hatte gute Überlebens-Chancen. Die Ärzte sagten mir aber, dass es ein schwieriger Weg werden wird. Da habe ich an mein Kämpferherz appelliert, nichts ahnend, welche Tortur mich erwartet.

Was hat Ihnen am meisten abverlangt?

Ich habe mich für eine Behandlung ohne Operation, sondern mit Bestrahlung und Chemotherapie entschieden. Dadurch war mein Rachen wund, sodass Sprechen und Atmen extrem schmerzhaft waren. Ich war auf einen Berg Medikamente angewiesen. Das Schlimmste war die Magendarmgrippe, mit der ich mich angesteckt hatte. Das hat mich so erschöpft, dass ich es kaum mehr ausgehalten habe.

Was hat Ihnen geholfen?

Dass ich mit einem Engel verheiratet bin. Meine Frau Reni war rund um die Uhr für mich da. Auch meine erwachsenen Kinder, Sarah und Sandro, sind mir beigestanden. Manchmal hat es mir leid getan, dass sie mich in diesem Zustand sehen und ertragen mussten.

Wie meinen Sie das?

Ich hatte nicht einmal mehr die Kraft zu lesen. Zeitweise lag ich nur da und hoffte, dass es schnell Abend wird. Da reagiert man gereizt auf alles, auch auf die liebsten Menschen dieser Welt.

Hat diese schwere Zeit Sie verändert?

Ja klar bin ich ein anderer Mensch geworden. Ich hoffe, die Veränderung ist positiv (lacht). Ich kann das kurz fassen: Ich bin extrem dankbar für alles, was ich habe und dass ich noch lebe.

Sie greifen immer wieder zum Wasserglas.

Ich habe wenig Speichel. Das macht Essen und Sprechen schwierig. Auch die Geschmacksnerven sind noch schwach, sodass ich einen Apfel kaum von einer Birne unterscheiden kann. Aber ich freue mich, dass ich die Magensonde nicht mehr brauche.

Sie konnten nichts essen?

Ja, ich habe mich während zweier Monate durch die Magensonde ernährt. Dabei habe ich 27 Kilogramm abgenommen. Das ist einer der positiven Nebeneffekten (schmunzelt).

Wie haben Aussenstehende auf Ihre Krankheit reagiert?

Ich habe weit über 100 Nachrichten aus den Schulzentren, der Behörde, aus dem Stadt- und Gemeinderat sowie von vielen einfühlsamen Leuten erhalten. Das hat mich ermutigt, weiterzukämpfen. Es ist mir ein Anliegen, mich bei allen zu bedanken, insbesondere bei den beiden Vizepräsidenten Michael Thurau und Markus Blättler, die von heute auf morgen für mich eingesprungen sind, eine Meisterleistung vollbracht und mir den Rücken frei gehalten haben.

An der Feier für den neuen Stadtpräsidenten standen Sie erstmals wieder in der Öffentlichkeit. Wie war das?

Es war mir wichtig, Thomas persönlich zu gratulieren. Der Stadtpräsident ist für mich als Schulpräsident eine wichtige Ansprechperson, und ich freue mich über seine Wahl. Natürlich fragten viele, wie es mir geht. Das freute mich. Aber nach zwei Stunden war ich fix und fertig. Ich muss mir noch Zeit lassen, meine Batterien aufzuladen.

Wann werden Sie ins Schulhaus zurückkehren können?

Ich werde voraussichtlich am 1. März mit einem 50-Prozent-Pensum einsteigen. Mein Ziel ist es, bis im Herbst wieder voll arbeitsfähig zu sein.

Worauf freuen Sie sich?

Darauf, dass ich mich wieder nützlich machen darf in diesem riesigen Betrieb und in grossen Projekten, wie der Schulraumplanung und beim Hallenbad. Ich bin motiviert und sehr dankbar, bald wieder arbeiten zu dürfen.

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