KREUZLINGEN: Hochhäuser müssen warten

Das kantonale Departement für Bau und Umwelt hat den Gestaltungsplan Wolfacker Ost nicht genehmigt. Das Problem ist, dass das Hochhauskonzept noch nicht rechtskräftig ist.

Nicole D’orazio
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Idylle im Wolfacker. Die Wiese wird noch eine Weile bestehen bleiben. (Bild: Donato Caspari)

Idylle im Wolfacker. Die Wiese wird noch eine Weile bestehen bleiben. (Bild: Donato Caspari)

Nicole D’Orazio

nicole.dorazio

@thurgauerzeitung.ch

Das Warten dauert an. Im Wolf­acker ist eine Überbauung mit höheren Gebäuden in Blütenform geplant. 2010 führte die Häberlin AG, die Besitzerin des Landes, einen Studienauftrag durch. Das kantonale Departement für Bau und Umwelt (DBU) hat kürzlich den Gestaltungsplan «Wolfacker Ost» jedoch nicht genehmigt. Das Projekt kommt nicht voran.

«Der Gestaltungsplan ist aus rechtlich formellen Gründen und nicht aus materiell inhaltlichen nicht bewilligt worden», erklärt Ernst Zülle, Stadtrat Departement Bau. Das DBU hat das Projekt als gutes städtebauliches Konzept bewertet. Er selber sei davon ebenfalls überzeugt. «In der Überbauung sind viele schöne Freiräume angedacht. Alte Bäume werden belassen und ein Teil der Anlage wird öffentlich zugänglich.» – «Das Problem ist, dass das Kreuzlinger Hochhauskonzept noch nicht rechtskräftig ist. Deshalb ist eine Einsprache eingegangen», sagt Zülle. Das Hochhauskonzept sei im Baureglement erst im Entwurf vorhanden. Es gehört zum Zonenplan und regelt, wo in der Stadt höhere Gebäude erlaubt sind.

Ortsplanungsrevision soll Anfang 2018 aufliegen

Im Rahmen der Vernehmlassung hätte die Mehrheit der Gemeinderatsfraktionen erklärt, dass sie einem separaten Änderungsgesuch des Baureglements nicht zustimmen würden, sagt Zülle. Diese Bestimmungen seien in der anstehenden Ortsplanungsrevision in das Baureglement aufzunehmen. «Das haben wir nun gemacht. Die Ortsplanungsrevision ist derzeit in der Vorprüfung beim Kanton.» Er rechnet damit, dass sie im Sommer in die Vernehmlassung kommt. «Anfang 2018 sollten wir sie auflegen können.»

Den Gestaltungsplan Wolf­acker Ost habe man dennoch beim Kanton eingereicht, weil man davon ausgegangen sei, dass er mit einer städtebaulichen Planung durchkomme, begründet der Stadtrat. Gemäss den Erläuterungen des DBU zum Planungs- und Baugesetz könne in der Übergangszeit bis zur Anpassung des Baureglements darauf verzichtet werden, sofern höhere Häuser in einer Zone, die drei oder mehr Geschosse zulässt, vorgesehen seien. Es müsse jedoch eine detaillierte städtebauliche Begründung und ein entsprechendes Konzept vorliegen. «Der Wolfacker befindet sich allerdings in einer Zone, in der die Regelbauweise nur zwei Geschosse zulässt», sagt Zülle. Deshalb bestehe ein Mangel in der rechtlichen Voraussetzung für eine Genehmigung. Man habe nicht mit dieser Antwort gerechnet, weil der Regierungsrat angekündigt hatte, das städtebauliche Konzept anzuerkennen. «Leider ist er nicht mehr zu dieser Aussage gestanden.»

Hoffen, dass der Investor abwartet

Zülle tut die Verzögerung leid, vor allem für die Investoren. Bei grossen Projekten würde das aber dazugehören. Sie erfordern Ausdauer und Hartnäckigkeit. «Der Frust hält sich aber in Grenzen, weil das DBU dem Gestaltungsplan eine hohe Qualität bezüglich Inhalt sowie Begründung des Resultats zugestanden hat. Die Arbeit war nicht umsonst.» Sobald die Ortsplanung durch sei, könne man den Gestaltungsplan erneut auflegen. «Ich denke, das wird frühestens Mitte oder eher Ende 2018 sein», schätzt der Stadtrat.

Für Landbesitzer Konrad Häberlin von der Häberlin AG ist es keine einfache Situation. «Wir warten nun schon sehr lange, und es geht bestimmt nochmals drei Jahre, bis wir den Gestaltungsplan haben», sagt er. Rekurs gegen den Entscheid des DBU will er nicht machen. Das bringe nichts, da ja die Rechtsgrundlage fehle. «Ich habe mit diesem Entscheid fast gerechnet», meint Häberlin. Das Gute sei, dass das Projekt architektonisch als positiv bewertet worden sei. Für sein Unternehmen bedeute der Stillstand einen Verlust von 1000 Franken im Tag. Das Land sei 30 Millionen Franken wert. «Beim verdichteten Bauen stehen wir immer öfter vor dem Problem, dass viele Einsprachen geschützt werden und sich die Projekte stark verzögern.»

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